Twitter – Wer zuerst zwitschert

Nicht nur in der freien Natur zwitschern Vögel, auch im Internet wird seit einiger Zeit gezwitschert. Ob man’s lesen will oder nicht. Mara macht sich Gedanken über das Twittern.

Ein ganz gewöhnlicher Herbstmorgen im Oktober. Blätter färben sich langsam orange. Die Tage werden kürzer, die Nächte länger, der Nebel kündigt den Morgen an. Gespensterhaft hängen die weißen Schwaden über den Feldern. Schlafmützen träumen von warmen Sommertagen. Doch ich kann nicht mehr schlafen, draußen Zwitschern die Vögel ihr Morgenlied. Bald werden sie die Reise in den Süden aufnehmen. Wer früh aufsteht, kann dem letzten Lied lauschen.

Wer früh aufsteht? Auch im Internet wird gezwitschert..

Moment! Da war doch noch was. Aufstehen muss man nicht, um dem Zwitschern zu lauschen! Geschweige denn das Haus verlassen. Gezwitschert wird im Zeitalter 2.0 nicht mehr in den Bäumen, sondern via Internet. Genauer gesagt via Twitter (zu Deutsch „Zwitschern“). Dieser sogenannte Mikroblog, 2006 gegründet, erreichte gerade im letzten Jahr weltweit Berühmtheit. Die Zahl der UserInnen steigt zunehmend. Twitter gilt als soziales Netzwerk und eine Art Tagebuch. Die Grundidee war zu erfahren, was Freunde gerade machen. Mit 140 Zeichen kann jeder Angemeldete schreiben, ob er gerade Socken strickt, seine Hausaufgaben verbrennt oder Zeitung liest.

Wenn Hollywoodstars sich im Internet offenbaren
Doch Twitter entwickelte sich recht bald zu mehr als nur einem Tagebuch. Obama führte per Twitter Wahlkampf, deutsche Politiker taten es ihm nach. Zwischen sämtlichen Hollywoodstars und Gesangstalenten tummelt sich Ashton Kutcher. Er twittert immer, wenn er gerade nichts anderes zu tun hat. Eigentlich täglich. Diverse Nichtigkeiten, die ihm gerade durch den Kopf spuken. Man könnte fast meinen, er verbringe mehr Zeit im Internet als mit Schauspielerei. Berühmtheiten wie er haben jede Menge „Follower“ - Blogger, die ihn abboniert haben und somit ständig auf dem Laufenden sind, was seine neusten Kommentare betrifft.

Macht Twitter dumm oder ist es Ausdruck von Demokratie?
Eigentlich hat mittlerweile jeder etwas zu twittern: aus sämtlichen Ländern ein lautes, mal leises, mal ruhiges, mal hektisches Zwitschern. Ein Stimmengewirr vieler tausend Vögel. „Unübersichtlich“, sagen manche. „sinnlose Zeitverschwendung“ andere. „Twittern macht dumm“ – zwitschert es auch hin und wieder.

Wieder andere sehen in Twitter ein Mittel zum Ausdruck für Demokratie. Man denke an die chaotische Zeit der Wahlen im Iran, in der das erste Mal eine große liberal-demokratische Bewegung statt fand. Viele demonstrierten gegen das Regime. Viele mussten ihre Unterlegenheit eingestehen. Leider sind die Gegner bis heute in der Überzahl. Eine junge Frau traf es besonders hart. Ihr Name war Neda. Die Nachricht ihres Todes durch eine Schusswunde ging um die ganze Welt. Die ersten erfuhren es über Twitter.

Mit einem Klick bin ich ausgeloggt. Das Zwitschern verstummt. Ich öffne das Fenster, atme die Morgenluft ein und schließe die Augen. Das Zwitschern der Vögel scheint auf einmal seltsam ruhig zu sein. Fast friedlich.

LizzyNet twittert auch!

Autorin / Autor: mara - Stand: 5. Oktober 2009