Meine, und auch Eure!

Einsendung zum Wettbewerb 2050 - Stadt meiner Träume von Jenny, 29 Jahre

,Die Klingel, endlich‘, dachte ich noch und war bereits dabei mein Buch, Heft und
Mäppchen in meine Tasche zu werfen, als meine Lehrerin in die Hände klatschte und
uns noch um einen kurzen Moment bat.
„Bevor ihr ins Wochenende startet, bekommt ihr noch eine Hausaufgabe!“, die ganze
Klasse stöhnte auf. „Ich möchte bis Monat von jedem einen Aufsatz haben, in dem ihr
beschreiben sollt, wie eure Stadt der Träume im Jahre 2015 aussehen würde. Die
Überschrift soll lauten ,Meine Stadt der Träume‘. Ich möchte, dass ihr Euch
Gedanken drüber macht. Schreibt das auf und dann schönes Wochenende.“
In der Regel machte ich meine Hausaufgaben Sonntagsmittags, wie dieses Mal
auch, da dann meistens eh nichts los war. Ich nahm Papier und Stift und dachte
nach. Nach zehn Minuten war das Blatt immer noch leer. Was sollte ich bloß
schreiben?
Ich bat meine Mutter um Hilfe. Sie machte mir den Vorschlag mal durch die Stadt zu
gehen. Vielleicht würde mir dann ja was zum Thema einfallen. Damit beschloss ich
meiner besten Freundin Silvia eine SMS zu schreiben und verabredete mich in der
City vorm großen Modehaus...
„Und was jetzt?“, fragte Silvia etwas entmutigt, da wir beide keinerlei Ideen bisher
hatten.
Ich überlegte kurz und meinte dann: „Hier laufen selbst Sonntags soviele Leute rum.
Fragen wir doch einfach die, wie eine ,Stadt der Träume‘ aussehen könnte. „Aber
wenn wir andere Fragen, ist es doch garnicht mehr unsere Stadt der Träume“,
wendete Silvia ein. ,Stimmt‘, dachte ich, aber dann meinte ich: „Ist es nicht genauso
wichtig, dass sich in meiner Stadt der Träume, die anderen Leute ebenso wohlfühlen
und es auch ihre Stadt der Träume ist?“
Silvia stimmte zu und wir fragten die Leute, die an dem Modehaus vorbei liefen.
Manche liefen stur an uns vorbei, andere hörten uns geduldig zu.
Nach eineinhalb Stunde hatten wir soviele Vorschläge gesammelt, dass es dicke für
zwei Aufsätze gereicht hätte und wir machten uns gemeinsam auf den Heimweg, um
gemeinsam den Aufsatz zu schreiben.
Am nächsten Morgen gaben wir unsere Aufsätze mit der Bemerkung, dass Silvia und
ich dieses Thema gemeinsam erarbeitet haben und wir uns das Thema geteilt
hätten, ab. Die Lehrerin sah skeptisch drein, akzeptierte es aber wortlos.
Am Dienstag, in der vierten Stunde, hatten wir wieder Deutsch. Unsere Lehrerin
begann damit: „Ich habe eure Aufsätze gelesen und ich muss sagen, die meisten
haben sich nicht wirklich viel Mühe geben. Aber ich habe hier zwei, die ich euch
gerne vorlesen möchte.“

Meine Stadt der Träume, Teil 1
Von Silvia Bräuner und Jessica Leuter, Klasse 7B
Meine Stadt der Träume wäre Grün. Im Herzen der Stadt, ein riesiger Park, mit einem
Zoo, der kostenlos wäre, damit jeder sich an der Natur erfreuen könnte. Auf den
Dächern von Hochhäusern, Supermärkten und Parkhäuser würden Gärten angelegt
werden, wo gesundes Gemüse angepflanzt werden kann. Mehr Solaranlagen auf
den Dächern, damit wir nicht nur saubere Luft, sondern auch saubere Energie
hätten. Mehr Kitas, damit jedes Kind die Chance hat, mit anderen Kindern von klein
an aufzuwachsen. Ich würde mir auch wünschen, dass es keine Autos in der Stadt
gäbe, damit die Luft, die wir atmen, besser werden würde und Kinder sicherer zur
Schule kämen. Stattdessen sollte es ganz viele Fahrradwege geben. Für lange Wege
und für Menschen, die schlecht zu Fuß sind, sollte die U-Bahn besser ausgebaut
werden. Ich würde mir mehr Projekte wünschen, in denen Jugendlichen sich
einsetzen könnten, damit sie nicht vor lauter Langeweile Blödsinn machen. Es sollte
Projekte geben, in denen Alt und Jung sich zusammen tun können und sich
gegenseitig unterstützen, damit jeder davon profitieren kann. In Schulen sollte es
mehr Praxis geben als stumpfe Theorie. Es sollte mehr Kulturhäuser geben. Die
Fassaden von Häusern sollten viel bunter sein, das bringt mehr Leben ins Stadtbild,
anstatt graue Betonklötze. Gerade kreative Jugendliche könnten sich hierbei auf
legalen Weg austoben. Auch würde es mehr Laternen und Notruftelefone in der
Stadt geben, sowie mehr Polizisten, die Streife fahren, damit jeder, besonders junge
Mädchen und Frauen nachts ohne Angst durch die Stadt gehen können. Das wäre
meine Stadt der Träume.

Die Klasse applaudierte, bis die Lehrerin die Hand hob und den zweiten Aufsatz
vorlas.

Meine Stadt der Träume, Teil 2
Von Jessica Leuter und Silvia Bräuner, Klasse 7B

In meiner Stadt der Träume, sind alle Menschen gleich. Jeder hat das Recht auf eine
Wohnung, Nahrung, saubere Kleidung, sauberen Strom und fließend Wasser. Egal
ob der jenige heute ein Obdachloser oder Geschäftsmann ist, jeder sollte eine Arbeit
haben und dementsprechend bezahlt werden. In meiner Stadt würde es keine
unterschiedlichen Gehälter bei Männern und Frauen im gleichen Beruf geben. In
meiner Stadt würden die Menschen, die wirklich einen harten Job, wie Altenpfleger,
Krankenschwestern und so weiter haben, gerechter bezahlt werden. Auch
Supermärkte würden nicht mehr übertrieben früh und lang aufhaben, damit viele
Mütter und Väter, die im Einzelhandel tätig sind, mehr Zeit für ihre Kinder haben.
Reiche Leute würden mehr Steuern zahlen, womit die Stadt unterstützt werden
würde, wie der kostenlos Zoo, soziale Projekte und vieles mehr. Es würde mehr
Treffpunkte für Jung und Alt geben und auch einen extra Sozialdienst, der sich um
vereinsamte Menschen kümmert, die in ihrer Wohnung versauern und diese wieder
am Leben der Gesellschaft teilnehmen lassen. Es würde keine Mieterhöhungen
geben, damit keiner gezwungen sein würde meine Stadt der Träume zu verlassen.
Obdachlose eine zweite Chance im Leben geben und diesen ein Heim, damit keiner
von ihnen mehr bei Minusgrade auf der Straße erfrieren müsste. Meine Stadt der
Träume, wäre eine Stadt, des Geben und Nehmens, der Rücksicht auf andere und
dem Miteinander.

Wieder hörte man Applaus und Silvia und ich lächelten uns an. Unser Miteinander,
ein kleiner Schritt zu unserer Stadt der Träume.

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