Woher kommt Diskriminierung?

Ein Interview zum Thema Vorurteile mit Galina Koptelzewa, Dozentin für Interkulturelle Kommunikation .

Vorurteile sind menschlich, sagt Galina Koptelzewa. Sie ist Dozentin für Interkulturelle Kommuikation an der Münchner Ludwigs-Maximilians-Universität. Im Interview mit www.ichwillgerechtigkeit.de erklärt sie, wie Diskriminierung entsteht - und was man dagegen tun kann.

Woher kommen Missverständnisse zwischen Menschen verschiedener Kulturen?
Zu Missverständnissen kommt es, weil wir bestimmte Erwartungen darüber haben, wie sich andere Menschen verhalten sollen. Wenn dann jemand anders reagiert, als wir es erwartet hätten, sind wir frustriert oder enttäuscht, und empfinden den anderen oft als unverschämt.

Woher kommen diese Erwartungen?
Die sind kulturell bedingt und in jeder Kultur anders. Sie geben uns einen Rahmen, nach dem wir entscheiden, ob wir Verhalten anderer normal finden oder nicht, ob wir es für gut halten oder für blöd. Das besondere an diesen Erwartungen: sie sind uns nicht bewusst. Wir denken, dass jeder die gleichen Vorstellungen von "richtig" und "falsch" hat - das ist aber nicht der Fall.

Was für Beispiele gibt es für unterschiedliche Erwartungen?
Zum Beispiel gibt es in jeder Kultur andere Regeln, wann man sich die Hand gibt, wen man duzen darf oder ob Frauen Hosen tragen sollten. Ganz viele Erwartungen betreffen auch eine Ebene, die wir Wissenschaftler "nonverbal" nennen. Das ist alles, was wir ausdrücken, ohne es wirklich in Worte zu fassen: der Gesichtsausdruck, wie wir unsere Hände halten, wo wir hinschauen.

Kann es vor allem in diesen Bereichen zu Missverständnissen kommen?
Ja, weil uns oft nicht klar ist, was wir mit bestimmten Gesten ausdrücken oder dass wir sie überhaupt machen. Zum Beispiel ist es in rein arabischen Kulturen eine schwere Beleidigung, jemandem die Schuhsohle zu zeigen. Wenn man sich aber auf eine bestimmte, bei uns übliche Weise hinsetzt, macht man das automatisch.
Ein anderes Beispiel ist das Lächeln. In Asien ist das eine Art, sein "Gesicht zu wahren". Wenn ein vietnamesischer Schüler zum Beispiel vom Lehrer ausgeschimpft wird und dann lächelt, weil er die Kritik ernst nimmt, aber sein Gesicht wahren möchte, kann das schnell zu Reibereien führen.
Ein wichtiges Beispiel ist auch der Augenkontakt. In vielen Ländern ist es nicht üblich, dass Mädchen Jungen direkt in die Augen schauen und sie anlächeln, es sei denn, sie haben Interesse an ihnen. In Deutschland hat Augenkontakt nicht diese Bedeutung. Geht dann ein Junge darauf ein und fängt an, stark zu flirten, verwirrt das die Mädchen schnell.

Können solche Missverständnisse zu Diskriminierung führen?
Ja, zumindest können sie bestehende Vorurteile verstärken. Vorurteile an sich sind sehr menschlich - man kann nicht erwarten, dass jeder Verständnis für alles hat, was ihm in seiner Umgebung exotisch vorkommt. Aber oft führen sie dazu, dass sich vor allem Jugendliche zusammen tun, die den gleichen kulturellen Hintergrund haben, zum Beispiel türkischer Herkunft sind. Sie grenzen sich dann von den anderen ab und vermeiden so, dass sie Kontakt mit Menschen haben, mit denen sie sich wortwörtlich "nicht verstehen".

Was kann man dagegen tun?
Gibt es solche Probleme in Schulklassen, sollte man vor allem gemeinsam in der Gruppe darüber reden. Es gibt Gruppenspiele für sogenannte "interkulturelle Trainings", bei denen man lernt, wie schnell Missverständnisse entstehen können und wie man mit Unterschieden umgeht. Und jetzt gibt es etwas neues: Schüler, die sich gerne für eine bessere Verständigung untereinander engagieren möchten, können einen Kurs machen. Sie lernen dann, woher Unterschiede kommen, und wie man vermitteln kann, wenn es Streit zwischen Mitschülern aus verschiedenen Kulturen gibt. X-pert nennt sich das Programm, an dem ich auch mitgearbeitet habe. Das kommt von der Bayerischen Volkshochschule und wird bald auch an bayerischen Schulen angeboten.

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Autorin / Autor: www.ichwillgerechtigkeit.de - Stand: 19. Januar 2009
 
 
 

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