Unerkannte Liebe

Studie fand heraus, dass unser Verständnis von musikalischen Themen ziemlich universell ist - außer wenn es um Liebeslieder geht

Musik nimmt in verschiedenen Kulturen auf der ganzen Welt viele unterschiedliche Formen an, dennoch erkennen Menschen überall bestimmte Themen wieder - es sei denn, es geht um Liebeslieder. Das ist die erstaunliche Erkenntnis einer neuen Studie der Yale Universität.

Für ihre Studie spielte das Forschungsteam mehr als 5.000 Menschen aus 49 Ländern 14-sekündige Gesangsschnipsel aus einer Reihe von Liedern aus unterschiedlichen kulturellen Kontexten vor. Unter den Proband:innen waren nicht nur Menschen aus industrialisierten Gesellschaften, sondern auch mehr als 100 Personen, die in drei kleinen, relativ isolierten Gruppen von nicht mehr als 100 Personen leben. Die Aufgabe der Zuhörenden bestand darin, die Wahrscheinlichkeit einzuschätzen, dass es sich bei jeder Probe um eine von vier Musikarten handelt: Tanz-, Schlaflied, "heilende" Musik oder Liebesmusik.
Im Gegensatz zu den meisten psychologischen Experimenten, die nur in einer Sprache durchgeführt werden, umfasste dieses Experiment 31 Sprachen. Unabhängig von der Sprache, in der die Umfrage durchgeführt wurde, konnten Menschen aus allen Kulturen Tanzmusik, Schlaflieder und - in geringerem Maße - sogar "heilende" Musik leicht erkennen. Handelte es sich aber um Liebeslieder, wurden diese alledings erst später erkannt als die anderen Kategorien.

Bei der Analyse der Antworten auf der Grundlage von Sprachgruppen stellten die Forschenden beispielsweise fest, dass 27 der 28 Gruppen Tanzlieder korrekt als zum Tanzen geeigneter einstuften als andere Lieder. Alle 28 Gruppen waren in der Lage, Wiegenlieder zu erkennen. Aber nur 12 der 28 Gruppen waren in der Lage, Liebeslieder zu erkennen.

Warum ist es so schwierig, Liebeslieder zu erkennen?

Ein Grund dafür, warum die Kategorie "Liebeslied" so schwer zu erkennen war, könnte laut den Forschenden sein, dass Liebeslieder eine besonders "unscharfe" Kategorie sind. Denn die Lieder würden ja nicht nur Glück und Anziehung, sondern auch Traurigkeit und Eifersucht zum Ausdruck bringen, so Hauptautorin Lidya Yurdum. "Hörer:innen, die Liebeslieder aus Nachbarländern und in Sprachen hörten, die mit ihrer eigenen Sprache verwandt sind, schnitten etwas besser ab, wahrscheinlich wegen der vertrauten sprachlichen und kulturellen Hinweise", so die Wissenschaftlerin.

Universelle Phänomene

Doch außer bei Liebesliedern waren die Bewertungen der Hörer:innen laut den Forschenden "weitgehend genau, stimmten überein und ließen sich nicht durch die sprachliche oder geografische Nähe zu den Sänger:innen erklären - was zeigt, dass der musikalischen Vielfalt universelle psychologische Phänomene zugrunde liegen". "Überall auf der Welt singen die Menschen auf ähnliche Weise, Musik ist tief in der menschlichen sozialen Interaktion verwurzelt," schlussfolgert Hauptautor Samuel Mehr.

Die Studie wurde am 7. September in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht.

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Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 13. September 2023