Ich und mein Handy

smiley philosophiert über den Umgang mit ihrem Handy und warum sie darauf (nicht) verzichten kann.

Wir haben es wieder geschafft - die Deutschen haben einen neuen Rekord aufgestellt. Nie zuvor wurden so viele SMS (1100 Stück) pro Sekunde verschickt und so viel mit dem Handy telefoniert. Der Deutsche hat im letzten Jahr mehr als 1,5 Tage seines Lebens an seinem mobilen Telefon gehangen, um mit Freunden oder anderen Leuten zu reden.

Aber auch sonst hat das Handy so schön viele Funktionen, wie ich erst wieder kürzlich festgestellt habe. Meine Freundin wollte sich ein neues zulegen - ich, neugierig wie immer, bin mitgefahren, um mit Rat und zweifellos pragmatischem Blick zur Seite zu stehen. 

Doch schon beim ersten Gerät fühlte ich mich überfordert - und zwar beim Einschalten. Das habe ich dann doch lieber dem Profi überlassen. ;-) Danach ging es aber erst richtig los: die hochauflösende Kamera, die Spracherkennung, das Kontaktbuch und die fast endlosen Speichermöglichkeiten, die gute Internetverbindung, der Zugang zu den vielen Apps und obendrein noch den komfortablen Terminplaner. Und - nicht zu vergessen - man kann sogar simsen und telefonieren.

Bei den vielen Möglichkeiten, die einem das Handy bietet, kann man ja eigentlich auf die altmodischen Terminkalender und so verzichten. Irgendwie kommt es mir so vor als würden wir immer abhängiger von unseren Mobiltelefonen werden. Denn wenn sie einmal nicht gehen oder wenn wir sie mal zu Hause vergessen haben, ist der Tag quasi schon gelaufen. Wie soll man denn überleben, ohne dass man ständig nachsehen kann, ob jemand etwas neues bei facebook gepostet hat oder ob man angerufen wurde? Und obwohl ich mit der Technik eine relativ komplizierte Beziehung führe, habe auch ich angefangen, mein Handy zu lieben. Eine Abhängige mehr.

Als ich es dann nämlich an einem Morgen tatsächlich vergessen hatte, mein Handy schnell noch in meine Tasche zu schmeißen, fand ich den ganzen restlichen Tag furchtbar. Es fing schon bei dem riesigen Schrecken an, als ich das Telefon nicht am gewohnten Platz in meiner Schultasche finden konnte. Wenn ich hätte feststellen müssen, dass wir eine Arbeit schreiben und ich vergessen hatte zu lernen, wäre es weniger schlimm gewesen. Etwas später fiel es mir dann ein, dass es noch zu Hause neben dem Bett liegen musste. Die ganze Zeit über fühlte ich mich so unwohl, wie ich es nie für möglich gehalten hatte. Denn selbst, wenn ich keine Nachricht bekommen hatte, fehlte mir mein Handy. Das Gefühl, niemanden erreichen zu können, da ich natürlich keine einzige Nummer auswendig wusste; die Langeweile am und im Bus, weil ich mich ohne Handy nicht zu beschäftigen wusste (denn wo ist meine Musik drauf? Auf dem Handy! Womit google ich mal schnell was? Mit meinem Handy!); etliche andere im Unterricht mit dem Handy auf dem Tisch sitzen zu sehen; zwischendurch nicht nach der Uhrzeit gucken zu können... Wahnsinn. Dabei dachte ich doch immer, „jederzeit drauf verzichten zu können“. Fehlanzeige. Trotzdem waren die Stunden nicht völlig verkorkst- ich habe die Zeit sinnvoll damit genutzt, im Unterricht aufzupassen.

Beim Warten auf den Bus nach Hause ebenso. Meine Freundinnen und ich, wir haben uns unterhalten. Ganz altmodisch. Zwei von uns fünf hatten zwar ihr Telefon in der Hand, aber immerhin.
Als ich es dann endlich wieder meins bei mir hatte, nach einem ziemlich mittelprächtigen Tag, war ich so erleichtert wie lange nicht mehr. Und als ich so dastand, ging mir durch den Kopf, wie unglaublich es eigentlich ist, so derart abhängig von diesem kleinen Gerät zu sein. Das hätte ich nie für möglich gehalten, schon gar nicht bei mir, absolute Schattenparkerin was die Technik angeht.
(Und was machte ich dann als allererstes? Richtig. Eine SMS an meine Freundin schicken, dass ich wieder zurück in der Zivilisation bin. Ab sofort war ich wieder zu erreichen und zurückgekehrt aus dem Universum der Handylosen.)

Aber nach diesem Tag glaube ich, dass ich es doch nochmal versuchen werde, auch mal ohne mein Mobiltelefon auszukommen. Immerhin sind wir alle voll entwickelte Lebewesen und schaffen es, ohne das Ding auszukommen, wie ich so eindrucksvoll bewiesen habe. Ich lebe noch. : )

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Autorin / Autor: smiley - Stand: 26. November 2012
 
 

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