Weg oder Ziel?

Studie: Welche Sprache wir sprechen, beeinflusst, wie wir Situationen wahrnehmen

Menschen, die unterschiedliche Sprachen sprechen, nehmen ihre Umwelt möglicherweise auch unterschiedlich wahr. Das liegt dann nicht etwa daran, dass Sprecher einer bestimmten Sprache kulturbedingt eine andere Mentalität hätten, sondern tatsächlich an der Sprache selbst. Diese gibt durch das bloße Vorhandensein oder Fehlen bestimmter Worte oder Formen einem Geschehen ein anderes Gewand. Das haben Wissenschaftlerinnen um Panos Athanasopoulos von der Lancaster University herausgefunden und damit einer Jahrzehnte währenden Diskussion über den Einfluss der Sprache auf unser Denken, Handeln und Fühlen neues Futter gegeben. Zahlreiche Studien haben schon solche sprachlichen Unterschiede aufgezeigt, doch immer blieb das Fragezeichen, ob nicht eher grundsätzliche kulturelle Unterschiede für diese voneinander abweichenden Wahrnehmungen verantwortlich sind. In einer aktuellen Studie setzten die Forscher darum unter anderem auf zweisprachige Testpersonen.

In den Versuchen der Forscher bekamen also deutsche und englische Muttersprachler_innen sowie zweisprachige Testpersonen Videos zu sehen, auf denen ein Mann die Straße lang- und auf ein parkendes Auto zugeht. Ob er am Auto ankommt oder einfach nur die Straße weiterschlendert, war nicht zu sehen. Sie bekamen dann zwei weitere Videos gezeigt, eines, in dem jemand zielstrebig auf ein Haus zugeht und darin verschwindet und eines, in dem eine Person ohne Ziel auf einer Straße entlangläuft. Sie sollten dann beurteilen, welches Video der Szene mit dem parkenden Auto ähnlicher war.

Es zeigt sich, dass Deutschprachige häufiger der Meinung waren, der Mann liefe zielstrebig auf sein Auto zu. Von den englischsprachigen waren das nur 25%. Die Übrigen waren der Ansicht, der Mann schlendere einfach nur auf der Straße entlang. Bei den Zweisprachigen hing die Einschätzung dann interessanterweise davon ab, in welcher Sprache das Testgespräch abgehalten wurde. War es auf englisch, sahen sie einen ziellosen Mann. War das Gespräch auf deutsch, sahen sie jemanden, der zu seinem Auto geht.

Offenbar spielt hier vor allem die englische Verlaufsform -ing eine Rolle. Sie macht deutlich, dass etwas im Begriff ist zu geschehen. In Sprachen, die diese Form nicht haben, wie etwa das Deutsche, versuchen die Sprecher eher, einen Anfangs- und Endpunkt festzumachen. Sie schielen also auf einen Beginn oder ein Ziel, während englische Sprecher den Verlauf an sich betrachten ("a man is walking").

Die Forscher_innen folgern, dass Sprache die Sicht auf die Welt verändert - selbst bei alltäglichen Dinge - und dass das zeige, wie beeinflussbar die menschliche Wahrnehmung sei.

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Quelle:

Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 23. März 2015
 
 
 

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