Stress lass nach

Studie: Das Aufschreiben vergangener Fehler führt zu weniger Stress und besseren Leistungen bei neuen Aufgaben

Viele von uns kennen das Phänomen: Wenn wir vor einer neuen Aufgabe stehen oder eine unvorhergesehene Herausforderung annehmen müssen, geraten wir oft in Angst und Stress. Nicht selten führt das dazu, dass wir panisch reagieren und aus lauter Hektik Fehler begehen, die eigentlich vermeidbar sind. Eine aktuelle Studie fand nun heraus, dass wir solche Reaktionsmuster verändern können, indem wir uns mit intensiver mit unseren Fehlern aus der Vergangenheit beschäftigen. Wie die US-Forscher_innen berichten, führt das Aufschreiben vergangener Rückschläge zu niedrigeren Werten des "Stresshormons" Cortisol und sorgfältigeren Entscheidungen bei neuen, stressigen Aufgaben.

Die Studie ist der erste Beweis dafür, dass das Schreiben und Nachdenken über ein vergangenes Versagen die Reaktion des Körpers auf Stress verbessert und die Leistung bei einer neuen Aufgabe steigert. Diese Technik kann in vielen Bereichen nützlich sein, auch in therapeutischen Situationen, in der Bildung und beim Sport.

Wenn Menschen vor einer herausfordernden Aufgabe stehen, rät man ihnen oft "denk positiv". Doch viele Studienergebnisse legen auch nahe, dass die genauere Betrachtung von negativen Erfahrungen oder Gefühlen - entweder durch Meditation oder das Schreiben über sie - ebenfalls zu positiven Resultaten führen kann.

Warum dieser Ansatz gelingt, wollten Brynne DiMenichi, ein Doktorand der Rutgers University-Newark, zusammen mit anderen Forschern der University of Pennsylvania und der Duke University herausfinden. Zu diesem Zweck untersuchten sie in zwei Gruppen von Freiwilligen, welche Auswirkungen das Schreiben über vergangene Fehler auf die Bewältigung zukünftiger Aufgaben hat.

Während die erste Testgruppe einen Aufsatz über ihre Fehler in der Vergangenheit schreiben sollte, bekam die Kontrollgruppe ein Thema, das nicht mit ihnen selbst zusammenhing. Um den Stress der Testpersonen in beiden Gruppen miteinander vergleichen zu können, maßen die Forscher_innen den Cortisolspiegel im Speichel vor dem Schreiben und beim Ausführen einer darauffolgenden stressigen Aufgabe. Dabei fanden sie heraus, dass die erste Testgruppe, die zuvor über ihre Niederlagen geschrieben hatte, niedrigere Cortisolwerte aufwies als die Kontrollgruppe.

"Wir konnten nicht feststellen, dass das Schreiben selbst eine direkte Beziehung zu den Stressreaktionen des Körpers hat", sagt DiMenichi. Aber ihre Ergebnisse deuteten darauf hin, dass die schriftliche Reflexion über ein vergangenes Versagen die Stressreaktion des Körpers offenbar soweit senke wie bei einem Menschen, der überhaupt keinem Stress ausgesetzt sei.

Die Forscher_innen fanden auch heraus, dass die Studienteilnehmer_innen, die über ihr früheres Versagen geschrieben hatten, eine neue Aufgabe sorgfältiger lösen konnten und insgesamt besser abschitten als die Kontrollgruppe.

"Zusammengefasst zeigen diese Ergebnisse, dass Schreiben und kritisches Denken über ein vergangenes Versagen ein Individuum sowohl physiologisch als auch kognitiv auf neue Herausforderungen vorbereiten kann", so DiMenichi. "Es bietet jedem, der diese Technik in einem pädagogischen, sportlichen oder sogar therapeutischen Umfeld einsetzen möchte, einen klaren Beweis für die Wirksamkeit des ausdrucksstarken Schreibens", sagt DiMenichi. Es sei jedoch schwierig, Laborwerte der kognitiven Leistung mit der Leistung auf der Olympiabahn zu vergleichen. Zukünftige Forschungen könnten den Effekt des Schreibens auf die tatsächliche sportliche Leistung aber noch weiter untersuchen.

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Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 26. März 2018