„Verändert der Faire Handel die Gesellschaft?“

Neue Studie: Fairtradeprodukte sind zwar besser verbreitet als früher, dennoch gibt es großes Veränderungspotenzial

©TransFair e.V. / Gerhard Wasserbauer

Wer noch vor 10 Jahren mit Fairtradeschokolade, -Kaffee oder -klamotten ankam, wurde von seinem Freundeskreis oder den Arbeitskollegen bestenfalls belächelt oder zumindest nicht für ganz voll genommen. Das hat sich inzwischen deutlich geändert, denn heute tragen auch Produkte im ganz normalen Supermarkt das Fairtradelabel. Offenbar ist es immer mehr Verbraucher_innen in Deutschland wichtig, unter welchen Bedingungen ihre Konsumgüter und Lebensmittel in den Herkunftsländern produziert werden. Eine neue Studie im Auftrag von TransFair, Engagement Global, Brot für die Welt, Forum Fairer Handel und Misereor analysierte erstmalig wissenschaftlich, ob und in welchem Maße der Faire Handel in den letzten 15 Jahren die deutsche Gesellschaft beeinflusst und verändert hat. Die Ergebnisse zeigen: In allen untersuchten Bereichen – bei Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Politik und privatem Konsum – gibt es einen Trend hin zu verändertem Bewusstsein und Verhalten. 

Politik mit dem Einkaufswagen
Am sichtbarsten wird die Veränderung darin, dass es immer mehr fair gehandelte Produkte zu kaufen gibt, und zwar nicht nur in Welt-Läden, sondern auch im Supermarkt oder im Café. Somit können wir Verbraucher_innen über einen nachhaltigen Konsum Politik mit dem Einkaufswagen betreiben. Auch auf politischer Ebene werden Einkaufspraktiken unter dem Stichwort faire Beschaffung diskutiert, in der Wirtschaft wird der Faire Handel im Rahmen der Unternehmensverantwortung und des Rohstoffbezugs bedeutender. Als größter Erfolgsfaktor des Fairen Handels hat sich laut der Studie das Konzept selbst erwiesen: Der Faire Handel macht komplexe globale Problemzusammenhänge verständlich und liefert konkrete Lösungsansätze.
Fairer Handel ist daher heute fester Bestandteil der Bildungsarbeit, beispielsweise in Schulen, und unzählige Ehrenamtler_innen unterstützen den Gedanken. „Fairer Handel begeistert nach wie vor. Er ist der lebendige Beweis dafür, dass der weltweite Handel gerechter und menschlicher gestaltet werden kann. Die kirchlichen Hilfswerke zählen zu den Pionieren des Fairen Handels und werden sich auch weiterhin für seine Anliegen engagieren“, so Dr. Klaus Seitz, Leiter der Abteilung Politik bei Brot für die Welt.

Grenzen des Fairen Handels
Die Studie zeigt aber auch auf, wo die Grenzen des Fairen Handels liegen, denn nach wie vor gibt es ein großes Potenzial für gesellschaftliche Veränderungen. „Fairer Handel soll nicht nur Vorbildfunktion haben, sondern die Regel sein. Im deutschen Lebensmitteleinzelhandel die Prinzipien des Fairen Handels flächendeckend umzusetzen, unfaire Handelspraktiken zu beseitigen, und Menschenrechte entlang der Lieferketten durchzusetzen, bleiben eine Herausforderung“, erklärt Dieter Overath, Vorstandsvorsitzender von TransFair. Vor allem in der Politik – auf nationaler wie internationaler Ebene – sollten die Themen „Gerechterer Welthandel“, „Nachhaltigere Entwicklung“ und „nachhaltigerer Konsum“ stärker in den Mittelpunkt gerückt werden. „Die faire öffentliche Beschaffung gewinnt an Bedeutung und ist ein konkreter Beitrag vieler Kommunen und Verwaltungen zur Umsetzung des Ziels zwölf der UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) zum Themenfeld „Nachhaltiger Konsum – und Produktionsmuster“. Dieses Bewusstsein für die globale nachhaltige Entwicklung ist aber noch lange nicht bei allen Beschaffungsstellen angekommen“, sagt Dr. Jens Kreuter, Geschäftsführer von Engagement Global.

Trotz einer wachsenden Unterstützung des Fairen Handels durch die Politik, hat es im Untersuchungszeitraum laut der Studie keine substanziellen Veränderungen der ordnungspolitischen Rahmenbedingungen gegeben, wie sie von der Fair-Handels-Bewegung angestrebt werden. „Der Faire Handel muss den gesellschaftlichen Schulterschluss mit gleichgesinnten zivilgesellschaftlichen Akteuren verstärken, um die politische Forderung der Bewegung nach einem gerechteren Welthandel voranzubringen“, so Andrea Fütterer, Vorstandsvorsitzende des Forum Fairer Handel.

Die Studie wurde vom CEval Institut Saarbrücken durchgeführt und finanziell durch die Friedrich-Ebert-Stiftung unterstützt.

Die Studie im PDF-Format:

Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 27. Januar 2017
 
 
 

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