Weltenwechsel

Eine Kurzgeschichte von franziska

Als ich aufwache höre ich die Möwen kreischen und spüre ein leichtes Kribbeln in meinem Körper. Heute ist es soweit, heute ist der Tag der Entscheidungen. Heute werde ich erfahren, in welcher Welt ich in Zukunft lebe und welchen Beruf ich ausüben werde. Meine Bettdecke rollt sich automatisch zusammen, was für mich das Zeichen ist, endlich aufzustehen. Müde schäle ich mich aus dem Bett und gehe ins Bad. Ich schaue in den Spiegel und kurz darauf werden mir auf dem Bildschirm neben dem Spiegel meine Herzschläge pro Minute angezeigt. 120! Das ist viel zu hoch und das macht mich noch aufgeregter. Auch meine Stimmung wird festgestellt und auf dem Bildschirm steht: „Nervös, aber glücklich!“

Als ich gerade meine Gesicht wasche, hämmert mein Zwillingsbruder Finnick gegen die Tür: „Eliana, bist du endlich fertig?“ „Ja, gleich!“, antworte ich genervt. Nur weil er auch so aufgeregt ist wie ich, muss er nicht so hetzen!
Aus der Küche steigt mir der Geruch von Kaffee in die Nase. Mama sitzt am Küchentisch und nippt an einer Tasse. Ich bediene den Frühstücksautomaten und nach wenigen Sekunden erscheint meine gewünschte Speise: Rührei mit Speck.
Nach dem Frühstück, kündigt unser Hausroboter Besuch an. Meine Freundin Rieke kommt die Tür herein. „Guten Morgen Frau Kalum“, begrüßt sie meine Mutter, „Hey Eliana“. „Guten Morgen meine Liebe, bist du sehr aufgeregt? In welcher Welt würdest du gerne leben?“, fragt meine Mutter neugierig. „Am liebsten würde ich ja hier bleiben, aber da sind meine Chancen ziemlich gering. Die Mobilewelt wäre toll, mit all den Robotern und Maschinen. Da kann man von einem zum anderen Ort gebeamt werden. Oder die Schwebewelt, nie mehr zu Fuß gehen!“, schwärmt sie.

Ich habe mir auch so meine Gedanken gemacht und finde die Welt des Vergangenen ja richtig interessant. Eine Welt fast ohne Technik und Roboter? Das kann ich mir nur schwer vorstellen. Oder die Welt der… Doch Finnick reißt mich aus meinen Gedanken: „Eliana, bist du dann so weit? Wir wollen los!“ Verwirrt greife ich nach meiner Jacke, die mir der Hausroboter reicht und nicke.

„Es ist doch erstaunlich, wie schnell ihr erwachsen geworden seid. Jetzt seid ihr schon 19 und startet ins Leben,“ meint Mama kopfschüttelnd, „ aber euer Vater und ich haben schon alles richtig gemacht. Die Charaktereigenschaften, die wir für euch ausgesucht haben, haben sich doch perfekt entwickelt.“ „Mama, wir müssen dann auch los“, murmele ich verlegen. „Ja ja, ich will euch auch nicht länger aufhalten. Papa und ich, wir kommen dann später nach, okay?“

Finnick nickt und wir machen uns auf den Weg zur Stadthalle, in der das große Ereignis stattfindet. Verträumt schaue ich aufs Wasser, das sich überall befindet. Unser Haus steht auf Pfählen im Meer, genau wie alles andere in unserer Welt, der Wasserwelt. Wasser ist mein Element und ich liebe es zu schwimmen. Doch wie oft werde ich in Zukunft die Gelegenheit dazu haben? Wer weiß, vielleicht gibt es in der Welt, in der ich leben werde überhaupt kein Wasser, wie bei meinem älteren Bruder Tules? Er lebt in den Bergen und ist verantwortlich für die Regelung des Wetters. Das einzige Wasser, das er zu sehen bekommt, ist der Regen.
Wir kommen an der Stadthalle an und treffen auf viele weitere Jugendliche, deren Zukunft heute ebenfalls bestimmt wird. Mit 18 Jahren lernt man alle Welten kennen. Eine ziemlich lange Prozedur, da es fast 100 gibt. Mit 19, nach dem Schulabschluss, wird dann entschieden wo und wie man lebt.

Der Staat ordnet einem den, für einen selbst am besten geeigneten Wohnort und Beruf zu und garantiert so ein vollkommenes Leben. Mit 85 Jahren geht man nach einer großen Verabschiedungsfeier in die Lichtwelt über. Körperlichn Verfall, Krankheit oder Tod gibt es nicht mehr.

In der Stadthalle warten Finnick, Rieke und ich, bis unsere Namen aufgerufen werden und wir die Fragebögen ausfüllen müssen, die dazu beitragen unseren Wohnort festzulegen. Währenddessen mustere ich die anderen Jungen und Mädchen. Alle haben sie ihre besten Kleider an und sind hübsch zurechtgemacht, genauso wie wir.
Dann wird Finnick aufgerufen und kurz darauf auch Rieke. Ich warte nervös im Saal, bis auch mein Name genannt wird. Ich werde von einem Beamten in einen kleinen Raum geführt, in dem ich aufgefordert werde den langen Fragebogen ehrlich und vernünftig auszufüllen. Ich nehme auf einem Stuhl Platz und fange an. Dort stehen Fragen wie Haben sie Höhenangst? oder In welcher Welt wollen sie unter garkeinen Umständen leben?
Nach einer halben Stunde bin ich fertig und gehe zurück in die Eingangshalle, wo Rieke und Finnick bereits auf mich warten. Gemeinsam gehen wir zum Festsaal, in dem die Verkündung stattfinden soll. Unsere Eltern sind schon da und wir setzen uns zu ihnen.

Ihre Fragen über den Fragebogen nerven mich und ich höre irgendwann nicht mehr zu. Nervös spiele ich an einer roten Haarsträhne herum, die aus meinem  Dutt gerutscht ist. Plötzlich tritt ein Mann auf die Bühne. Es ist soweit, der große Moment ist gekommen.

Anfangs erklärt der Mann den Ablauf des heutigen Abends und danach fängt er an, über die verschiedene Welten und die passenden Berufe zu reden. Auch die Vernichtung der Feinde in den fernen Welten wird erwähnt.  Ich werde immer hibbeliger und will nun endlich wissen welches Ergebnis bei mir herausgekommen ist.

Nach einer gefühlten Ewigkeit kommt der Mann zur Verkündung der Zuteilungen. Er ruft alle anwesenden alphabetisch auf. Wer an der Reihe ist, muss aufstehen, zur Bühne gehen und das Ergebnis wird bekanntgegeben.
„Henrieke Malaga!“ Rieke ist an der Reihe. Sie wird in der  Welt des Kreativen leben und für die Staatsnachrichten, die jeden Tag auf unseren Hauscomputern, in allen Welten erscheinen, schreiben. Ihre Traumwelt und ihr Traumberuf.
Hoffentlich läuft es bei mir auch so gut, denke ich als Rieke sich wieder zu uns setzt und lächele sie an. Der nächsten geht nach vorne.
Und dann bin ich dran. Mit wackeligen Knien stehe ich auf, streiche meinen Rock glatt und gehe zur Bühne. Der Beamte schüttelt mir die Hand und öffnet den Umschlag mit meinem Ergebnis, das  mein ganzes weiteres Leben bestimmen wird.
„Eliana Kalum“, er macht eine kurze Spannungspause, „sie werden in der Baumwelt  leben!“ Entsetz starre ich ihn an! In der Baumwelt? Nirgendwo Wasser? Das wird mein Untergang!
„Dort werden sie einen Beruf als Lehrerin antreten!“ Er reicht mir das Ergebnis, schüttelt mir wieder die Hand und bedeutet mir mit einem Kopfnicken, die Bühne zu verlassen, damit er fortfahren kann. Wie hypnotisiert gehe ich zu meiner Familie.
Den Beruf als Lehrerin kann ich auch in einer anderen Welt ausüben, also warum ausgerechnet die Baumwelt? Nie wieder schwimmen, denke ich traurig.
Meine Mutter lächelt mir aufmunternd zu. „Du hast den Beruf zugeteilt bekommen, den du dir immer gewünscht hast, das ist doch prima“, meint sie, „und Bäume magst du doch auch. Stell dir doch nur mal vor wie aufregend das wird, in Häusern auf Bäumen zu leben, dem Himmel ganz nah, das wird super, Süße.“ „Keinen festen Boden unter den Füßen und kein Wasser? Was soll daran super sein?“, erwidere ich trotzig.
Da bemerke ich, dass Finnick auf der Bühne steht.  „Finnick Kalum, sie werden ebenfalls in der Baumwelt leben und als Gärtner arbeiten.“

Ich klappe den Mund auf und wieder zu. Wie kann das sein? Geschwister leben nie in derselben Welt, außer man sieht in ihnen großes Potenzial und das ist bei Finnick definitiv nicht der Fall.
Eigentlich kann das alles nur eins bedeuten: Finnick und ich haben in der Zukunft eine wichtige Bedeutung für den Staat und uns wird eine wertvolle Aufgabe zugeteilt!

Autorin / Autor: franziska b. - Stand: 24. April 2013
 
 
 

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