Abi ja, Studium nö

Studie untersucht, was AbiturientInnen vom Studium abhält

Bild: LizzyNet

Abitur ja, Studium nein danke – das sagen in Nordrhein-Westfalen 40 Prozent der Studienberechtigten, in Bayern dagegen nur 20 Prozent. Wie dieser Unterschied zwischen den Bundesländern zu erklären ist, haben ForscherInnen des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) umfassend untersucht. Für die Studie haben die Forscher die Studienberechtigtenpanels des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) der Jahre 1999 bis 2010 ausgewertet und untersucht, ob Abiturientinnen ein halbes Jahr nach dem Abi studieren oder es fest planen. Ihre Analysen zeigen, dass die Abiturnote und die Entfernung zur nächsten Hochschule die Entscheidung für ein Studium besonders stark beeinflussen.

Wer ein gutes Abi schafft, erhöht die Chancen auf einen Studienplatz. So liegt die Neigung zu studieren denn auch bei AbiturientInnen mit Einserabitur um 34 Prozent höher als bei "Dreier-KandidatInnen". Zum Ländervergleich: In Nordrhein-Westfalen haben beispielsweise 28 Prozent Schülerinnen einen Abiturschnitt von 3,0 oder schlechter, in Baden-Württemberg 16 Prozent, in Thüringen nur 9 Prozent. Allerdings sagen Noten wenig über erworbene Kompetenzen aus, die sich oft nicht mit den erzielten Abiturnoten im Bundesländervergleich decken. Berechnungen der Studien-AutorInnen ergaben zum Beispiel, dass die besten Abiturnoten nicht in den Bundesländern erzielt wurden, in denen die GymnasiastInnen drei Jahre vorher auch die besten Lesekompetenzen hatten. Vielmehr ist laut den Studienautoren eine unterschiedliche Benotungspraxis in den Bundesländern schuld an den Unterschieden bei den Abiturnoten.

Anders als die Forscher vermuteten, orientieren sich Abiturientinnen bei der Selbsteinschätzung aber nicht am Notendurchschnitt ihrer MitschülerInnen. "Vielmehr scheint es eine über alle Bundesländer hinweg geltende Vorstellung darüber zu geben, mit welcher Abiturnote man ein Studium erfolgreich absolvieren kann", sagt Mitautor Marcel Helbig.

Außer der Note ist aber auch noch die Entfernung zur nächsten Hochschule an der Entscheidung pro oder kontra Studium beteiligt. Die Entfernung verstärkt sogar den Einfluss der Abiturnote noch: Ist die Hochschule weiter vom Wohnort entfernt, lassen sich junge Frauen und Männer mit einem Abiturschnitt von 2,4 und schlechter eher von einem Studium abhalten. Unterschiede gibt es zwischen den neuen und alten Bundesländern: Während in Westdeutschland bereits bei einer Entfernung von 10 Kilometern deutlich weniger Lust auf ein Studium haben, sind Abiturientinnen in den neuen Bundesländern bereit, bis zu 40 Kilometer zu fahren. Erst darüber sinkt die Studiermotivation. Die ökonomische Situation des Elternhauses spielt entgegen der Erwartung der Forscher eine untergeordnete Rolle.

Weitere Ergebnisse der Studie:

  • Die soziale Herkunft hat deutlich weniger Einfluss auf die Motivation zu studieren als zum Beispiel beim Übergang in die weiterführenden Schulen.
  • Junge Frauen und Männer mit Migrationshintergrund wollen häufiger studieren als Studienberechtigte ohne. Ihre Studierneigung ist im Bundesdurchschnitt 9 Prozentpunkte höher.
  • Abiturientinnen lassen sich von den Studienwünschen ihrer MitschülerInnen leiten. Je mehr MitschülerInnen ein halbes Jahr vor Erwerb der Hochschulberechtigung ein Studium anstreben, desto eher entscheiden sich zuvor unentschlossene Schüler nach dem Schulabschluss ebenfalls für ein Studium.
  • Frauen streben seltener ein Studium an als Männer. Besonders unter ungünstigen Umständen (zum Beispiel niedrige Bildung und berufliche Stellung der Eltern) verzichten sie auf ein Studium.
  • In Stadt- und Landkreisen mit hoher Arbeitslosigkeit ist die Motivation zu studieren besonders niedrig.
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Quelle:

Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 19. Februar 2015