Erfolgreich, aber nicht ausgewählt
Filme mit Drehbüchern von Frauen bringen den Studios die höchsten Einnahmen ein, doch das Budget geht an männliche Filmemacher
Wusstet ihr, dass einige der erfolgreichsten Filme der letzten Jahre – von „Avatar: The Way of Water“ über „Jurassic World“ bis hin zu „Barbie“ – von Frauen (mit-)inszeniert oder (mit-)geschrieben wurden? Und laut einer neuer Studie, die in „Frontiers in Communication“ veröffentlicht wurde, gehören diese Filme zu denen, die den Filmstudios sogar die höchsten Einnahmen bescheren.
„Filme mit einer Drehbuchautorin erzielten trotz ähnlicher Produktionsbudgets um 34 % höhere Gewinne als Filme, bei denen diese Rolle ausschließlich von Männern besetzt war“, sagte Anja Huwiler, Autorin der Studie und Wissenschaftlerin an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Trotzdem seien 39 der 44 Filme, die zu den obersten 1 % der Produktionsbudgets gehörten - also den höchsten -, rein männliche Produktionen gewesen. Und bei keiner davon war eine Regisseurin beteiligt.
Die Studie stützte sich auf einen Datensatz von fast 200.000 Filmen, die zwischen 1994 und 2023 veröffentlicht wurden, darunter Kino- und andere Filme. Für eine Teilmenge von über 4.200 Filmen wurden die Produktionsbudgets und die weltweiten Bruttoeinnahmen ermittelt.
Nur langsamer Anstieg bei Drehbuchautorinnen und Regisseurinnen
Besonders auffallend sei aber auch das langsame Tempo des Wandels. „Der Anteil der Filme, in denen mindestens eine Frau als Regisseurin oder Drehbuchautorin genannt wurde, stieg von 21,5 % im Jahr 1994 auf 29,4 % im Jahr 2023. Nach fast 30 Jahren war in weniger als jedem dritten Film eine Frau in einer dieser Rollen vertreten“, sagte Huwiler.
Im finanziellen Bereich zeigte sich ein weiteres – und vielleicht noch rätselhafteres – Muster: Filme, die von Frauen geschrieben, aber nicht inszeniert wurden und deren Budgets mit denen von ausschließlich von Männern realisierten Produktionen vergleichbar waren, erzielten den höchsten Mittelgewinn und lagen ein Drittel über den Produktionen, die nur von von Männern realisiert worden waren.
Filme, die von Frauen geschrieben, aber nicht inszeniert wurden, erzielten zudem eine höhere Kapitalrendite (ROI). Ein positiver Wert bedeutet, dass ein Projekt mehr Geld einbrachte, als es gekostet hat.
Filme, bei denen Frauen sowohl die Regie führten als auch das Drehbuch schrieben, erzielten einen ähnlichen ROI wie Filme, die ausschließlich von Männern realisiert wurden, und das, obwohl sie mit der Hälfte des Budgets auskamen. Dennoch schaffte es in dem 30-jährigen Zeitraum kein Film mit einer Regisseurin in die obersten 1 % der Produktionsbudgets.
Eine unausgewogene Branche
Es sei schwierig, einen dauerhaften Wandel zu erreichen. Nach der #MeToo-Bewegung im Jahr 2017 stieg die Beteiligung von Frauen zwar weiter an, doch die Studie konnte keine nachhaltige Beschleunigung des Wachstums feststellen. Offenbar neigten die Entscheidungsträger dazu, Unsicherheit und Risiken zu vermeiden und an Vertrautem festzuhalten. „Die extreme Unsicherheit bei der Filmfinanzierung kann dazu führen, dass man auf Vertrautes zurückgreift", vermutet Huwiler.
„Ich denke, ein Wert dieser Studie besteht darin, dass sie das Thema aus finanzieller Perspektive betrachtet und nicht nur als Frage der Repräsentation“, schloss Huwiler. „Studios und Investoren legen Wert darauf, dass ihre Investitionsentscheidungen mit den beobachteten finanziellen Ergebnissen übereinstimmen. Meine Ergebnisse liefern einen Anstoß, bestehende Praktiken bei der Personalauswahl, der Freigabe von Projekten und der Budgetierung zu überprüfen.“
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Autorin / Autor: Pressemitteilung / Redaktion; Bild: LizzyNet - Stand: 25. September 2026