Starminster - Stadt in den Wolken
Autorin: Megan Hopkins
Übersetzt aus dem Englischen von Petra Knese
Astrid hat noch nie den Nachthimmel in echt gesehen. Sie war ihr ganzes Leben am selben Ort, konnte keine andere Menschen außer ihre Mutter kennenlernen und war in einem Schuppen eingesperrt, seit sie denken kann. Für sie ist das normal, bis zu dem Tag, an dem ihr Wunsch die Sterne zu sehen, immer größer wird. Sie wird zwar gut von ihrer Mutter versorgt, plant aber dennoch heimlich einen Ausbruchsversuch, mit starken Gewissensbissen.
Als ihr dies nicht gelingt, gelangt sie jedoch trotzdem bald an die frische Luft, als eine Mrs Wairi sie unvermittelt aus dem Schuppen befreit.
Sie nimmt Astrid mit, in eine andere Welt, die der Librae, also der Menschen mit Vogelflügeln, die in einer Parallelwelt über London leben - in Überlondon.
Diese Welt besteht aus Brücken, Treppen und Blüten, in denen die Bewohner:innen leben und in der neu flügge gewordene Librae das Fliegen lernen.
Dort darf sie auch zur Schule gehen, denn als sie erst mal Überlondon und vor allem ihre Freiheit kennen und genießen lernt, möchte sie dort nicht mehr weg. Zudem dämmert ihr die Erkenntnis, dass das Leben in einem Schuppen nicht normal ist und es entwickelt sich eine Wut und Zweifel gegen ihre Mutter.
Doch in Überlondon gibt es auch rätselhafte Dinge, so erkennt Astrid bald, dass es eine Art Zweiklassengesellschaft gibt, die eine mit Flügeln und die andere ohne diese.
Sie findet eine gute Freundin und hofft darauf, auch eine Libra zu werden, denn ausgeschlossen ist es nicht, dass auch ihr irgendwann Flügel wachsen. Astrid fasst in der neu gewonnenen Freiheit auch frischen Mut und schließt sich einer Art Rebellion gegen die vorherrschende Denkweise an. Dadurch kommt sie bald einem dunklen Geheimnis auf die Spur, als sie bei Strafarbeiten auf mysteriöse Informationen stößt.
Alles ist anders in Überlondon, als sie es von ihrem Homeschooling-Wissen kennt, doch sie ist in dieser Himmelswelt viel auf sich allein gestellt und muss über sich hinauswachsen, um sich nicht von dieser neuen, fantastischen Welt täuschen zu lassen.
„Starminster“ ist ein fesselndes Buch, das gegen Ende einen durchaus düsteren Twist bekommt. Die Geschichte beginnt schon merkwürdig, als wir erfahren, dass Astrid in einem kleinen Schuppen haust. Das Ganze macht während des Lesens später durchaus Sinn; Astrid beginnt das Erkunden der realen Welt jedoch in einer Parallelwelt, was gleich doppelt fremd für sie erscheinen muss. Nach ihrer durchaus traumatischen Erfahrung und später einem grässlichen Ereignis, erholt sie sich erstaunlich schnell wieder, was ihren Mut und ihre Kraft verdeutlichen.
Astrid ist klug, selbstsicher und setzt erstaunlich viel selbst um, das finde ich besonders toll an der Story. Das fantastische Element mit der Überwelt und den Flügelwesen fügt sich recht überzeugend in die Gesamtgeschichte ein. Auffällig ist, dass die Sprache des Textes manchmal etwas altmodisch und aus der Zeit klingt, was sich ganz gut mit der Technologie-Feindlichkeit von Überlondon mischt.
Alles in allem ein spannendes Lese-Erlebnis mit den Librae, von denen ich bisher noch kaum etwas gehört hatte.
Info: Band 2 und 3 folgen von Starminster folgen bereits.
Erschienen bei BELTZ
Autorin / Autor: Verena T. - Stand: 15. Juni 2026