Genetisch voll unmotiviert?

Studie: Lernbegeisterung von Schüler_innen nur begrenzt steuerbar

Überhaupt gar keine Lust auf Schule? Und erst recht nicht auf Hausaufgaben? Und all der neue Stoff und all die blöden Vokabeln - da sagt ihr nur "nein danke!"? Dann kommt jetzt die gleichzeitig gute und schlechte Nachricht: ihr könnt nichts dafür. Aber die Schule auch nicht. Höchstens indirekt eure Eltern, die euch die genetisch bedingte Lernunlust mit in die Wiege gelegt haben.

Die Gene sind mal wieder schuld
Neuerdings ist es in der Forschung ja ein Trend, alles den Genen in die Schuhe zu schieben. Weil Wissenschaftler_innen genetische Unterschiede viel genauer ausmachen können, werden sie offenbar auch nicht müde, immer wieder neue Beispiele auszugraben, die zeigen, wie hilflos der Mensch seiner biologischen Disposition ausgeliefert ist. In einer aktuellen Studie der amerikanischen Ohio State University ist es die Motivitation zu lernen, die nun weniger dem Lernumfeld, dem Engagement der Eltern, der Förderung oder dem spannenden Unterricht als vielmehr der genetischen Veranlagung zugeschrieben wird.

Zwillingsstudie: familiäres Umfeld hat nur wenig Einfluss
Die Lernmotivation von insgesamt 13.000 eineiigen und zweieiigen Zwillingspaaren von 9 bis 16 Jahren aus sechs verschiedenen Ländern wurde für die Studie unter die Lupe genommen. Die Forscher_innen hatten zunächst vermutet, dass das Lernumfeld, die gemeinsame Familie oder auch die Lehrer_innen, die sich die Zwillinge teilen, einen größeren Einfluss auf die Lust am Lernen haben als genetische Faktoren. Aber es war in dieser Untersuchung offenbar genau anders herum: 40-50% der Unterschiede konnten den Wissenschaftler_innen  zufolge durch unterschiedliche genetische Voraussetzungen erklärt werden. Den anderen Löwenanteil machten ausgerechnet Faktoren aus, die sich die Zwillinge nicht teilten (zum Beispiel verschiedene Lehrer). 

Eineiige Zwillinge teilen auch ihre Lernmotivation
Bei der Auswertung der Daten zeigte sich, dass eineiige Zwillinge, die alle ihre angeborenen Gene teilen, sich in ihrer Lernmotivation deutlich weniger unterschieden als zweieiige Zwillinge, die nur nahezu die Hälfte ihrer Gene teilen, aber unter nahezu identischen Umständen aufwachsen. Aber die familiäre Umgebung schien tatsächlich den geringsten Einfluss zu haben und das war in allen Ländern gleichermaßen sichtbar.

Was daraus folgt? Sicher nicht, dass ihr euch zurücklehnen und euch auf eure mangelhaften Gene berufen könnt. Dem Zeugnis und allen, die sich für die Noten darauf interessieren, sind eure Gene nämlich vermutlich ziemlich schnuppe. Die Forscher_innen fordern auch Lehrkräfte auf, nie mit dem Versuch aufzuhören, Schüler_innen zu motivieren. Dennoch entstehe Motivation offenbar in einem komplexen Zusammenspiel zwischen einer genetischen Veranlagung und dem Umfeld und Motivation zu fördern sei darum eben viel komplizierter als gedacht.

Quelle:

Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 14. Arpil 2015