Freiwilligendienst in Chudschand

Adrian hat ein Jahr als Freiwilliger im „Kulturweit“ Programm der Deutschen UNESCO-Kommission des Auswärtigem Amtes gearbeitet und berichtet von seinem Aufenthalt in Tadschikistan.

Tadschikistan, Chudschand, Schule. Das waren die Hauptinformationen, die ich im Frühjahr 2015 von meiner Organisation Kulturweit bekommen habe. Doch was heißt es, ein FSJ, also einen Freiwilligendienst in einem Land zu machen, wovon ich vorher nur die ungefähre Lage wusste?

Alles begann mit der Mail meiner Endsendeorganisation, dem PAD (Pädagogischer Austauschdienst), von welcher ich Informationen über die Einsatzstelle, den Einsatzort und das Einsatzland erhalten sollte. Alles sehr knapp gehalten, also begann ich sofort mit den Recherchen. Meine Vorbereitung auf Tadschikistan widmete ich einen Intensivsprachkurs Russisch, da in Tadschikistan neben Tadschikisch (altpersisch) auch Russisch gesprochen wird, aufgrund der Vergangenheit mit der UdSSR.

Hierzu ein kurzer Exkurs in die Landeskunde. Tadschikistan liegt in Zentralasien und hat gemeinsame Grenzen mit Kirgistan (Norden), China (Osten), Afghanistan (Süden) und Usbekistan (Westen). Afghanistan? Da gehen natürlich vielen Deutschen gleich unwohle Gedanken durch den Kopf, wenn sie das hören. Genau so erging es auch meiner Familie und meinen Freunden zum Anfang. Jedoch ist Tadschikistan ein sicheres Land und ich hatte von Beginn an keine Angst vor irgendwelchen Gefahren. Aber einen Unterschied zwischen Angst und Befürchtungen haben, gibt es trotzdem. Meine Befürchtungen bezogen sich viel mehr darauf, wie der Kontakt zu der Einsatzstelle und den Kollegen sein wird und wie es mir gelingen würde, mich gut in die Gesellschaft einzugliedern. Das durchgehend muslimisch geprägte Land hat viele Traditionen, die für uns als Europäer seltsam erscheinen. Was mir von Anfang an auffiel ist der besondere Bezug zur Familie. Jeden Tag sieht man mindestens 10 Hochzeiten, wenn man durch die Straßen läuft und vor allem in der Arbeit mit den Schülern wird immer wieder der besondere Bezug zum Vater, der Mutter, den Geschwistern und den Großeltern deutlich. Meine Arbeit im Safina Gymnasium, das eine ZfA-Schule (Zentralstelle für Auslandschulwesen) ist, gestaltet sich sehr abwechslungsreich. Zum Beispiel biete ich eine Schach-, Musik-, Fußball- und Erste Hilfe-AG an. Dabei verbinde ich das inhaltliche Lernen immer mit der Deutschen Sprache, sodass die Schüler oft unbewusst durchs Lesen, Schreiben und Hören ihre Sprachkenntnisse fördern und entwickeln. Oftmals verwende ich bei meinen Kursen für die Schüler noch unbekannte Methoden beim Erweitern der Kenntnisse und Sozialkompetenzen, die ich während meiner Jugendgruppenleiter-Ausbildung bei den Johannitern gelernt und schon in der Praxis bereits erprobt habe. Für mich ist das ein tolles Gefühl, wenn ich positive Resonanz von den Schülern für Ideen bekomme, die ich mir im Vorfeld ohne fremde Hilfe erdacht habe. Das gibt mir immer wieder frische Motivation, mit den Kinder und Jugendlichen gemeinsam neue Projekte zu entwickeln. Momentan bin ich dabei mit einer Mädchengruppe das Thema Weihnachten und Winter in Deutschland zu behandeln. Dabei kann ich auch viel von den Schülern lernen, die mir über ihre Eindrücke, Erfahrungen und Traditionen während dieser schönen Zeit in Tadschikistan berichten. Auch mussten die Schüler etwas schmunzeln, als ich ohne Bedenken sofort ihre Bräuche ausprobieren wollte. Das ist meiner Erfahrung nach ein guter Weg, sich den Respekt und die Anerkennung der Kinder zu verdienen.

Im Gymnasium lernen die Schüler der 1. bis zur 11. Klasse und viele von ihnen begeistern sich für den intensiv gestalteten Deutschunterricht, da eine Hauptzahl von ihnen in Deutschland später studieren oder arbeiten möchte. Wenn es mal mit der Verständigung zwischen mir und den Schülern nicht so ganz klappt, finden wir immer Wege dies zu lösen. Jedoch bin ich außerhalb der Schule, wenn ich zum Beispiel auf dem Basar einkaufen gehe, auf mich allein gestellt. Mein Eindruck ist, dass die Tadschiken ein sehr offenherziges und freundliches Volk sind, sodass ich auch ohne Tadschikischkenntnisse wenig Probleme damit habe, beispielsweise ein Kilo Äpfel zu kaufen. Ich denke, dass es eine große Rolle beim Leben in einer fremden Gesellschaft spielt, wie sehr man sich den Gegebenheiten anpasst und den neuen Eindrücken öffnet.

Abschließend möchte ich sagen, dass ich mich am meisten darüber freue, welche Erfahrungen man in einem Jahr alles machen kann, wenn man sich selbst zurück nimmt und einfach die Kultur und die Menschen auf sich wirken lässt.

Autorin / Autor: Adrian - Stand: 7. Dezember 2015
 
 
 

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