Vor 35 Jahren war es eine andere Welt

Einsendung zum Wettbewerb 2050 - Stadt meiner Träume von Laia, 12 Jahre

Das hier ist mein Aufsatz darüber, wie ich heute lebe und wie meine Mutter in meinem Alter gelebt hat.
Ich weiß über diese Zeiten nur das, was man uns erzählt, aber auf jeden Fall war es eine völlig andere Welt.
Meine Mutter konnte sich damals keine andere vorstellen, genauso wenig wie ich heute.
Wahrscheinlich liegt es in der Natur des Menschen gegen Veränderungen zu sein und alles festhalten zu wollen und die Dinge, die einem falsch vorkommen, gerade zu biegen oder für sich zurecht zu rücken. Natürlich nur, wenn es einen selbst weiter bringt.
Früher wurden viele Menschen nicht akzeptiert, weil sie Dinge taten, die den Leuten, die die Regeln bestimmten, nicht gefielen und außerdem kam da schon wieder die besagte Angst vor Veränderungen.
Das gibt es bei uns in solchen Maßen nicht mehr. Es gibt viele verschiedene Religionen, Gemeinschaften,
Hautfarben und Lebensstile. Nichts davon ist mehr wert als das Andere, das haben die meisten Menschen begriffen.
Alle leben zusammen in Gemeinschaften, verteilt auf den Kontinenten.
Jeder Mensch kann sich frei entscheiden, wo er leben möchte.
Das ist eine Freiheit, die damals nicht selbstverständlich war.
Calest, Die Gemeinschaft in der ich lebe besteht aus 50% Gärten, Parks und Feldern. Es muss auch Platz geben, in dem sich die Natur ausbreiten kann.
Das sieht man zum Beispiel an den Wegen, die von Beeten eingegrenzt werden. Die vielen Parks und selbst die Straßenlaternen werden manchmal von Blumen umrankt.
Ich finde es schön, wenn Mensch und Natur so zusammen fließen.
Auf so einen Fortschritt sind wir alle sehr stolz!
Etwas, das mich persönlich heute traurig macht, ist die Tatsache, dass leider die wenigen Regenwälder und Bäume nicht mehr gefällt werden dürfen, was grundsätzlich gut ist, aber leider werden deswegen keine Bücher mehr gedruckt.
Meine Mutter bewahrt viele Bücher bei uns im Haus hinter Glas auf.
Vorher wurden dauernd Bäume, sogar ganze Wälder gefällt, etwa für  Klopapier oder für neue Städte, die nur nach Abgasen stinken.
Heute muss ich lange suchen, um ein Buch aus dem wertvollen Papier zu lesen. Dafür schätze ich es mehr als zum Beispiel meine Mutter damals.
Für sie war es selbstverständlich.
Üblicherweise lebt man in Mehrgenerationshäusern, oder Wohngruppen. Ich wohne mit meinen Großeltern, Eltern und Geschwistern zusammen. Später werde ich wahrscheinlich mit meinen Freunden in einem Studentenhaus, bei der Uni wohnen.
Ich kenne niemanden, der alleine lebt, zusammen ist man immer stärker.
Das Leben ist heute sehr sozial, die Gemeinschaft ist sehr stark, man trifft sich oft, geht raus und feiert viele Feste.
Letztens haben wir den 100. Geburtstag meiner Großmutter gefeiert, alle Verwandten, Nachbarn und Freunde waren da. Es war wunderschön und entspannt.
Das Alter meiner Großmutter ist nicht allzu ungewöhnlich, Menschen leben heute länger. Durch die Technik hat die Medizin große Fortschritte gemacht. Krebs zum Beispiel ist heilbar.
In Calest befinden sich rund um das riesige Krankenhaus viele Praxen.
Untersuchungen sind Pflicht, niemand käme auf die Idee, dafür Geld zu verlangen.
Es ist schließlich ein Dienst an die Menschen und solche werden von der Gemeinschaft bezahlt.
Die Einnahmequellen einer Gemeinschaft sind unterschiedlich, manche machen mit Öl Gewinn, oder wie bei uns mit der Landwirtschaft.
In den Ferien helfen alle Jugendlichen bei der Ernte.
Dafür setzen wir aber auch Maschinen ein, mit Strom, den wir selbst produzieren. In Calest gibt es ein großes Wasserwerk, Windmühlen und auf jedem Dach Solar.
Ein weiteres Beispiel für Berufe, die ein Dienst an die Gemeinschaft/ Menschheit sind, gehören auch Ausbilder, Pfleger, Lehrer und Stadthygieniker (vorher abfällig Müllmänner heute ein ganz normaler Beruf).
Ich leiste auch einen Dienst an die Gemeinschaft, wie viele Jugendliche, indem ich zum Beispiel im Krankenhaus mit den Kindern spiele und Betten beziehe.
Zum Krankenhaus fahre ich mit dem Fahrrad, die Schule ist ein bisschen weiter weg, deswegen nehme ich die Bahn die unterirdisch durch die ganze Stadt verläuft.
Selten werden noch Schiffe und Flugzeuge genutzt und Autos sind ganz ausgestorben.
All das hat  die Regierung, die von allen Bürgern einer Gemeinschaft gewählt wird (Ausnahmen sind Kinder bis 16 Jahren) geregelt.
Von klein auf werden alle Kinder mit der Politik konfrontiert, jeder kann sich also engagieren und weiß über alles Bescheid, das politische Interesse ist also nicht nur einem kleinen Kreis Menschen vorbehalten sondern allen.
Das ganze ist in Gemeinschaftsregierung, Bundesregierung und Weltregierung mit ein paar Untergruppen wie z. B Finanzen und Umwelt unterteilt. Die Gemeinschaftsregierung wird von den Bürgern der Gemeinschaft gewählt. Die Bundesregierung besteht dann aus den gewählten Parteien und die Weltregierung wird wiederum, aus den vertretenen und gewählten Parteien zusammengestellt.
Nirgends gibt es einen einzelnen Vertreter, es sind immer mehrere, so teilt sich die Verantwortung und es wird nicht nur mit einem Blickwinkel beschlossen.
In der Politik herrscht nicht mehr das Geld und die Bürokratie sondern die Kompromissbereitschaft und Kommunikationsfähigkeit.
Ein wichtiger Bestandteil meines Lebens ist natürlich die Schule und allgemein die Bildung. Jedes Kind geht von seinem 6. Lebensjahr bis zu seinem 16. in die Schule. Diese 10 Jahre sind Pflicht, weit mehr gehen danach noch 2 Jahre zur Schule und später zur Uni.
Der Unterricht wird in kleinen Gruppen abgehalten und auf die Kenntnisse der Schüler abgestimmt.
So wird jeder individuell gefördert.
Ich muss laut Gesetz noch 1 Jahr zur Schule, doch wahrscheinlich mache ich weiter.
Es gibt ein großes Angebot an Kursen, die die Talente der Schüler fördern, wie Kochkurse, Zeichenkurse, Kriminalbiologie, Sport oder die Sanitätsausbildung
Diese werden benotet und helfen Erfahrungen zu sammeln.
Ich möchte vielleicht später mal Köchin werden, deshalb besuche ich einen intensiven Kochkurs.
Außerdem habe ich mich  entschieden, in den Psychologiekurs zu gehen, einfach um mehr über uns Menschen zu lernen und weil es mich interessiert.
Es gibt viele Möglichkeiten sich zu fördern und seine Stärken zu nutzen anstatt auf seinen Schwächen zu verharren.
So übt jeder einen Beruf aus, der ihn wirklich interessiert und jeder verfügt über ein zusätzliches Fachwissen.
Dieser Aufsatz gehört zum Psychologiekurs und ich merke gerade, wie viel ich sage möchte.
Ich habe gelernt, dass es uns manchmal weiterbringt alles los zu werden.
Hier kommt`s :

Ich glaube, dass die Menschen nicht mehr so egoistisch sind wie früher.
Es ist alles anders. Die gleiche Welt nur mit anderen Fehlern.
Wird es immer so sein? Eine perfekte Welt ist unmöglich, aber der Mensch war schon immer ein Experiment ohne Vorversuch, ohne Ergebnis. Meine Mutter hat den digitalen Krieg erlebt.
Es war ein Krieg ohne Gewalt, mit viel Geld.
Die Menschen hatten ihr Leben so digitalisiert, dass sie vergaßen zu leben, sie isolierten sich von einander.
Sie hatten Angst nach draußen zu gehen, sie versanken immer tiefer in ihrer eigenen, unendlich scheinenden digitalen Welt.
Eine Gruppe Menschen kämpfte dagegen an und dank ihnen leben ich und meine gesamte Generation in einer besseren Welt.
Sie versuchten, so viele Menschen wie möglich wach zu rütteln und zu überzeugen.
Wir nutzen die Technik zwar immer noch – vor allem in der Medizin-, aber wir haben aus unseren Fehlern gelernt.  Wir kennen ihre Vorteile, aber auch ihre Nachteile.
Für Fortschritte muss es immer Menschen, die begreifen, dass es nicht gilt, die Welt zu einer fehlerfreien zu machen, sondern zu einer, in der man nicht die gleichen macht.
Ich werde ebenfalls für das Morgen kämpfen, für eine unvorstellbare Welt mit Fehlern und Menschen, die für eine bessere kämpfen.
Nicht den Schein des Friedens waren, der nie ewig hält, sondern den nächsten versuchen zu erschaffen.
Menschen bleiben immer Menschen nur  mit anderen Fehlern auf einer anderen Welt mit einem anderen unbestimmten Morgen.

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Autorin / Autor: Laia, 12 Jahre