All 4 One

Das "Wir sind Ehrenfeld, und keiner kann uns was"-Gefühl mit einer Lässigkeit, die tatsächlich so manche verkrampfte Metropole in den Schatten stellt.

First impression

Eine Frau mit wilder Lockenmähne knetet Frauen gekonnt auf der Straße durch, löst Verspannungen, während sich diese seufzend entspannen. Dieselben Hände haben auch schon Eros Ramazotti während seiner Tour in Deutschland massiert!
"Was wir alleine nicht rauchen, das rauchen wir dann zusammen" ertönt enthusiastisch aus Mikrofon und Publikum. Mitten auf der Straße ein Pool, in dem sich Leute allen Alters erfrischen. Ein kleiner Junge breakdanced, Hippies tanzen zu Goa-Musik und das Veedel (= Kiez) wird dank 'Ehrenfeld Apparel' in einem Zug genannt mit Metropolen wie Tokyo, New York, Paris. Was nach traumhafter Illusion und fieberhafter Fantasie klingt, durfte jeder in echt erleben, der bei dem kleinen Straßenfest in der Körnerstraße summend durch Seifenblasen und Sonnenstrahlen für wenig Geld köstliche Speisen und lauter alkoholische Mixturen oder vegane Spezialitäten abfangen durfte.

Der Zauber des Unbekannten

Aber von Anfang an. Während ich eben noch scheinbar pleite und ausgehungert notgedrungen bei McDonalds einen pappigen Burger mit klebrigem Käse kaufte, streunerte ich durch Ehrenfeld und traf auf Menschenmengen ausgelassener junger Leute, mit Essen das wesentlich besser duftete. Und lauter mit Obst dekorierten Pappbechern mit leuchtenden Inhalten. Unfreiwillig im Paradies gelandet, vergisst man schnell den Missmut über alte Burger. Denn fast alle Mahle werden vor deinen Augen zubereitet, mit Show und Liebe. Bruschetta mit Antipasti, indische Teigtaschen mit selbstgemachtem Kräuterdip, veganische Burger, Muffins, Kuchen, Steak, allerhand Limos, frische Obstsalate......ganz zu schweigen von selbstgemachtem Sommerwein und Hugo Deluxe.

Die einfachen Dinge

Bunte "Frieden für alle-Plakate", Luftballons, die man bemalt, Buttons, die man selbst designt, Kindergesichter, die sich zu Löwen, Feen und Katzen verwandeln. Girlanden, die typische Festdeko und- manier. Aber eine wilde Mischung aus jeder Subkultur, jedem Berufsfeld. Und eine unübersehbare Gemeinsamkeit: dieses "Wir sind Ehrenfeld, und keiner kann uns was"-Gefühl mit einer Lässigkeit, die tatsächlich so manche verkrampfte Metropole in den Schatten stellt. Wer das auch so sieht, kann sich gerne bei "Ehrenfeld Apparel" eindecken. Der ironische Laden verkauft genau so amüsante Klamotten, Postkarten und Beutel. Hat nur Freitags und Samstags geöffnet. Und fördert gleich mal drei Kumpels, die mit ihrer Mischung aus Rap und AkustikGesang eine Traube mittanzender Leute um sich sammeln.

Geheimtipp!

Die Band hat NOCH keinen Namen. Stört aber keinen. Irgendein Mix aus "Gottes Zorn" & oder "Die Regenbogendelphine". Man kennt sie dann spätestens nach zwei Liedern bestens. Eine Leidenschaft in Wort und Gesang (Skor für den Rap, Unimokk für den Gesang), packende Gitarrenrhythmen (von Rizzle) und eine beeindruckende Präsenz im Auftritt von allen und auch die wachsende Begeisterung vom Publikum. Zwischen den Liedern oder dabei werden dann schon mal Freunde begrüßt oder Fremde miteingebunden. Was die Drei - nebst dem Talent - einfach nur sympathisch macht! Die Texte, mit denen lässt es sich leicht identifizieren, da keine Meinung zurückgehalten wird. Und es ist wirklich interessant, welch unterschiedliche Menschen laut bei "Was wir alleine nicht rauchen das rauchen wir dann zusammen" mitgrölen. Ich ertappe mich selbst beim Klatschen... und beim Filmen wie ein Groupie.

Nebeninfo: besagter kleiner Junge aus der Einleitung fühlt sich von der Band inspiriert, seine kindlichen Breakdance Moves zu zeigen. Und ist dabei so versunken und cool, dass er jeglichen Trubel um seine Person ignoriert.

Einsatz mal anders

Eine Person, die widerum kaum einer ignoriert, ist Sevgi Möres vom Aroma Beauty Atelier. In ihrem pinken Shirt und mit einem gewinnenden Lächeln unterstützt sie das "Cafè der Sinne", initiiert von "Frauenklüngel", einer Hilfsorganisation aus Köln. Die jungen Frauen stecken an mit ihrer Begeisterung, und weil man sich dem gar nicht entziehen kann - und möchte! landet man schnell bei leckeren Kuchen und packt wie von selbst die Flyer ein, um die Projekte zu begutachten, was die Mitarbeiterinnen mit dem breitesten Lächeln des Tages belohnen. Man merkt, dass diese Frauen wirklich hinter dem Projekt stehen, und Glaubwürdigkeit ist in diesem Zusammenhang ja immer entschiedend! "Jeder in unserem Team hat seine Qualitäten und gemeinsam entwickelt sich ein schönes Konzept. unser Motto People help the People und wir haben Spaß dabei!"- ist die Vita der Frauen im Cafè der Sinne. Und wenn man dann schon leicht beschwingt rausgeht, sieht man diesen komischen Stuhl. Und traut seinen Augen kaum. Nebst einem minimalen Tischchen mit Öl, ein paar Handtüchern und nichts weiter als der warmen Sonne im Rücken, sitzt eine Frau da, und wird massiert. Das Schild besagt: 1 Minute, 1 Euro. Das Geld unterstützt einen Frauenhilfsverein. Und du entscheidest selbst, wie lange du in den Genuss kommst - und wie viel Gutes du damit tun möchtest. Begeistert von der lockeren Idee und dem zufriedenen Lächeln der Kundinnen vor mir sowie den schmerzenden Anzeichen eines Rückens, der sich immer vor dem PC beugt - sitze ich für 7 Minuten auf dem Stuhl. Verlasse ihn mit eben dem seligen Grinsen auf den Lippen, wie die vor mir. Und habe eine Schulterpartie, die man nicht mehr spürt, entgegen dem vorherigen Klotzgefühl. Meine Frage, wo sie ihr Studio hat, wird nicht unerwartet aber leider enttäuschend beantwortet - örtlich gesehen einfach nicht erreichbar für mich. Einfliegen lassen würde ich sie mir, wenn ich das könnte.

Der Charme der Körnerstraße

Einmal im Jahr lässt sich die Körnerstraße feiern, immer um den 20. Juli herum. Sofas werden runtergeschleppt, platziert, genau wie Anlagen, Cafes werden zu Clubs, Bars zur Chillecke, von überall tönt irgendwas. Und doch nicht nur irgendwas, denn was man hört, hat Qualität. Also war ich zur rechten Zeit am rechten Ort. Überhaupt, Ehrenfeld. Wie mich ein Bezirk von einem Tag zum anderen so überraschen konnte, hab ich selten erlebt.
Am Tage der Ankunft: oh weh. Nicht alleine nachts durch diese Straßen, und gesundes Essen kannst du dir abschminken, so der erste Gedanke. Schäme mich heute noch für ihn, aber der Artikel ist meine Chance, diese Fehleinschätzung wieder wettzumachen. Denn 24 Stunden später war ich vernarrt in dieses kleine Viertel, das sich absolut nicht entscheiden möchte, ob es typisch kölsch, multikulti oder szene ist, ob es frech und dreist oder schön und idyllisch ist. Ein Tag zuvor noch das Synonym vom Problemteil des Bezirks Neukölln in Berlin; jetzt wesentlich cooler, enspannter, augenzwinkernder als alle Szenebezirke Berlins zusammen.
Kneipen, wo der Barkeeper nahezu jeden Gast mit einer Umarmung begrüßt und aus Prinzip nur Jazz und Funk spielt; Eisläden mit verschrobener Bedienung und noch verschrobeneren Gästen, aber dem besten Shake, den man für läppische 2 Euro wohl kriegen kann. Imbissbuden, die nach außen hin nicht betretbar aussehen, aber innen eingerichtet sind wie das teuerste arabische Restaurant. Türkisch-italienische Feinkostläden, wo ich sicher den besten Humus überhaupt gegessen habe. Und kleine orientalische Eckkneipen, wo man gebeten wird, die Schuhe auszuziehen. Und dann mit nackten Füßen über den Teppichstoff schwebt. Bücherläden, die mich schon beim Namen kennen, weil so gemütlich, dass man dort gerne mal Schutz vor der Sonne sucht.

Ehrenfelds Slogan und Zukunft?

Eigentlich dürfte ich den Stadtteil gar nicht so loben. Wie mit allen schönen Orten dieser Welt ist es wohl eigentlich besser, wenn er geheim bleibt. Ansonsten heißt es vielleicht bald wirklich: "Tokyo New York Paris EHRENFELD". Oder zumindest: Kreuzberg.Friedrichshain.Prenz'lberg? EHRENFELD!

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Autorin / Autor: genna - Stand: 24. Juli 2013
 
 
 

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