Liegt die Zukunft der Windkraft auf dem offenen Meer?

Die Energie-Frage der Woche beantwortet auf DLR Blogs

Im Januar 2010 drehten sich allein in Deutschland Windkraftanlagen mit einer installierten Leistung von 25.777 Megawatt. Knapp acht Prozent des deutschen Bruttostromverbrauchs kann so klimaneutral gedeckt werden. Da die windstarken Flächen an Land beschränkt sind, drängen große und kleine Stromerzeuger nun auf das offene Meer. Doch sind Offshore-Windparks tatsächlich viel effizienter?

Nach aktuellen Prognosen könnten bis zum Jahr 2030 in den deutschen Abschnitten von Nord- und Ostsee Windräder für etwa 25.000 Megawatt installiert sein. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie hat bislang 21 Windparks in der Nordsee und drei in der Ostsee genehmigt. Wertvolle Informationen zur Verankerung, Wartung und Betrieb von Offshore-Windrädern werden derzeit mit der Testanlage "alpha ventus" rund 45 Kilometer nördlich der Insel Borkum, verankert in 30 Meter Wassertiefe, gewonnen.

Genug Strom für Europa - theoretisch

Zwar sind die Anforderungen an Fundamente und Betrieb mit heftigen Stürmen und der Belastung durch das Salzwasser enorm, doch der Aufwand könnte sich lohnen: Offshore-Experten vom dänischen Forschungszentrum Risø schätzen das Potenzial allein in europäischen Seegebieten auf 320 Terawattstunden pro Jahr. Das entspricht etwa dem Stromverbrauch in der gesamten Europäischen Union. Möglich wird diese Ausbeute durch die kräftiger und stetiger wehenden Winde auf See im Vergleich zu Küstenlandschaften.

"Inventur" der Offshore-Windpotenziale

Neben den technischen Herausforderungen müssen die Betreiber die idealen Standorte für ihre Windparks identifizieren können. Ideal sind: stetige Windverhältnisse, ein stabiler und nicht allzu tief gelegener Meeresboden und möglichst kurze Entfernungen zu den Küsten. Im Rahmen des europäischen Forschungsprojekts "Windspeed" – koordiniert vom Energieforschungszentrum in den Niederlanden ECN - ist auch das DLR an dieser so wichtigen "Inventur" der Offshore-Windpotenziale beteiligt.

Projekt "Windspeed" analysiert realistische Potenziale

"Damit die Politik besser planen kann, detektieren wir die realistischen Möglichkeiten für Offshore-Windstrom", sagt Christoph Schillings vom DLR-Institut für Technische Thermodynamik in Stuttgart. Zusammen mit seinen Kollegen entwickelt Schillings eine Software, um die großen Mengen verfügbarer Daten zu verknüpfen, zu analysieren und nutzbar aufzubereiten. "Für die Analysen spielen wir sowohl kritische als auch optimistische Szenarien durch", so Schillings. Insgesamt läuft "Windspeed" noch bis zum Februar 2011. Spätestens dann werden die Energiepolitiker in Brüssel, Berlin, London oder Kopenhagen auf der Basis sichererer Daten über das zukünftige Offshore-Potenzial urteilen können.

Die DLR-Energiefrage der Woche im Wissenschaftsjahr "Die Zukunft der Energie"

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat das Wissenschaftsjahr 2010 unter das Motto "Die Zukunft der Energie" gestellt. Aus diesem Anlass beantwortet der Wissenschaftsjournalist Jan Oliver Löfken in diesem Jahr jede Woche eine Frage zum Thema Energie im DLR Blog. Habt ihr Fragen, wie unsere Energieversorgung in Zukunft aussehen könnte? Oder wollt ihr wissen, wie beispielsweise ein Wellenkraftwerk funktioniert und wie effizient damit Strom erzeugt werden kann? Dann schickt eure Fragen per E-Mail. Wissenschaftsjournalist Jan Oliver Löfken recherchiert die Antworten und veröffentlicht sie jede Woche in diesem Blog.

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Autorin / Autor: Jan Oliver Löfken - Stand: 26. April 2010
 
 
 

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