Interview mit Alina Becker

Alina verrät, was sie an Lonesome Georges Schicksal reizte und in welcher Hinsicht sie auch ein bisschen so ist wie die Pinta-Riesenschildkröte.

Lonesome George ist genervt. Nicht nur, dass man ihm, als dem letzten lebenden Exemplar der Pinta-Riesenschildkröte den wenig schmeichelhaften Spitznamen "Einsamer George" verpasst hat, nein, jetzt kommt auch noch so ein Jungspund von Biologe daher, um ihn bei seinem langsamen Tagewerk zu beobachten. Und im Gegensatz zu George selbst, scheint der junge Dr. Sinclair mehr als nur motiviert, die Unterart der Pinta-Schildkröte zu erhalten ...

Über die Nachwuchsautorin:
Alina Becker wurde 1992 in einem kleinen Dorf im Sauerland geboren. Nach dem Abitur im Jahr 2012 verschlug es sie in die schöne Schwarzwaldmetropole Freiburg, wo sie sich gegenwärtig mit dem hehren Ziel nicht reich aber glücklich zu werden dem Studium brotloser Geisteswissenschaften widmet. Neben dem Schreiben klampft sie leidenschaftlich gern auf verschiedenen Instrumenten herum und tritt ihrem Partner beim Tanz auf die Füße.

Seit 2008 veröffentlicht Alina Becker ihre Texte online auf der Literaturplattform keinverlag.de und engagiert sich im Team der Online-Zeitschrift Sechzehn Seiten und bei verschiedenen Literaturprojekten des Vereins KeinVerlag e.V.. Beteiligung an diversen Schreibwettbewerbe brachten Veröffentlichungen ihrer Prosatexte in Anthologien und die Teilnahme an öffentlichen Lesungen ein. Zuletzt erschien ihre Kurzgeschichte „Das hässliche Bäumchen“ in der Anthologie "Ein Weihnachtswunder" des Alea Libris Verlags.

Was hat dich zur Teilnahme an GreenFiction bewogen?
Spontanität. :-) Ich bin erst ein paar Tage vor Einsendeschluss über die Ausschreibung gestolpert, und hatte sofort die Idee zu meiner Geschichte im Kopf. Besonders gereizt hat mich die Möglichkeit zur Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Mentor – auch wenn ich mir zu dem Zeitpunkt natürlich null Gewinnchancen ausgerechnet hatte.

Was fasziniert dich am Schreiben?
In erster Linie das Erzählen, glaube ich. Es gibt ja viele Schreibende, die von sich behaupten, schreiben zu müssen – das ist bei mir etwas anders. Ich schreibe, weil ich gerne erzähle, weil ich es liebe, Charaktere zu erschaffen und miteinander agieren zu lassen. Dabei ist es mir nicht unbedingt wichtig, dem Leser meine Meinung aufzuzwingen, unbedingt eine lebenswichtige Message zu kommunizieren, oder als Autorin mein Innerstes nach außen zu kehren, sondern dem Leser etwas zu geben, an das er sich gern zurückerinnert: einen runden, unterhaltenden, angenehmen Text, der ein gutes Gefühl hinterlässt. Ich habe große Ansprüche an mich selbst, weshalb mein Output vielleicht geringer ist, als bei vielen wirklich leidenschaftlichen Schreibern, denn in erster Linie schreibe ich meine fiktiven Texte für den Leser, nicht für mich – dafür reicht mein Tagebuch. :-)

Wie ist die Idee zu deiner Kurzgeschichte entstanden und warum erzählst du diese aus der Sicht einer Pinta-Riesenschildkröte?
Ich hatte irgendwann einmal eine Dokumentation über Lonesome George und andere gefährdete Arten gesehen – ich glaube, es war die Richard-Attenborough-Doku, auf die George auch in meiner Geschichte anspielt. Ich weiß noch, wie irritiert ich damals darüber war, was für ein Aufwand doch immer wieder für Unterfangen betrieben wird, die rücksichtslos oder von vornherein zum Scheitern verurteilt sind – genauso gut hätte ich über die Neubesiedelung des Mars, andauernde Atomversuche oder das ständige Verdrängen indigener und isolierter Völker durch die immer weiter ausufernde Regenwaldrodung schreiben können. Was mich an Lonesome Georges Schicksal reizte, war die Möglichkeit, aus einer interessanten Perspektive heraus schreiben und mit wenigen Charakteren die Kommunikationsschwierigkeiten zwischen Mensch und Natur herausarbeiten zu können.

Musstest du viel zum Thema recherchieren? Wie bist du vorgegangen?
Ein klein wenig Recherche war schon vonnöten. Das Umfeld von Lonesome George, wie ich es beschreibe, existierte wirklich – sein Pfleger Fausto, der Handlungsort, die beiden Ladies Georgina und Georgette… erfunden habe ich nur Dr. Sinclair, Georges Persönlichkeit und natürlich die ganze interspezifische Kommunikation. :-) Abgesehen von diesen offensichtlichen und leicht recherchierbaren Fakten war ich aber sehr frei – schließlich kann George niemandem mehr erzählen, was er wirklich von seinem Zwangsaufenthalt in der Forschungsstation hielt …

Gerlis Zillgens hat dich als Mentorin beim Schreiben unterstützt. Wie war die Zusammenarbeit und was hast du gelernt?
Die Zusammenarbeit war sehr entspannt – meistens. :-) Ab und zu haben wir auch kleine Kämpfe ausgefochten, meistens über Kleinigkeiten. Ich habe zuerst die Rohfassung geschrieben, und dann hat mir Gerlis dabei geholfen, den Text in seine endgültige Form zu bringen. Das hat eine Weile gedauert, weil ich nicht wahnsinnig talentiert im Plotten bin und mein Exposé sehr schnell kreiert, dann bis zur Verkündung der Gewinner aber nicht weiter daran gearbeitet hatte … Einmal abgesehen davon hat Gerlis natürlich den Feinschliff des Manuskripts übernommen und – verzweifelt und erfolglos – versucht, mir ein paar Regeln zu Grammatik und Zeichensetzung beizubringen. Theoretisch weiß ich jetzt zum Beispiel, wo bei den drei Pünktchen  (…) die Leerzeichen hingehören – und habe es trotzdem immer wieder falsch gemacht, damit habe ich Gerlis bei jeder neuen Fassung der Geschichte in den Wahnsinn getrieben … :-)

Musstest du während des Schreibprozesses viele deiner ursprünglichen Ideen verwerfen oder ändern? Falls ja, warum?
Ursprünglich sollte die Geschichte viel satirischer oder komischer werden – das wusste ich noch nicht sicher, als ich das Exposé abschickte. Aber beim Schreiben merkte ich, dass sowohl George als auch Sinclair, eigene Persönlichkeiten entwickelten, die für eine reine Satire zu liebenswürdig, für eine Klamaukgeschichte aber wiederum zu ernsthaft und tiefgründig waren. Gerlis hat mir geholfen, meine beiden Protagonisten und die wenigen Nebencharaktere glaubhaft und nicht zu übertrieben darzustellen.

Hat sich deine Sicht auf die Umwelt irgendwie geändert oder denkst du, dass man mit Umweltgeschichten etwas bewirken kann?
Auf die erste Frage bezogen: nein. Ich glaube, was den Umweltschutz angeht, bin ich selbst ein bisschen wie George: wütend, aber auch nicht imstande, komplett über meinen Schatten zu springen. Genau wie George sich bemüht, sich von Zeit zu Zeit halbherzig gegen das Fortpflanzungsprojekt auszusprechen – was natürlich niemand versteht -, versuche ich in meinem Privatleben, möglichst umweltfreundlich zu konsumieren und agieren. Manchmal funktioniert es, manchmal nicht, und ich glaube, da unterscheide ich mich nicht großartig von den meisten Menschen in unserem Kulturkreis. Unseren ökologischen Fußabdruck auf ein erdwürdiges Maß zu bringen, ist in unserer Gesellschaft schlichtweg nicht möglich, das sehe ich ganz realistisch.

Was die Wirkung von Umweltgeschichten angeht: Ich denke, dass Literatur den Einzelnen an sich zum Nachdenken anregen kann, was allemal ein erster Schritt in die richtige Richtung ist. Speziell bei der Problematik meiner Geschichte kann ich mir allerdings nicht vorstellen, dass sie von den richtigen Leuten gelesen wird …

Was liest du selbst gerne?
Durch mein Studium bedingt viel englische Literatur, quer durch alle Jahrhunderte und Genres. Anfang der Neunziger geboren gehöre ich natürlich zur Potter-Generation, aber bei Fantasy bin ich sehr wählerisch. Romantische Komödien mag ich gern, spannende Thriller, Geschichten, die ans Herz gehen, gerne auch aus dem Bereich der Jugendliteratur. Kurz gesagt: Eigentlich gebe ich jedem Buch eine Chance, egal, aus welchem Genre es kommt – Hauptsache, Story und Stil packen mich (deswegen lese ich Lyrik nur von befreundeten Autoren, oder wenn ich zu einer Analyse gezwungen werde … ;-)).

Was rätst du denjenigen, die auch gerne Geschichten schreiben und an Wettbewerben teilnehmen möchten?
Viel lesen. Dann loslegen!

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