FOMO – Hast du Angst etwas zu verpassen?

"Fear of missing out", was bedeutet das eigentlich und was kann ich dagegen tun? Unsere Lizzy "Anker99" versucht das zu klären.

Dem Drang nachgeben?
Du liegst mal wieder in deinem Schlafanzug, mit verwuscheltem Haar, „hochgesteckt“ zu einem Dutt und einer Tüte Chips oder auch einem gesunden Obstsalat auf der Couch und schaust dir deine Lieblingsserie an. Es regnet schließlich draußen, da kannst du gut darauf verzichten, durch die Straßen zu laufen, von einem Club zum nächsten. Vor etwa einer Stunde hast du eine Whatsapp-Nachricht von deiner Freundin erhalten „Haste Lust gleich mitzukommen? Laura und ich wollen dem ‚Averys’ mal wieder einen Besuch abstatten und danach noch Cocktails schlürfen gehen.“ Du pausierst deine Serie, stehst auf, löst deinen Dutt auf, wenn man das Vogelnest auf deinem Kopf überhaupt als solchen bezeichnen kann, und läufst in Richtung Kleiderschrank. Schwarze Jeans und ein Top in der gleichen Farbe sind schnell gefunden und doch verspürst du keine wirkliche Lust deinen Hintern heute noch vor die Tür zu bewegen. Könntest du nicht etwas verpassen, wenn du heute Abend zuhause bleibst? Mit dem Handy in der Hand machst du einen Spaziergang durch dein Zimmer, hältst dir das Top vor die Brust und versuchst dir einzureden, dass es doch ein ganz netter Abend werden könnte. Du schlüpfst also in deine Klamotten, schnürst deine Chucks zu, tuschst deine Wimpern und trägst etwas Lippenstift auf. So weit so gut, oder eher doch nicht?

Das Phänomen „FOMO“
Falls ihr euch jetzt fragt worauf ich eigentlich hinaus möchte - also falls ihr noch nicht davon gehört habt (Was wie konntet ihr nur? 'Ironie aus'), FOMO (Fear of missing out) ist eine Form der gesellschaftlichen Beklemmung, der Betroffene trägt eine zwanghafte Angst mit sich herum, eine Angst davor ein ungewöhnliches Ereignis, eine soziale Interaktion oder ein befriedigendes Gefühl zu verpassen. Soziale Medien wie Snapchat oder Instagram vergrößern den Drang sich selbst darzustellen, zu verfolgen was andere gerade machen und erschweren es, mit dem was man selbst hat, zufrieden zu sein.

So alt wie die Gesellschaft selbst
Wie ihr vielleicht bereits bemerkt habt, beeinflussen unsere Medien, vor allem die neueren „sozialen“ Medien wie „Snapchat“ oder „Instagram“ maßgeblich unseren Alltag und sorgen dafür, dass immer mehr Menschen Angst davor haben, etwas zu verpassen und nicht mehr auf dem Laufenden zu sein. Abgesehen davon ist FOMO aber kein neues Phänomen, nur ihr Auftreten in der Verbindung mit technischen Geräten ist neu, denn auch schon vor 50 Jahren verspürten Menschen Angst oder die Sorge etwas zu verpassen.
Gruppenzugehörigkeit ist ein menschliches Bedürfnis, wer nicht dazugehört fühl sich schnell einsam. Ein beklemmendes Gefühl ist die Folge. Der Psychologe und Verhaltensforscher Dan Ariely von der Duke University bezeichnet das Phänomen als die Befürchtung, falsche Entscheidungen darüber zu treffen, wie man seine Zeit verbringt (…).

Normalität FOMO?
Seien wir doch einmal ganz ehrlich mit uns selbst: Kennt nicht fast jeder diese Angst davor etwas zu verpassen? Es könnte ja etwas total Cooles passieren, wenn du an diesem Freitagabend vor dem Fernseher hockst und deine Freundinnen die Stadt unsicher machen. Soll ich mir die angesagte neue Zeitschrift kaufen oder YouTube-Videos ansehen, die mich kein bisschen interessieren nur um dem Drang nachzugeben, immer bei allem dabei zu sein und bloß nichts zu verpassen? Lieber einen veganen Kochkurs besuchen (Ich bin selbst Vegetarierin – fühlt euch bitte nicht angegriffen!) oder Crop Tops, Bomberjacken und Adidas Superstars bzw. Stan Smith zu tragen anstatt meine wirkliche Interessen zu verfolgen und nur das zu tragen, was ich mag? (Oft ist es ja gerade in der Schule so, dass es bestimmte „Dresscodes“ für die verschiedenen Gruppen innerhalb der Schulgemeinde gibt).

Es ist wichtig festzuhalten, dass man nicht direkt an Fomo leidet, nur weil man sich mal darüber ärgert, dass ein Freund eine interessantere Geschichte zu erzählen hat als man selbst oder der neue Arbeitskollege bereits seit zwei Wochen auf Mauritius Urlaub macht und du selbst immer noch Zuhause hockst – „Fomos“ sind traurig sobald ihre Freunde, Bekannte oder Familienmitglieder etwas Unterhaltsames ohne sie erleben; sie haben regelrecht Angst davor, dass ihre eigenen Erfahrungen stets schlechter sind als die der anderen; sie sind quasi besessen davon ihren Instagram-Abonennten und Snapchat-Followern zu zeigen, was sie gerade erleben, und sie können sich nur schwer auf die Arbeit oder beim Lernen konzentrieren, weil sie den Drang verspüren einen Blick auf ihr Handy zu werfen.

Ist FOMO nur eine Modekrankheit?
Laut einer amerikanischen Website denken 56 % aller Social-Media-Nutzer, dass sie von FOMO betroffen sind. FOMO gilt zwar als erste Social-Media-Krankheit, ist jedoch bisher kein medizinisch anerkanntes Krankheitsbild. Obwohl technische Geräte nicht immer der Ursprung der Sorge sind, ist es dennoch logisch, dass mit Hilfe von „Social Media“ jeder dem anderen besonders gut unter die Nase reiben kann, was dieser gerade verpasst. Wer von euch also aufgrund von sozialen Medien an FOMO leidet, für den habe ich ein paar Tipps zusammengestellt, um möglichst schnell wieder sorgenfrei zu sein.

1. Anrufen statt tippen!
Ein kurzer Anruf ist deutlich effektiver als das Tippen von tausenden Zeichen.

2. Distanz zu Social Media!
Versuche nicht jede Minute deinen Newsfeed sowie deine Benachrichtigungen zu checken, du brauchst Abstand um dich auf dein eigenes Leben zu konzentrieren.

3. Schalte deine Push-Nachrichten aus!
Es wird unglaublich beruhigend auf dich auswirken, wenn nicht ständig Push-Nachrichten von Whatsapp, verschiedenen Zeitungen oder Instagram, Snapchat und Co. auf deinem Handy erscheinen. Lass dich nicht wegen jeder Kleinigkeit ablenken!

4. Freunde und Familie > Smartphone
Mach dir bewusst, dass dein Handy nicht deinen Tag bestimmen sollte. Die neusten Nachrichten zu checken sollten weder deine erste noch deine letzte Handlung am Tag sein.

5. Lebe JOMO! (Auch wenn ich kein Fan von Abkürzungen und Anglizismen bin und das Ganze auch für mich stark nach „Yolo“ klingt…)
Anstatt dich nur auf die negativen Dinge zu konzentrieren, lebe die Freude daran, bewusst etwas zu verpassen, mit Absicht den Verzicht zu leben.
(Lest mehr in "Das Gegenphänomen JOMO").

Wie man FOMO für sich nutzen kann
FOMO muss uns nicht zwingend behindern, es kann uns auch Türen öffnen. Nur wer regelmäßig hinterfragt, was sein Leben gerade ausmacht und überlegt, was er dadurch vielleicht verpasst, kann die vielen Möglichkeiten für sich optimal auszunutzen.

Natürlich sollte man einen realistischen Blick beibehalten und auch einen gesunden Pragmatismus verinnerlichen, damit FOMO uns nicht in Situationen lockt, für die wir einen zu hohen Preis zahlen müssen. Eine Kombination aus FOMO, Pragmatismus und auch Realismus erscheint mir der einzige wirkungsvolle Rettungsring zu sein, der uns aus einem Strudel voller Möglichkeiten heraushelfen kann.

Das Gegenphänomen JOMO
Ein neuer Trend stellt sich der „FOMO“ entgegen: JOMO bezeichnet die Freude daran etwas zu verpassen (Joy of missing out), es ist also kein Problem mehr „antisocial“ seinen Freitagabend alleine im Bett mit dem eigenen Laptop zu verbringen. Statt einem Partybild mit Moquitos und quietschbunten Strohhalmen, postet man seine Füße vor dem eigenen Fernseher mit der Chipstüte daneben. Wer absichtlich zuhause bleibt muss sich nicht mehr fürchten als Außenseiter oder gar unhöflich zu gelten wenn man die Einladung zu einer Party ausschlägt, denn dank JOMO hat man eine gute Ausrede parat.

Fazit: Lächerliche Abkürzungen, Umgang und Vergleichszwang
Wie man letztendlich mit FOMO, JOMO und, wer weiß welche neuen Abkürzungen folgen werden, umgehen möchte, muss jeder für sich selbst entscheiden. Wer ernsthafte Angst davor hat, ein Ereignis oder auch nur eine Kleinigkeit zu verpassen, sich dabei erwischt, die eigenen Erlebnisse abzuwerten und ständig verfolgt, wie andere ihren Tag verbringen (Social-Media) sollte sich natürlich Hilfe holen. Ein Gespräch mit Freunden und Familie kann schon ausreichend sein, aber auch ein Gespräch mit einem Psychologen ist nichts für das man sich schämen muss.

Fest steht jedoch für mich, dass es nicht gleich ein Anzeichen einer Krankheit ist, auf die Freundin neidisch zu sein, die gerade auf Mauritius am Strand liegt und ihren Instagram-Account im 5-Minutentakt mit neuen Schnappschüssen (vermeintlichen Schnappschüsse) füllt. Man darf nur nicht vergessen, dass es Wichtigeres gibt als sich ständig zu vergleichen, niemand muss Angst haben nicht interessant genug zu sein. Das mag für viele abgedroschen und banal klingen, aber jedem einzelnen von uns sollte bewusst sein: Ich bin genug.

Autorin / Autor: Anker99 - Stand: 22. August 2016
 
 
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