"Männer sollten ihre Einstellung zu Frauen in Technikberufen ändern"

Interview mit Lea Schulte-Steinberg und Christina Reil-Miralles - Botschafterinnen für Technikberufe

Lea Schulte-Steinberg und Christina Reil-Miralles, Azubis bei Gebr. Brasseler

Lea Schulte-Steinberg und Christina Reil-Miralles haben sich für eine Ausbildung in einem technischen Beruf entschieden und machen eine Ausbildung als Zerspannungsmechanikerin beziehungsweise Industriemechanikerin bei der Firma Komet im ostwestfälischen Lemgo. Zwar ergreifen junge Frauen heute öfter als noch vor 20 Jahren Technikberufe, dennoch bleiben sie eher die Ausnahme. Im Interview erzählen sie, wie sie dazu gekommen sind.

Was war Ihre Motivation, sich in die „Welt der Technik“ zu begeben? Nach welchen Kriterien haben Sie den Ausbildungsplatz gesucht?
Wir waren uns sehr sicher, dass wir auf keinen Fall einen Bürojob erlernen wollten, da uns handwerkliche Arbeit liegt und Spaß macht. Um zu überprüfen, ob der Beruf auch der richtige für uns ist, haben wir dann erstmal Praktika gemacht.

Frauen, die einen technischen Beruf ergreifen möchten, sehen sich heute leider immer noch vielen Bedenken ausgesetzt: Lehrer/innen, Eltern, Berufsberater/innen und auch der Freundeskreis reagieren oftmals kritisch bis ablehnend. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht, als Sie begannen, sich für einen technischen Beruf zu interessieren?
In unserem privaten Umfeld haben wir zum Glück nur positive Erfahrungen gemacht und meist Zuspruch bekommen zu unserer Berufswahl. Die Personen, die am Anfang nicht begeistert waren, konnten wir während unserer Ausbildung überzeugen.

Wie waren Ihre Erfahrungen als Sie das erste Mal als Frau im Unternehmen angefangen haben zu arbeiten? War es auch mal schwierig oder anders, „allein“ unter Männern zu sein? Hat sich das Verhältnis zwischen männlichen und weiblichen Mitarbeiter/innen verändert?
Anfangs waren die Männer teilweise sichtlich skeptisch. Wahrscheinlich weil viele Männer noch sehr klischeehaft dachten und Technikberufe als „Männerberufe“ angesehen haben. Aber es ist so, neben einem gewissen Interesse und etwas handwerklichem Geschick, sind wir als Azubis des ersten Lehrjahres alle auf einem Niveau und lernen gemeinsam. Weder Frauen noch Männer werden als Industrie- oder Zerspanungsmechaniker geboren. Trotz einem Hauch von Skepsis mussten wir nie gegen Vorurteile ankämpfen. Wir wurden nicht belächelt, sondern stets als Arbeitskolleginnen ernst genommen. Nach einer wirklich kurzen Eingewöhnungsphase, haben sich auch unsere männlichen Kollegen an den Anblick einer Frau in Blaumann gewöhnt. Es herrscht ein freundlicher und lustiger Umgang. Es ist für alle im Unternehmen eine Selbstverständlichkeit.

MINTrelation - Zukunftswerkstatt Technikberufe ist ja ein Projekt der Initiative Neue Qualität der Arbeit. Das Ziel dieser Initiative ist, die Arbeitsqualität für Beschäftigte zu verbessern und gleichzeitig die Unternehmen in ihrer Wettbewerbsfähigkeit zu fördern. Was würden Sie verändern wollen?
An sich gibt es nicht viel zu ändern, da unsere Firma schon sehr frauen- und familienfreundlich ist. Um mehr Frauen zu begeistern spricht Komet auch z.B. In Ausbildungsprospekten Frauen direkt an und wirbt mit Frauen für Frauen. Hier ist ein Beispiel Industriemechaniker/in.
Was für einige Frauen nach der Ausbildung ein kleines Problem sein könnte, ist der Schichtbetrieb in denen in manchen Bereichen gearbeitet wird. Aber nach Absprache mit dem Vorgesetzten und den Kollegen ist bei Komet alles möglich. Da wir ein Familienunternehmen sind, wird hier bei Komet sehr viel Wert auf die Familie gelegt. Um nur einige Dinge zu nennen: Es werden Geschenke zur Geburt des Kindes oder zur Eheschließung gegeben. Familienfeste finden statt. Und im Großen und Ganzen nennen wir uns nicht nur die Komet-Familie, sondern wir leben danach. D.h. durch verschiedene Arbeitszeitmodelle, verständnisvolle Vorgesetzte und Kollegen steht der Vereinbarkeit von Familie und Beruf nichts im Weg.

Was muss sich Ihrer Meinung nach in Technik-Unternehmen heute generell ändern, damit sie für Frauen ein attraktiver Arbeitgeber werden?
Die Einstellung von Männern zu Frauen in Männerberufen sollte sich ändern. In den Schulen und in der Öffentlichkeit sollte auch kommuniziert werden, dass man auch als Mädchen in einem „typischen Männerberuf“ gute Aufstiegschancen hat. Es wäre ganz hilfreich, wenn man nicht durch die Schule oder das Umfeld „typische Frauenberufe“ wie Erzieherin, Krankenschwester oder Frisörin nahe gelegt bekommt. Die Schulen sollten einem helfen, neue – und nicht immer klassische – Berufswege aufzuzeigen. Ein Arbeitgeber kann da nicht allein gegen ankämpfen, wenn die Schulen die Schülerinnen in der Richtung nicht unterstützen. Unsere Schule ist sehr technikorientiert und in diesem Bereich sehr engagiert. Durch die Kooperation mit Komet sind wir auch schnell zu einem Praktikumsplatz gekommen und wurden in unserer Berufswahl bestätigt.

Was möchten Sie selbst noch zum Thema Arbeitsqualität sagen?
Die Arbeitsqualität bei Komet ist unserer Meinung nach sehr gut, so dass wir keine dringenden Verbesserungsvorschläge haben.

Vielen Dank für das Interview!

Die Firma Gebr. Brasseler/Komet im Web

Das Firmenportrait auf MINTrelation

Autorin / Autor: Redaktion MINTrelation/Lea Schulte-Steinberg und Christina Reil-Miralles - Stand: April 2014