Tokio-Hotel in Köln

Ein nicht besonders schmeichelnder Kommentar zum Tokio Hotel Konzert am 20.12.2005 in Köln von bass16

Sie sind Thema Nr. 1......

2, 3, 4...5 und ...1000. So zumindest erschien es mir am 20.12.2005 als ich mich, wohlgemerkt als Begleitperson meiner jüngeren Schwester, auf zum Tokio Hotel Konzert in Köln machte. Schon Tage, ja sogar Wochen, vielleicht auch Monate zuvor hatte es mir vor diesem...ja, ehm,... super Tag gegraut. Schon in meinen Träumen - vielleicht sollte ich besser Alpträume sagen - machte ich mir die grauenhaftesten Vorstellungen. Kreischende Teenies, blaue Flecken, aufgelöste Gesichter und in Ohnmacht fallende Mädchen. Und all dies wurde Realität. Da ich nicht wusste, wo genau sich der Konzertsaal befand, überlegte ich mir nun zuerst, mich einfach von dem Geschrei pubertierender weiblicher Teenager leiten zu lassen (erklärenderweise sollte ich nun erwähnen, dass ich bereits 18 bin und mich daher nicht mehr als pubertierende Jugendliche bezeichnen würde). Und siehe da. Ich gelangte schneller an den Ort meiner Träume als mich jedes Navigationssystem hätte dorthin führen können. Und hey, dafür, dass, so hörte ich es von einem Vater, der kurz zuvor mit einem Securitymann gesprochen hatte, eine Vielzahl der Konzertbesucher bereits einen Tag zuvor schon dort angekommen waren, standen wir doch recht nah am Eingang (um genau zu sein etwa 250 m entfernt).

Bockwurst zwischen zwei Brötchenhälften
Zunächst schien ich sehr beruhigt zu sein, da sich das Gedränge noch im Rahmen hielt, als jedoch pünktlich (hier ein Lob an das Palladium) Einlass gewährt wurde, zerplatzte der Traum der körperlichen Freiheit wie eine Seifenblase. Man versetze sich nun in die Lage einer verzweifelten Bockwurst, die zwischen zwei Brötchenhälften eingeklemmt ist und am liebsten abhauen würde, es jedoch nicht kann. Genauso erging es mir. Hinzu kam jedoch noch eine Portion Herumgezicke und mit Erschrecken stellte ich fest, dass auch Mädchen eine sehr hohe Gewaltbereitschaft mitbringen. Aber hey, es geht ja um Tokio Hotel, die supi süßen Knuffelchen, bestehend aus Bill, Tom, Gustav und Georg. Allmählich machte es mir richtig Spaß, festzustellen, dass ich mein Gleichgewicht nicht mehr halten musste und lehnte mich sanft zurück. Ich mein', man hat nicht alle Tage jemanden, der einen so lieb und nett auffängt. Ach, es war ja so kuschelig. Ich war jedenfalls ziemlich erleichtert als wir endlich den Konzertsaal betreten durften. Wir standen sogar recht weit vorne, zwar nicht in der ersten Reihe, aber man hatte dennoch eine perfekte Sicht.

Umjubelte Kabelträger
Nach einigen Stunden( vielleicht waren es auch nur Minuten) des Kampfes um einen zufriedenstellenden Stehplatz begann nun endlich das langersehnte Massenkreischen der Tokio Hotel Groupies. Nachdem ich mich bereits hundertmal bei meinen Ohren, insbesondere dem Trommelfell, für diese gesundheitliche Belastung entschuldigt hatte, kam mir ein wichtiger Gedanke in den Sinn: Man müsste Kabelträger sein. Denn diese waren die eigentlichen Stars des Abends, auch wenn sie nie im Traum daran gedacht hätten. Die Hysterie unter den kreischenden Mädchen hatte nämlich ein solches Ausmaß angenommen, dass bei dem Auftauchen einer dunklen Silhouette auf der Bühne ein Massenkreischen ausbrach. Einmal Kabelträger sein und von Tausenden von Mädchen jubelnd empfangen werden. Wer wünscht sich das nicht?

Hose auf halb acht
Na gut, um mal zum eigentlichen Thema zu kommen: Dem Auftritt der 'supisüßen, knuffigen, megageilen' Teenieband Tokio Hotel. Die Lichter erloschen, alle Blicke waren auf die Bühne gerichtet und die wohl begehrtesten Jungen Deutschlands betraten die Bühne. Aber nein, sie kamen nicht gleichzeitig, sondern das Beste zum Schluss. Bill, das wohl begehrteste Mitglied der Gruppe Tokio Hotel. Lässig mit einer Lederjacke und einer auf halb acht hängenden Hose, betrat er singend die von Rauch verhüllte Bühne und begann mit dem Song „Jung und nicht mehr jugendfrei". Die Menge vor der Bühne flippte nur so aus, kreischte mit und bewegte sich professionell zu den Grooves der Band (na, na, na...wer hat denn da schon mal fleißig vor dem Spiegel geübt?)

Ein Blitzlichtregen
Nur so nebenbei möchte ich auch erwähnen, dass sich so einige Kamera- sowie Handyhersteller (nicht zu vergessen auch die Make-up- und Textilindustrie) bei Tokio Hotel bedanken sollten, denn mit Betreten der Bühne verwandelte sich der Konzertsaal in ein Meer von Handys und Digitalkameras (von wegen unsere Wirtschaft läuft nicht). Ein jedes Mädchen brach in Tränen aus, wenn es ein gutes Foto vom "geilen Lächeln" des Frontmanns Bill erhaschen konnte. Jener verhielt sich entgegen meinen Erwartungen recht professionell, involvierte das Publikum und animierte es zum Mitsingen seiner Lieder. Letzteres würde ich jedoch als einen taktischen Kniff bezeichnen...(Ich spiel jetzt mal Dieter Bohlen: Hmmmm, Bill, einige Töne sind aber ganz schön daneben gegangen...) Naja, so lange er gut aussieht...

Schweißnasse Souvenirs
Jedenfalls heizte er dem Publikum so richtig ein, und wo wir schon mal beim Thema „heiß" wären... Zum krönenden Abschluss des Konzertes warf der supiknuffige Bassist Georg sein von Schweiß durchnäßtes T-Shirt in die Menge... Und - bei Gott - ich bin froh, dass er es nicht in unsere Richtung geworfen hat... Das hätte Mord und Totschlag gegeben. Aber, hey, einmal den extravaganten, übermenschlichen Schweiß von Georg (HALLO: GEORG - das ist nicht irgend so’n Mensch mit normaler Schweißdrüse) riechen... Wer träumt nicht davon?.... Und was mit dem Handtuch passiert ist, das Bill am Ende ins Publikum geworfen hat, durfte ich nach der Show erfahren. Beinahe jeder lief nach der Show, an einem etwa 1 cm großen Handtuch schnuppernd, herum, wobei mir folgender Kommentar in Erinnerung geblieben ist „Mmmhhh, das DUFTET nach Schweiß von Bill". Bisher habe ich immer in dem Glauben gelebt, dass Schweiß nicht duften kann, aber seit dem besagten Termin appelliere ich an Bills Schweißdrüsen: produziert mehr Schweiß, damit alle davon leben können! (Hey, du Manager von TH, versteiger doch mal ein „nach Schweiß duftendes Handtuch" von Bill bei ebay)

Starschweiß
Die vom Körper ausgestoßene Flüssigkeit Schweiß lässt sich in zwei wissenschaftliche Gruppen einteilen: 1. Schweiß von "stinknormalen" Menschen und 2. Starschweiß, auch Tokio Hotel Schweiß genannt. Na gut, ich werd jetzt mal wieder an meine Objektivität appellieren. Im Großen und Ganzen muss ich zugeben, dass das Konzert gut gelungen ist. Sowohl vom Instrumentalen als auch Gesanglichen. Die Fans waren jedenfalls hellauf begeistert, wobei ich auch nichts anders erwartet hätte (ich sag nur: Liebe macht taub). Der Debüthit „Durch den Monsun" wurde sogar zweimal gespielt und hörte sich, dank geglücktem Stimmbruch, sogar ganz akzeptabel an. Der sonst so vorlaute und freche Tom verhielt sich, meinen Erwartungen zuwider, jedoch recht zurückhaltend und blieb relativ im Hintergrund des Geschehens. Na gut, das ein oder andere Mal warf er den Fans seinen unwiderstehlichen Verführerblick zu, ansonsten hielt er sich dennoch verbal zurück (was er sonst in Interviews eigentlich nie tut und die anderen gar nicht zu Wort kommen lässt). Einer besonderen Zuwendung seitens Bill durften sich übrigens die „Very Important Persons" erfreuen, denn mit seinem wunderschönen Antlitz becircte er sie nur so und sah ihnen direkt in die Augen... Nachdem Tokio Hotel nun die gesamten Songs des Albums „Schrei" inklusive zweier Zugaben gespielt hatten und letztendlich nur noch der weniger begehrte Schlagzeuger Gustav auf der Bühne zurückgeblieben war, hatte das Konzert sein Ende gefunden. Die Menge hatte sich allmählich beruhigt und begab sich zufriedengestellt auf den Heimweg. Und was blieb, war ein Tinitus-ähnliches Piepen im Ohr... Was für eine schöne Erinnerung an diesen vollständig gelungenen Abend...

Autorin / Autor: bass16 - Stand: 2. Januar 2006