Kopf oder Bauch oder beides?

Studie: Wie wir entscheiden, hängt auch davon ab, wie gut wir uns mit einer Sache auskennen

Hose oder Rock? Laptop oder Tablet? Ob Menschen im Alltag in solchen Fragen eher auf ihren Bauch hören oder ihren Kopf entscheiden lassen, haben Wissenschaftler_innen des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin und der Universität Basel untersucht. Sie wollten herausfinden, wann Menschen eher intuitive, wann eher wissensbasierte Entscheidungen treffen und ob es bestimmte Typen gibt, die grundsätzlich eher auf die eine oder die andere Art entscheiden.

Für ihre Untersuchung befragten die Wissenschaftler 149 Student_innen im Durschnitt von 25,8 Jahren, davon 201 weibliche. Zunächst wurden die Testpersonen gefragt, wie sie generell Entscheidungen treffen — intuitiv oder eher wissensbasiert. Zusätzlich machten sie Angaben darüber, wie sie bei Entscheidungen, die bestimmte Bereiche des Alltags betreffen, vorgehen würden. Die Forscher_innen fragten nach Partnerwahl, Kleidung, Restaurants, Medizin, Elektronik und Urlaub. Zuletzt schätzten die Teilnehmer_innen ihre eigene Expertise in den jeweiligen Bereichen auf einer Skala von eins bis fünf ein.

Keine Geschlechtsunterschiede
Während wir bei Kleidung, Restaurants und der Partnerwahl eher intuitiv entscheiden, setzen wir bei Themen wie Medizin, Elektronik und Urlaub eher auf wissensbasierte Abwägungen, so die Ergebnisse der Studie. „Somit kann man auch nicht von dem Kopf- oder dem Bauchentscheider sprechen, wie es häufig angenommen wird“, sagt Thorsten Pachur, Erstautor der Studie und Wissenschaftler am Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung. Stattdessen bevorzugen Menschen je nach Inhaltsbereich die eine oder die andere Entscheidungsart – ganz unabhängig vom Geschlecht. Das Vorurteil, dass Frauen lieber mit dem Bauch entscheiden als Männer, wurde nicht bestätigt.

Expert_innen entscheiden eher mit dem Bauch
Die Ergebnisse machen deutlich: Wie sehr jemand eine Entscheidung lieber aus dem Bauch heraus oder mit dem Kopf trifft, hängt von dem jeweiligen Bereich ab. Wer in einem Bereich ein Kopfentscheider ist, muss dies längst nicht in einem anderen sein. Die bevorzugte Entscheidungsart hängt davon ab, wie man seine eigene Kompetenz in diesem Bereich einschätzt. Sieht man sich in einem Bereich nicht so sehr als Experte, entscheidet man lieber wissensbasiert. „Haben wir in einem bestimmten Bereich aber recht viel Erfahrung, dann vertrauen wir bei solchen Entscheidungen eher auch unserem Bauchgefühl“, erklärt Thorsten Pachur die Ergebnisse. „Dies könnte auch bedeuten, dass ältere Menschen aufgrund ihrer größeren Erfahrung mehr zu Bauchentscheidungen neigen als jüngere.“

Die Studie dazu wurde in der Fachzeitschrift „Journal of Applied Research in Memory and Cognition“ veröffentlicht.

Quelle

Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 3. November 2015