Wie die Liebe zur Physik geschürt werden kann

Studie der Deutschen Physikalischen Gesellschaft macht Vorschläge zur Verbesserung des Physikunterrichts

Physik ist zwar ein respektiertes Schulfach, ist aber dennoch bei den meisten Schüler_innen eins der unbeliebtesten Fächer überhaupt. Auch gesellschaftlich genießt die Physik kein sehr hohes Ansehen, was sich unter anderem darin zeigt, dass maßgebliche Persönlichkeiten aus Kultur und öffentlichem Leben mit Aussagen wie „in Mathematik und Physik war ich in der Schule immer schlecht“ kokettieren. Dabei bildet sie doch die Grundlage jeder hochtechnisierten Gesellschaft; ohne Physik hätten wir keinen Strom, keinen Verkehr, keine Krankenhäuser, ja sogar noch nicht mal Eis zum Nachtisch. Woran liegt es also, dass die meisten von uns Physik als so unattraktiv und lebensfern empfinden? Und wie kann diese Wahrnehmung positiv verändert werden? Einer der wichtigsten Ansätze liegt sicherlich in der ersten Begegnung mit dem Fach - und die findet zumeist in der Schule statt. Deshalb hat die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) nun eine Studie herausgebracht, die sich damit beschäftigt, wie Physik in der Schule spannender vermittelt werden kann.

Begeisterung für das Fach wecken
Einer der Vorschläge lautet, dass die Inhalte des Physikunterrichts an die Erfahrungswelt der Jugendlichen anknüpfen sollten. Dabei dürfe aber nicht der "Eindruck entstehen, alle wirklich spannende Physik fände erst in der Sek II statt und sei für Normalbegabte zu schwierig", heißt es in der Zusammenfassung der Studienergebnisse. Der Physikunterricht sollte Begeisterung für das Fach wecken und pflegen, zumindest aber eine gewisse Wertschätzung aufbauen. Für die "Überflieger" in dem Fach sollte es spezielle AGs geben, damit sie sich nicht ausgebremst fühlen. Ansonsten sollte es, so weit es geht, eine physikalische Grundbildung für alle geben. Die sollte zum Beispiel so aussehen, dass regelmäßig interessante, motivierende und alltagsnahe Kontexte in den Physikunterricht integriert werden. Dabei sollten die Lehrkräfte darauf achten, Zusammenhänge aus der realen Welt nicht nur als Unterrichtseinstieg zu nutzen, sondern sie modellhaft zu vereinfachen und so für die physikalische Betrachtung zugänglich zu machen. Auch historische Entwicklungen und soziale Aspekte der Physik sollten Thema sein, um das mangelnde Interesse der Schüler_innen am Fach Physik zu überwinden. "Schüler sollten erfahren, warum Physik für sie wichtig sein kann. Aus  lernpsychologischer Sicht sollte der Physikunterricht gerade für die Schüler, die sich für unbegabt halten, möglichst viele Gelegenheiten für Erfolgserlebnisse verschaffen", schlagen die Studienautor_innen vor, und sie wünschen sich, dass auch am Image der Physiker als kreative und sozial kompetente Menschen gearbeitet wird.

Weniger Stoff, mehr Unterrichtszeit
Kritik üben die Studienautor_innen auch an der unübersichtlichen Lage in den Bundesländern: "Gerade für das als schwierig empfundene Schulfach Physik ist diese länderspezifische Vielfalt höchst problematisch: im Falle eines Ortswechsels von einem in ein anderes Bundesland müssen Schüler bzw. Schülerinnen in diesem Fach besonders heftige Brüche erleben und durchleiden." Auch enthielten die Lehrpläne viel zu viele Inhalte, die ganz im Gegensatz zum geringem Stundenkontingent stünden. Ihr Vorschlag: Physik brauche insgesamt 10 Wochenstunden in der Sek I und sollte wieder als obligatorischer Kurs in der Sek II mit insgesamt 4 Wochenstunden belegt werden.

Mädchen fördern und alternative Unterrichtsmethoden einführen
Damit mehr Mädchen für die Physik in der Oberstufe gewonnen werden, mahnen die Wissenschaftler_innen an, mehr mädchengerechte Zusammenhänge herzustellen. (Nach ihren Erfahrungen würde dies übrigens keinen Interessenabfall bei den Jungen hervorrufen.) Außerdem empfehlen sie, die Aufgabenkultur im Unterricht vielfältiger  und  problemorientierter zu gestalten: "anstatt sich an standardisierten Aufgabentypen abzuarbeiten, sollten Schüler es (wieder) lernen, physikalische Probleme zu lösen". Dabei könnten alternative Unterrichtsmethoden und Sozialformen der oft beklagten Monotonie des Ablaufs von Physikstunden entgegenwirken und Interesse, Spontaneität und anregende Diskussionen fördern. Schließlich gehöre es zum Bildungsauftrag der Schule, "die Heranwachsenden zu lehren, wie man (ein Leben lang)lernt" heißt es in der Studie. Die Vermittlung von grundlegendem Verständnis physikalischer Denkweisen,  Gesetzmäßigkeiten  und  Zusammenhänge habe immer Vorrang vor der reinen Wissensvermittlung, zumal die Anhäufung „trägen Wissens“ im digitalen Zeitalter ihre Berechtigung mehr und mehr verliere.

Mit diesen Zielen kann der Physikunterricht ja gar nicht anders als bald zum Lieblingsfach aufzusteigen ;-).

Quelle:

Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 21. Juli 2016