Klasse statt Masse - aber schlecht bezahlt

Studie: Frauen drehen weniger Filme, dafür aber erfolgreicher

Bild: LizzyNet

Beim Film ist es wie im Leben sonst auch: Obwohl Frauen oft die bessere Qualität liefern, sind sie meist in der Unterzahl, egal ob Managerin, Politikerin oder eben Regisseurin. Nur jeder fünfte deutsche Spielfilm (22 %) der Jahre 2009–2013 wurde von einer Frau inszeniert. Trotzdem erhalten Frauen häufiger Filmpreise und ihre Filme laufen viel erfolgreicher auf Festivals. Das ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass ihre Filme in der Regel finanziell schlechter ausgestattet sind als die ihrer männlichen Kollegen. Das sind Ergebnisse einer aktuellen Studie des Instituts für Medienforschung der Universität Rostock.

In der Studie wurde verglichen, welche Film-Projekte gefördert wurden. Dabei traten deutliche Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern zutage. Während ein von einem Mann inszenierter Film durchschnittlich über 1.000.000 Euro Filmförderung erhielt, bekommen Frauen nur 660.000 Euro. In der Summe erhalten von Frauen inszenierte Spielfilme also nur 65 Prozent der Fördersumme, die Männer für ihre Projekte bekommen.

Nicht nur die Förderung, auch das Gesamtbudget, das weiblichen Regisseuren zur Verfügung steht, fällt geringer aus. Und das hat dann auch noch Auswirkung auf das Erscheinen in großen Kinos. Da die Filmverleiher bei einem Film mit niedrigeren Budget davon ausgehen, dass er nicht so viel einspielt, starten solche Filme mit einer geringeren Kopienzahl. Das bedeutet widerum, dass Filme von Frauen in viel weniger Kinos laufen. Unter den kommerziell erfolgreichen deutschen Kinofilmen, finden sich von Frauen inszenierte Filme nur in Ausnahmen. Von Männern inszenierte Filme haben deshalb auch ungefähr doppelt so viele BesucherInnen wie Filme von Frauen, was einen doppelten Umsatz an der Kinokasse ausmacht. Dies liegt aber laut der Studie vor allem an den sehr erfolgreichen Ausreißerfilmen wie "Der Medicus", "Fack ju Göthe", "Männerherzen" und "Kokowääh".

Keine einzige Frau führte Regie bei einem Film, der mehr als 10 Mio. Euro einspielte. Diese wurden alle von Männern oder männlichen Teams realisiert. Allerdings waren es auch nur 35 Filme, die in den fünf Jahren (2009–2013) mehr als 1 Million BesucherInnen hatten. Von diesen führte nur in zwei Fällen eine Frau alleine Regie: „Almanya – Willkommen in Deutschland“ von Yasemin Samdereli (2011) und „Wüstenblume“ von Sherry Hormann (2009).

Dabei wird dem Publikum hierzulande einiges vorenthalten, denn Filme von Frauen haben andere Qualitäten. Trotz ihrer geringeren öffentlichen Präsenz werden sie von Kritik und Jurys offenbar sehr geschätzt: sie gewinnen häufiger Filmpreise und nehmen öfter an Filmfestivals teil. So wird ein Film einer Frau häufig auf drei, vier oder fünf Festivals gezeigt. Besonders unter den Festivalhits, die auf mehr als fünf Festivals laufen, sind viele von Frauen inszenierte Filme. "Festivals bilden traditionell eine deutlich größere Bandbreite des Filmschaffens ab, da dort nicht die kommerzielle Auswertung von Filmen im Vordergrund steht, sondern der Überblick von Qualität und Innovation der Filmkunst in seiner vollen Breite", heißt es in der Studie.

Der Bericht „Wer dreht deutsche Kinofilme? Gender-Report 2009–2013“ analysiert, inwieweit sich Filme, die von Frauen inszeniert wurden von Filmen unterscheiden, bei denen Männer Regie geführt haben. Untersucht wurden Unterschiede bzgl. Höhe der Förderung, des Budget, aber auch bezüglich der Einspielergebnisse und Festivalerfolge. Untersucht wurden alle deutschen Spielfilme, die in den Jahren 2009–2013 uraufgeführt wurden. Datengrundlage waren die FFA-Berichte. Zusätzlich haben wir Förderung, Besucherzahlen, Umsatz und Festivalauswertung miterhoben.

Hier geht es zu den Studienergebnissen

Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 13. Februar 2015
 
 
 

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