Mein Auslandssemester in London

Amelie verbrachte ein Semester am University College London (UCL) im Rahmen des Erasmus-Programms und ist froh, dem Leben in London eine Chance gegeben zu haben.

Schon als ich das erste Mal auf Klassenfahrt in London war, habe ich mir ausgemalt wie es wohl wäre, dort zu leben: Endlich hätte man Zeit, die Atmosphäre zu genießen und alles zu sehen, was es zu sehen gibt. Andererseits fand ich die Stadt so groß, schnell und anstrengend, dass ich nach zwei Tagen zwar begeistert aber total müde war. Nie hätte ich zu dem Zeitpunkt gedacht, dass ich ein paar Jahre später wirklich drei ganze Monate mitten in London verbringen würde.
Ich hatte mich in meinem Studium für ein Semester am University College London (UCL) im Rahmen des Erasmus-Programms beworben. Als ich dann ein Angebot für den Platz bekam, war ich überrascht, da von meiner Fakultät nicht viele Plätze vergeben wurden. Dann war ich unsicher: Wenn mir Köln manchmal schon zu groß ist, würde ich mich dann in London überhaupt wohlfühlen können? Und könnte ich das überhaupt finanzieren? Schließlich überwogen Neugier und Fernweh und ich sagte zu.

Das Erasmus-Programm
Im Rahmen des Erasmus-Programms werden Auslandssemester europäischer Studierender in europäischen Ländern gefördert. Man bewirbt sich mit einem Motivationsschreiben bei seiner eigenen Uni auf einen Platz bei einer kooperierenden Uni. Dort wird man dann als Austauschstudent vorgeschlagen. Ein Vorteil ist, dass man finanzielle Unterstützung für die Zeit im Ausland erhält und an der Gast-Uni keine Studiengebühren zahlen muss. Das lohnt sich in einem Land wie England besonders, denn ein Semester kostet hier rund 7.000 Pfund (also knapp 7.900 Euro). Außerdem füllt man ein sogenanntes Learning Agreement aus, in dem festgelegt wird, welche Punkte aus dem Ausland man für seinen Studiengang zu Hause anrechnen lassen kann.

Das UCL

Als ich am UCL ankam, fühlte ich mich direkt wohl. Die Gebäude sind im Studentenviertel Bloomsbury verteilt, und es mischen sich alte, traditionelle Universitätsgebäude mit neueren, modernen und teilweise weniger schönen Gebäuden. Das Hauptmerkmal der Uni ist das Portico, der Eingangsbereich des Hauptgebäudes, der ans alte Rom erinnert. Die museumsgleichen Gänge und die verwinkelte Bibliothek dahinter kennt ihr vielleicht aus dem Film Inception, in dem sie als Kulisse dienten.
Vorlesungen und Seminare hatte ich im Institute of Education, wo ich an dem Studiengang Education Studies teilnahm. Das Studium war viel familiärer als ich es aus Deutschland kenne. Man kennt sich untereinander und sogar die Dozierenden spricht man mit Vornamen an. In kleinen Gruppen haben wir hier vor allem bildungspolitische Themen behandelt. Die Diskussionen waren besonders interessant, weil so viele verschiedene Nationen vertreten waren: Am UCL sind fast die Hälfte aller Studierenden international.

Alltag in London
Während meiner Zeit in London habe ich in einem kleinen Zimmer im Studentenwohnheim in der Nähe der Uni gewohnt. Von dort konnte ich fast alles zu Fuß erledigen. Somit habe ich Fahrtkosten gespart und gleichzeitig ausreichend Bewegung bekommen. Dadurch, dass die Abgabefristen ziemlich früh waren, hatten wir nämlich alle von Semesterbeginn an viel zu tun, und der Alltag bestand zu einem Großteil daraus, Essays zu schreiben. Dazu haben wir uns oft in Cafés getroffen, wovon es in der Umgebung ausreichend Auswahl gab. Man musste nur darauf achten, nicht allzu viel Geld für Kaffee auszugeben.

Direkt um die Ecke lag der Regent’s Park und etwas weiter der berühmte Camden Lock Market, wo ich bei schönem Wetter die meisten meiner Lernpausen verbracht habe. Ansonsten gab es fast jedes Wochenende neue Stadtteile, Museen oder versteckte Second-Hand Läden zu entdecken. Als es dann ab November immer früher dunkel wurde, wurde auch schon bald die Weihnachtsbeleuchtung eingeschaltet. Jede größere Straße hat eine individuelle Beleuchtung, und eine übertrifft die andere. So sehr war ich schon lange nicht mehr in Weihnachtsstimmung.

Fazit
Ich muss zugeben, dass meine Sorgen vom Anfang unbegründet waren. Die Stadt, die ich nur von Wochenendtrips kannte und immer als ein klein bisschen zu stressig empfand, habe ich in drei Monaten von einer ganz anderen Seite kennengelernt. Ohne viele Sehenswürdigkeiten in kurzer Zeit abzuklappern zu wollen, kam mir die Stadt viel entspannter vor. Ich bin regelrecht in die Atmosphäre der Parks, der alten Gebäude und gemütlichen Cafés eingetaucht. Außerdem möchte ich hier mal mit dem Gerücht des verregneten Londons aufräumen: Obwohl ich im Herbst und Winter da war, schien jeden zweiten Tag die Sonne.

Der einzige Knackpunkt ist das Geld - denn die Miete und Lebenshaltungskosten sind in London leider unglaublich hoch. Trotz der Erasmus-Unterstützung war ich nach der Rückkehr einen vollen Monat jobben, um die Mehrkosten wieder reinzuholen. Schade, dass ich es nur schwer finanzieren könnte, nochmal eine längere Zeit in London zu verbringen. Aber die drei Monate sind eine tolle Erinnerung, und ich bin froh, dem Leben in London eine Chance gegeben zu haben.

Autorin / Autor: Amelie Wiese - Stand: 15. Februar 2018
 
 
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