Freiwilligendienst und Kulturschock in Indien

Lisa ist nach dem Abitur zu einem Freiwilligendienst nach Indien aufgebrochen und unterstützt Mädchen auf dem Weg in ein besseres Leben.

"Ich mag Hausarbeit. Meine Aufgabe ist es, die Betten sauber zu halten und die Bettwäsche zu wechseln. Sauberkeit ist sehr wichtig." Ich sitze vor einem 13 Jahre alten Mädchen und frage sie, ob sie das ernst meint, denn ich selbst bin nicht gerade ein Fan von Hausarbeit und kenne auch niemanden der sie liebt. "Alle Mädchen haben ihre bestimmten Aufgaben, um das Haus sauber zu halten und wir machen sie gerne, denn wir freuen uns hier leben zu dürfen!"

Als ich einen Chai gereicht bekomme, fällt mir wieder einmal auf, dass ich wirklich in Indien bin und mit diesen Mädchen jetzt ein Jahr verbringen werde. Das Boardinghome ist das Haus einer Familie, welche die obere Etage den Mädchen zum Wohnen zur Verfügung stellt. Die Hausmutter wird von allen Mädchen als zweite Mutter angesehen und respektiert. Auch der Umgang untereinander ist sehr geschwisterlich. Deshalb stellt das Boardinghome für die Mädchen ein zweites Zuhause dar.

Die Mädchen sind im Alter von 7 bis 14 Jahren. Teilweise besuchen sie die Vorschule, andere sind bereits in der 9. Klasse. Die jeweils besuchte Klassenstufe sagt jedoch nicht unbedingt etwas über das Alter der Mädchen aus. Dies liegt daran, dass sie alle aus Dörfern kommen, in denen es keine Schulen und somit keine Chance zur Bildung gibt. Um dem entgegen zu wirken, haben sie von Sambhali Trust die Möglichkeit bekommen, in die Stadt zu ziehen und hier zur Schule zu gehen.

Vimla (das Mädchen, das ich für diesen Artikel interviewt habe) geht in die 8. Klasse, das entspricht ihrem Alter. Sie kommt aus dem Dorf Balesar und hat eine Schwester und zwei Brüder. Ich würde dies eine indische Seltenheit nennen - zumindest zwischen den Mädchen hier - da die anderen alle sehr viele Geschwister haben. Sie ist seit zwei Jahren hier im Boardinghome. Am Anfang war es schwer für sie, so lange von Zuhause weg zu sein, inzwischen hat sie sich jedoch eingelebt. "Wir sind hier auch eine Familie und unterstützen uns gegenseitig. Ich habe alle lieb, wie meine Schwestern!" Ich frage sie nach der Schule, ihren Lieblingsfächern und der Zukunft. "Am liebsten mache ich Hindi und Englisch in der Schule, aber alles ist wichtig, vor allem weil ich Ärztin werden möchte." Dass dieser Traum viel Arbeit bedeutet, weiß sie - dieses große Ziel spornt sie jedoch an, sich bereits jetzt in der Schule anzustrengen.

Ich erfahre auch den Tagesablauf der 22 Mädchen:

4.00 Uhr Aufstehen, Zähne putzen, Duschen, Frühstück
7.15 Uhr ca. 5 Minuten zur Schule laufen
7.30 Uhr eine Stunde Gebet (in der Schule)
8.30 Uhr Unterrichtsstart
12.30 Uhr nach Hause laufen, Mittagessen, Hausputz, Mittagsschlaf
15-18 Uhr Hausaufgaben machen und spielen mit den Volunteers (meine Arbeit)
19.00 Uhr Abendessen
21.00 Uhr Schlafenszeit

Trotz solch einen durchgeplanten Tages und vielen Aufgaben, wollen die Mädchen nicht weg aus Jodhpur, denn sie wissen, dass es ihre Chance auf ein besseres Leben ist.

Was mache ich hier eigentlich?

Ich heiße Lisa, bin 18 Jahre alt und habe mich dazu entschieden, nach meinem Abitur einen Freiwilligendienst in Indien zu leisten. Über das DRK Hessen Volunta gGmbH bin ich zu einer Stelle im vom Bund geförderten "weltwärts"-Programm gekommen und arbeite nun für fast 1 Jahr bei der Organisation Sambhali Trust als Volunteer. Im Boardinghome helfe ich den Mädchen bei den Hausaufgaben, lerne und lese mit ihnen. Danach geht es ans Spielen und Spaß haben. Ansonsten helfe ich momentan vormittags in einem anderen Projekt aus und unterrichte Frauen in Englisch und Mathe.

Die Arbeit ist nicht immer einfach, denn Englisch ist zwar eine der 22 Amtssprachen, jedoch können sie nur sehr wenige sprechen. Schnell findet man aber seinen Weg, sich mit allen zu verständigen. Wenn man mit Händen und Füßen nicht mehr weiterkommt, findet man schnell jemanden, der für einen übersetzt. Ich habe die Mädels alle schon total lieb gewonnen und bin froh, dass ich nun auch alle 22 Namen gelernt habe.

Ich hatte schon immer den Plan, nach der Schule erstmal ein Jahr in irgendeiner Weise die Welt zu erkunden. Ich konnte mir nie vorstellen, gleich zu studieren und in den nächsten "Lernstress" zu kommen. Außerdem wollte ich mein Englisch verbessern und in eine ganz andere Kultur eintauchen. Letztendlich kam ich dann wieder auf meinen Kindheitstraum zurück und entschied mich für einen Freiwilligendienst in Indien. Bei einem Jahr Erfahrungsreise für mich selbst auch noch Menschen helfen zu können, hat mich überzeugt. Ich weiß, dass ich nicht die ganze Welt umkrempeln kann, aber ich kann wenigstens ein paar Frauen unterstützen und damit zumindest ihnen helfen. Das Projekt ist mir sehr wichtig und ich freue mich, hier ein Jahr arbeiten zu dürfen!

Sambhali Trust - eine Frauenrechtsorganisation
Die NGO, bei der ich arbeite, unterstützt benachteiligte Frauen und Kinder, welche großteils der Dalit-Kaste angehören, indem sie ihnen ermöglicht, über Bildung und Ausbildung Selbstständigkeit und Selbstbewusstsein zu erlangen. Dazu wurden in verschiedenen Stadtvierteln sogenannte Empowerment-Zentren eröffnet, die jeden Tag von Frauen besucht werden können und von Hindilehrern, sowie von Volunteers begleitet werden. Außerdem lernen die Frauen in allen Zentren das Nähen, um sich nach der Ausbildung ihren Lebensunterhalt verdienen zu können. Desweiteren gibt es eine kostenlose Notrufnummer, welche 24 Stunden am Tag verfügbar ist. Alle Frauen mit Problemen werden in irgendeiner Art und Weise unterstützt - sei es über ein Gespräch, einen Anwalt oder einen Kredit. Ein weiteres Projekt ermöglicht Kindern mithilfe von Spenden den Zugang zu kostenpflichtigen, "guten" Schulen. Hierdurch haben sie, wie "meine" Mädchen aus dem Boardinghome, die Chance auf Bildung.

Mein Aufruf!

Wenn ihr euch von meiner Organisation angesprochen fühlt, dann überlegt euch doch, ob ihr vielleicht auch in dieser Art helfen wollt und dabei noch eine andere Kultur und Umgebung erkunden könnt. Wir suchen immer nach neuen, interessierten und kreativen Volunteers, zur Zeit vor allem für den Bereich Nähen, doch auch in den Bildungszentren ist Unterstützung immer willkommen. Wenn ihr Interesse habt, meldet euch auch gerne unter: lotta7@lizzynet.de und erfahrt mehr.

Natürlich sucht die Organisation auch immer nach Spenden für alle Bereiche, z.B. sind noch nicht alle Schulstipendien bezahlt. Darüber könnt ihr mehr Informationen auf der Internetseite von Sambhali Trust finden.

In meinem Blog könnt ihr euch über meinen Freiwilligendienst informieren: lisainindien.blogspot.de

Wenn ihr mehr erfahren wollt, dann schaut euch doch die Internetseite der Organisation oder die der deutschen Unterstützerorganisation an:

Autorin / Autor: Lisa Lange - Stand: 10. September 2014
 
 
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