Ramadan - Gar nicht so streng, wie man glaubt

Das größte Fest der Muslime hat am 20. Juli begonnen: Es heißt nun, 29 Tage fasten! Tagsüber nichts essen und nichts trinken, für einen ganzen Monat lang. Kaum zu glauben, dass so viele muslimische Kinder es kaum erwarten können, auch endlich mitfasten zu dürfen und auch Schwangere fasten trotz Befreiung mit.

Was für die Christen Weihnachten oder Ostern ist, ist für die Muslime der Ramadan. Doch für die Muslime heißt das, nicht etwa Geschenke auspacken, Ostereiersuchen und Weihnachtsgans verspeisen. Im Gegenteil: Im Fastenmonat Ramadan darf den ganzen Monat lang am Tage nichts gegessen und getrunken werden. Der heiße Sommer bringt lange, helle Tage mit sich; die Muslime sind bereit für stundenlanges Hungern und Dursten und für ungeduldiges Warten auf Dunkelheit.

Tagesablauf eines fastenden Muslims

Die Familie frühstückt meist sehr kurz vor Morgengrauen zusammen. Dann wird auf die Dämmerung gewartet und sich mit einem Gebet zu Gott auf das Fasten vorbereitet. Der Tagesablauf verändert sich durch das Fasten nicht gravierend. Abgesehen davon, dass nichts gegessen und getrunken werden darf, soll der gläubige Muslim in der Fastenzeit auch besonders darauf achten, dass er nicht lügt oder anderen übel nachredet. Es gilt als „gut“, am Tag Hunger auf Essen zu entwickeln und gilt nicht etwa als „unerwünschtes“ Gefühl. Jeder Muslim darf sich abends nach Sonnenuntergang dann auch richtig auf das Fastenbrechen freuen. Allerdings heißt das nicht tagsüber hungern, um abends wieder „alles einzuholen“ und ordentlich zuzulangen. Es ist zwar Tradition, gemeinsam mit Familie und Freunden am Tisch zu sitzen, aber sich dann jede Nacht überschwänglich den Bauch vollzuschlagen, entspricht nicht dem gewollten Sinn des Fastens. Man sollte aus eigenem Wohlgefallen Fasten und Verzichten, und es nicht als eine nervige Pflicht empfinden.

Fasten wollen, nicht müssen

Für die Muslime spiegeln alle Speisen und Gaben, alles was ihnen gegeben ist, Gottes Barmherzigkeit wieder. Sie glauben, dass man im Alltag schnell vergisst, dankbar zu sein, für das was man hat und anfängt, immer höhere Ansprüche an Gott zu stellen. Während des Ramadan wollen die Muslime auf die Dinge, die für sie mit der Zeit als selbstverständlich gelten, verzichten und so wieder dankbar für Gottes Barmherzigkeit sein. Sie können so wieder erfahren, wie toll schon allein die Grundlagen des Essens und Trinkens sind und wie großartig alle Dinge sind, die uns in der Barmherzigkeit Gottes zur Verfügung stehen. Das macht schon dankbar und glücklich nur für die ganz einfachen, alltäglichen Dinge und Freuden. Der Verzicht ist für sie wie eine Reinigung von Körper und Seele, die auch zu innerer Ruhe und Glücksempfinden führen soll. Gleichzeitig soll der Mensch so anspruchsloser und bescheidener, sowie geduldiger werden.

Auch sollen die Reichen erfahren, wie es ist Hunger zu spüren, um sich so besser in die Armen und Hungerleidenden hineinversetzen zu können, die im Monat Ramadan besonders viel Aufmerksamkeit und Spenden bekommen. Der ursprüngliche Gedanke war sogar, dass die Reichen mit den Armen speisen und diese nach Sonnenuntergang zu sich einladen.

Gar nicht so streng, wie man glaubt

Der Koran hat Verständnis dafür, dass in gewissen Situationen im Leben nicht gefastet werden kann oder gar nicht gefastet werden sollte. Wer krank, altersschwach oder auf Reisen ist, muss nicht fasten. Viele Kinder warten nur darauf, bis sie endlich auch mitfasten dürfen. Die Eltern erlauben dies meistens erst, wenn das Kind in die Pubertät gekommen ist. Schwangere müssen, laut Koran, nicht fasten. Viele Schwangere fasten aber trotzdem bereitwillig mit, auch wenn das Auswirkungen auf ihr zukünftiges Baby haben kann.

Wer aus diesen Gründen jetzt nicht fasten kann, soll dies aber sobald wie möglich nachholen. Das geht nämlich: nachträglich fasten. Es gibt auch Muslime, die vom Fasten so erschöpft sind, dass sie das Fasten abbrechen. Auch dafür hat der Koran Verständnis. Wer auch nachträglich nicht fasten kann, soll großzügig sein und den Armen Spenden geben. Viele muslimische Bundesligaspieler sind gezwungen, das Fasten nicht mitzumachen, da sie sich auf die Saison vorbereiten müssen, die am 24.-26. August beginnt. Hartes Training ohne Kraftnahrung und Wasser würde die Spieler leistungsschwach machen und wäre täglich gefährlich für den Kreislauf. Deshalb fasten sie nachträglich und spenden schon jetzt Geld an gemeinnützige Organisationen.

Nach dem Fastenmonat gibt es ein dreitägiges Fest, auch Zuckerfest genannt. Das Fasten wird gebrochen und man besucht Familie und Freunde und gratuliert ihnen zum „Bayram“. Alle Zerstrittenheiten sollen zum Ende des Ramadans friedlich beendet werden, sodass freudig gefeiert werden kann. Diesen Ramadan, findet das Fest vom 19. bis zum 21. August statt.

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Autorin / Autor: Alina - Stand: 20. Juli 2012