Language can be shocking. Shockingly attractive

Janina über ihre Sprachreise in Bournemouth: Ich bin zu irreparabel eigensinnig dafür.

Es waren gemischte Gefühle. Klar. Oft genug hatte ich Erfahrungen gemacht, in Camps, ebendiesen Ferienlagern jeglicher Art. Orte der Unterdrückung, wie ich zu sagen gepflegt hatte. Die Selbstständigkeit am Ende der Welt? 0 von 10 credits. Ständige Durchzählorgien, Freeheit. Diese Freeheit eben, der ich ich, wie in meinem Blog nachzulesen, so große, ja grandiose Wichtigkeit attestiere.
Natürlich hatte ich Angst. Dass die Nerven flattern, das Adrenalin die Knie zu Wespenlauch transformiert… Das versteht sich von selbst. Mit diesen Erfahrungen — ich habe gebloggt (spottpreis.wordpress.com/2016/05/23/im-lager. Ich blogge doch immer) geradezu natürlich. Eine Seltenheit bei meiner Attitüde.

Ich hatte Horror in Gastfamilien erlebt und habe davon geträumt, all diese „Reminiszenzen des Verlierens der Unschuld“ endgültig aus meinem Gedächtnis zu löschen. Nächtelang habe ich es versucht. Schäfchen gezählt und am Smartphone gehangen. Nächtelang. Und um ein Haar wäre es mir gelungen.
Dann kamt ihr. Ihr Fieslinge. Ihr Challenger. Ihr Risiko-Hunter. Ihr Lebenveränderer. Gut, letzteres Attribut überzieht den Spannungsbogen unter Umständen. Er soll nicht reißen. Mehr dazu später.
Ihr standet plötzlich da, vor meiner Haustür. Mit einem Mal. Fakt: Vor meiner virtuellen Tür. E-Mail. Die Glücksfee wäre auf meiner Seite gewesen. Ich dachte, das sei ein Witz gewesen. Kleiner Kalauer. Pustekuchen. Es war echt. Total echt. Keine betrügerische Masche, um mir mein Geld vampirmäßig aus der lecken Hosentasche zu saugen. Es war echt. Total real. Scherz. Nein. Total real. Geil. Wenn nicht die harten Gastfamilienerinnerungen hochkämen.

Und tatsächlich sollte diese Reise eine Herausforderung für mich werden. Die Familie, das war ein Lichtblick. Weil sie perfekt war. Hashtag perfekt. #lieblosegiergrüße. Zuckersüße Gastgeschwister haben mich aufgebaut. Mental. Denn for sure, natürlich gab es Tiefpunkte. Tiefer als der Marianengraben. Aber wer kann die guten Momente detektieren, wenn ihm die schlechten fehlen? Und die euch, Lizzys respektive Lizzys des Todes, dank obrigen ach so hypertollen Hyperlinks nur zu gut bekannten meinem Abenteuer vorausgegangenen negativen Episoden des Reiselebens ganz hinten im Oberstübchen vergraben?

Am besten gar nicht daran denken. Und über weite Strecken hat das wunderbar geklappt. Wunderbar. Is’ klar. Wenn da nicht der Regen wäre, der die Frisur in die ewigen Jagdgründe sendet und das Baugrundstück nahe ans Wasser rückt. Wenn da nicht die langen Fußwege wären. Und die Gräßlichen. Kein further Kommentar.
Time change. Ich sitze in einem leicht muffligen, ausrangierten Rugby-Clubhaus. Um mich herum freuen sich gut gelaunte Animateure des Lebens, während ganze Generationen von Teenies basteln. Basteln? Das war noch nie meine Stärke. Deshalb schreibe ich ja auch. Unglaublich, mit welcher Kreativität meine Altersgenossen ans Werk gehen. Imagination? Bei mir weitgehend Elefant durchs Nadelöhr, oder what the heck auch immer diese Metapher aussagen soll.

Ich blicke in die Vergangenheit. Dorthin reisen leicht kritisch. Zum Glück dauert es bei mir noch ein Weilchen bis zur Alzheimer-Infektion.
Drei Tage ist es her, dass ich mich in der Morgendämmerung aufgemacht habe. Bewusst kein Handy dabei gehabt. Später sollte ich diesen für meine Altersgruppe schier skandalösen Entschluss bereuen. Saukrass bereuen. Und Reue ist nicht süß. Meine Gastgeschwister sehr wohl. Tja… Im Nachhinein hätte ich den dämlichen mobilen Bespaßungsapparat im Koffer verstaut. Statt dem Kram, an dem ich nie ernsthaft Nutzen hatte. Ein Erlebnis war die ganze Story formidablerweise oder weniger formidablerweise allemal.

Vor drei Tagen also. Ich seufze und spioniere meine Banknachbarn - innerlich geplättet bei der Verwendung einer stinknormalen Sprühdose - aus. Hoffnungslos versagen würde ich angesichts einer solch gigantischen Herausforderung.
Gut Ding, ein paar unbeschriebene Blockblätter lächeln mich noch immer lockend, irgendwie diabolisch, verschwörerisch an.

Vor drei Tagen. 24 Stunden im Fernreisebus sind vor mir gelegen, haben ihre lechzende Zunge nach mir ausgestreckt. Konspirativ habe ich meine Mitfahrer gemustert: Der Großteil würde die kommende Woche in einen klassischen Bundeswehr-Ferienlager verleben. Drill. Oh je. Mein Schicksal hat besser ausgeschaut. Ist es dann nur bedingt gewesen. Hashtag individueller Eindruck.

Drei Tage sind vergangen, drei weitere. Addieren wir, bilden wir die Summe und wir sehen: Seit sechs Tagen hause ich in Bournemouth. Zehn erwarten mich noch, bevor es nachhause geht. Das ist viel. Es ist OK. Für ein Zwischenfazit scheint die Zeit reif zu sein: Mein gesamter Tagesablauf ist verplant. schlimmer als Geburtstagsparties in der Vorschule. Ich bastle, mache Sport, pauke Vokabeln, bestaune die Lernfortschritte, die die zig asiatischen Englischanfänger trotz chronischer Introvertiertheit machen. Kantinenessen. Es geht. Und unsere Betreuer a.k.a. Animateure machen ihre Sache fabulös. Na ja, weniger fabulös, aufgeweckt. Ja, aufgeweckt. Das trifft es. Ich muss grinsen, den meine innere Uhr in Sachen Aufstehen hat heute Morgen einen Totalausfall erlitten. Wenigstens in der Familie wird Selbstständigkeit noch großgeschrieben. Nur bin ich mir manchmal nicht sicher, ob ich dem gewachsen bin.

Ja, wir zählen durch. Vor jeder Schulstunde, auf jeder Exkursion. Auf Dauer wird das der Horror. Aber ja, wir lachen auch. Wir lachen jeden Tag, wir singen, tanzen. Wir sind mindestens genauso aufgeweckt wie die Animateure. Die Talentshow motiviert uns, zu lernen. Und wenn wir motiviert sind, eigenen wir uns Neues an. Infos. Land und Leute. Das Übliche halt. Sogar Vokabeln.

Man kann nicht mit jedem. Nie. Ein straff organisierter Kurs nimmt beizeiten kuriose Formen an. Anstrengende Formen. Zum Glück habe ich mein Smartphone nicht dabei. Das ständige Ziepen, Surren und Vibrieren. Ist gleich das Gegengift des Gegengifts gegen Stress.

Die Zeit hier ist stressig. Sie macht Spaß. Da ist alles andere als ein Widerspruch.
Haarklein werde ich das mir zum Durchkauen vorgesetzte Programm an dieser Stelle nicht rekapitulieren. Erfahrungsberichte von Alumni-Teilnehmern an Sprachreisen findet ihr, heiße Lizzys, zuhauf. Wie Sand am Meer im Netz. Sprich surfen im Sand am Meer. Heißt für euch die Divise. Wenn, nochmal, wenn ihr überhaupt Interesse an Sprachferien habt. Vergeudete Lebenszeit sieht nämlich anders aus. Give it a try. Kann ich euch sagen, wenigstens.

Das ist kein Sprachkurs, über den ich geschrieben habe. Ich habe über mich geschrieben. Über mich selbst. Und das hat `nen Hang zum Seltsamen. Krude. Ergo nicht wundern. Sprachferien sind cool.

Autorin / Autor: janinap - Stand: 5. August 2016
 
 
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