Es war einmal

Wettbewerbsbeitrag von Lia, 15 Jahre

Es war einmal. So fing die Geschichte, die meine Meamma mir als kleines Kind zum Einschlafen immer vorlas, an. Sie war mein großes Vorbild, schon seit ich ein kleines Mädchen bin. Heute bin ich eine junge Frau von 22 Jahren. Meine Meamma ist tot. Und heute ist ein sehr wichtiger Tag für meine Welt. Meine Welt, das ist der Planet Silvari und seine Bewohner, die Silvarianer.

Heute ist ein wichtiger Tag, heute kommt eine Delegation der Erde uns besuchen, und weil es meine Chance ist, den Erdlingen ihr Zuhause zu nehmen, exakt so wie sie mir damals meine geliebte Meamma nahmen. Die Erdlinge brauchen unsere Hilfe, da sie nach einer Lösung suchen, um ihren sterbenden Planeten zu retten, und ich werde dafür sorgen, dass der Schaden den sie zu verantworten haben, zu ihrem Verhängnis wird. Allerdings halten unsere Kommunikationsgeräte nur kurze Zeit die Verbindung zur Erde aufrecht, deshalb muss eine Gruppe der Erdlinge zu uns kommen, was sich schwieriger gestaltete als zuerst gedacht. Es gibt leider keine Moogle Maps Route von der Erde nach Silvari. Zudem musste eine Lösung für das Problem unserer giftigen Atmosphäre gesucht werden. Silvari ist von einem giftigen Luftmeer umgeben - für uns gefährlich und für Erdlinge tödlich. Wir leben innerhalb des Planeten. Wir brauchen keinen Sauerstoff zum Überleben, es gibt auch keinen Sauerstoff in Silvari, in unseren Adern fließt kein Blut wie bei Erdlingen, sondern Erde. Das verleiht uns zudem die Fähigkeit mit der Erde zu fühlen, sorgt aber gleichzeitig dafür, dass es uns so geht, wie es Silvari geht. Das ist auch der Grund, weshalb die Erdlinge genau zu uns kommen. Vor ungefähr zehn Jahren reiste eine Gruppe Silvarianer zur Erde, um dort Proben zu nehmen, damit wir hier in Silvari eine Lösung für die Erdlinge suchen konnten.

Meine Meamma war Teil dieser Gruppe. Nach zwei Monate Aufenthalt auf der Erde kam die Gruppe wieder nach Silvari, sie alle starben innerhalb von einem Monat, weil sie sich an den Sauerstoff gewöhnt hatten und diesen jetzt zum Überleben brauchten. Auch meine Meamma starb.

Als sie bemerkte, dass es ihr immer schlechter ging, begann sie mir von der Erde zu erzählen, von Handys, Moogle Maps, Starmucks und Dingen wie Kirchen. Sie holte mich dann immer an ihr Bett und sagte: „Flavia, setz dich zu mir, mein liebes Kind, ich will dir eine Geschichte erzählen." Und obwohl ich schon 15 Jahre alt war, war ich in diesen Momenten das kleine Kind meiner Mutter, und wollte nur noch in ihren Armen liegen bleiben. Es gab schon seit meiner Geburt nur meine Meamma und mich. Meinen Vater gab es nicht mehr, meine Eltern trennten sich kurz vor meiner Geburt  und mein Vater ging fortan auf Missionen für Silvari, und soweit ich weiß, starb er während einer Mission auf einem weit entfernten Planeten.

Ein lautes Klingeln reißt mich aus meinen Tagträumen. Es war Zeit zu gehen, die Delegation würde bald hier sein und ich war eine der wenigen, welche die Menschen begrüßen durfte. Ich sehe noch ein letztes Mal in den Spiegel und nicke mir selbst zu. Ich war hübsch. Meine kurz geschnittenen kupferroten Locken umrahmen meinen dunklen Hautteint, der in einem deutlichen Unterschied zu meinen azurblauen Augen steht. Allgemein unterscheiden wir Silvarianer uns äußerlich nicht von den Menschen. Ich laufe aus meinem Schlafgemach über den perlmuttfarben getönten Steinboden in meinen Wohnbereich hinein. Die Kälte des Steinbodens nagt an meinen nackten Füßen, während mein weißes luftiges Kleid wie Wellen um meine Beine herum strömt. Ich werfe einen Blick aus meinem großen Fenster auf meine Welt, blassrot erleuchtet von unseren Monden, die durch Lichtschächte ins Planeteninnere scheinen. Silvari ist nicht groß.Ich könnte mit etwas Mühe zur anderen Seite schauen, wäre nicht das Zentrum dazwischen. Von überall winken mir Leute aus ihren Höhlenwohnungen, die meiner ähnlich sind. Ich wende mich ab und laufe aus meiner Höhle einer pendelnden Brücke entgegen. Sie führt mich auf direktem Wege zum Zentrum. Hier treffen sich die Silvarianer miteinander, hier gibt es Theater, Restaurants, Cafés und vor allem liegt hier meine Arbeitsstätte, die Regierung. Doch dort will ich heute nicht hin.

Ich laufe schnellen Schrittes zu einem Shuttle, das schon bereitsteht. Nach einer geringen Wartezeit bewegt es sich. Es nimmt rapide an Schnelligkeit zu, und wir Passagiere sind in kürzester Zeit an unserem Ziel, der Öffnungsluke in die äußere Atmosphäre. Die nächsten zwei Stunden verbringe ich mit dem Begrüßen der insgesamt 5 Erdlinge, 2 Frauen und 3 Männer. Nachdem die Erdlinge ausreichend begrüßt sind, gibt es ein großes Bankett, an dem ich als wichtiges Parteimitglied teilnehmen darf. Zeitgleich ist es meine Chance Zwietracht zu säen. Mein Plan war nach längerer Beobachtung klar. Mein Opfer ist ein alter Wissenschaftler, der schon allgemein misstrauisch uns gegenüber war. Ich müsste dieses Misstrauen nur füttern, und dann wären die Erdlinge ausgeliefert. Anscheinend ist das Glück auf meiner Seite, denn ich sitze neben diesem Mann. Sein Name ist Dr. Michalski, er ist wohl ein renommierter Wissenschaftler auf der Erde, welcher der Meinung ist, dass die Erdlinge dieses Problem selbst beseitigen sollten.

„Hallo Herr Michalski, welch eine Ehre!" Mein Lächeln ähnelt dem eines Wolfes im Schafpelz.
„Hallo Frau, ähh."
„Flavia, nennen Sie mich doch ruhig Flavia!" Ich werde es diesen Erdlingen heimzahlen.
Sie nahmen mir meine Mutter, ich nehme ihnen ihr Zuhause.
„Und Sie Herr Michalski? Schauen nur zu, wie unwissende, unbekannte Außerirdische nach einer Möglichkeit suchen, Ihren Planet zu retten? Sie legen Ihr Leben in die Hände von Wissenschaftlern, die noch nie auf der Erde waren?" Offensive ist immer der beste Angriff.

„Diese angeblich unwissenden Außerirdischen sind ihre Landleute?"
„Hm. Vielleicht weiß ich es deshalb besser? Die Wissenschaftler sich nicht sicher, ob es funktionieren wird. Tatsächlich ist es sogar sehr wahrscheinlich, dass dieses vermeintliche Heilmittel Ihrem Planeten mehr schaden, als helfen wird."

Alle Infos

Die Über All Lesung

Lasst euch von sieben der Preisträger:innen des Wettbewerbs Über All in ferne Welten entführen

Die Über All-Preisträger:innen

Vielen Dank an alle Teilnehmenden für diese spannenden Exkursionen ins All und herzlichen Glückwunsch den Preisträger:innen

Die Über All Jury

Teilnahmebedingungen

Preise - Das gibt es zu gewinnen!

Schirmherrin Dr. Suzanna Randall

EINSENDUNGEN

Autorin / Autor: Lia