Soll ich auf mein Herz hören…?

Berufswahl nach Herz oder Vernunft, wie finde ich das raus?

Hi, ich bin Alena und für euch in der Chemiebranche unterwegs. Dort begleite ich Ausbilder, Azubis und junge Schülerinnen und Schüler, die sich noch in der Berufsorientierung befinden. Ich spreche mit ihnen, höre mir ihre Sichtweisen an und kann daher für euch sozusagen exklusiv aus dem Nähkästchen plaudern, wenn es um Dinge geht, die euch bewegen.
In letzter Zeit war ich wieder auf einigen Messen unterwegs und habe mir angehört, was euch bewegt. Meistens frage ich, für welchen der unzähligen Chemie-Berufe ihr euch konkret interessiert, und ich würde sagen, in etwa 80 % der Fälle wisst ihr das noch gar nicht. Das ist auch nicht weiter schlimm, denn wir können es gemeinsam herausfinden, etwa mit dem Ausbildungsfinder von Elementare Vielfalt.

Wenn ich mit euch spreche, dann….

„Soll ich das machen, was mich interessiert, oder lieber das, wofür es später sicher Jobs gibt?“ Dahinter steckt oft eine ganze Familie. Eltern, die sich Sorgen machen. Lehrer, die Arbeitsmarktprognosen zitieren. Freundinnen, die erzählen, dass „was mit IT“ oder „was mit Nachhaltigkeit“ jetzt angesagt ist. Am Ende steht ihr da mit 15, 16 oder 17 Jahren und sollt eine Entscheidung treffen, die sich anfühlt, als ginge es um das ganze Leben.

Meine Antwort: Hör auf dein Herz. Nutz deinen Verstand, wäge ab, aber wenn du dich entscheiden musst, dann ist das Herz dran.

Bild: Pixabay, geralt: Nicht zu wissen, wie die Zukunft aussieht ist übrigens normal!

Die Sache mit den Zukunftsberufen

Natürlich fragen wir uns auch immer wieder: Welche Berufe haben Zukunft? Welche werden in Zukunft gebraucht? Denn für diese brauchen wir dann viele und vor allem gut ausgebildete Fachkräfte. Aber wir müssen auch mal ehrlich sein: In den letzten Jahren dreht sich der Berufsmarkt immer schneller. Vor ein paar Jahren hatten wir einen großflächigen Fachkräftemangel. Den haben wir zum Teil immer noch, aber es werden auch Stellen abgebaut, weil die Wirtschaft nicht mehr so stark ist. Dann wollten alle Elektroniker:innen, die die Energiewende, also erneuerbare Energien, in die Betriebe bringen konnten. Die brauchen wir auch weiterhin, aber plötzlich wollen alle IT-Fachleute, die KI können. Branchen, die als krisensicher galten, haben Stellen abgebaut. Andere, an die vorher kaum jemand gedacht hat, suchen händeringend Leute. Mit der Diabetesforschung und den sogenannten „Abnehmspritzen“ braucht es plötzlich mehr Pharmakant:innen, Biologielaborant:innen und Co.

Wer heute einen Beruf nur deshalb wählt, weil er auf einer Liste mit „gefragten Berufen“ steht, setzt auf eine Wette. Und die Quoten ändern sich ständig. Bis du deine Ausbildung oder dein Studium abgeschlossen hast, kann die Welt schon ganz anders aussehen. Die Welt dreht sich schneller, als jeder Karriereplan es vorhersehen kann. Trotzdem gibt es Berufe, vor allem die sogenannten technischen Berufe, die voraussichtlich nur schwer von einer KI ersetzt werden können.

Bild: Pixabay, geralt: Momentan sind KI-Berufe gefragt.

Gut sein schlägt gefragt sein

Was dagegen ziemlich sicher ist: Wer gut in dem ist, was er tut, findet fast immer einen Platz. Und gut wirst du vor allem in Dingen, die dich wirklich interessieren. Für die du freiwillig mehr wissen willst. Bei denen du nicht auf die Uhr schaust.

Ich finde, das gilt besonders für Nischenberufe. Viele junge Menschen machen einen Bogen um Berufe, die kaum jemand kennt, weil sie denken: „Da gibt es doch kaum Stellen.“ Das stimmt manchmal sogar. Es gibt aber oft auch kaum Leute, die das können. Nimm die Glasapparatebauer:innen in der Chemiebranche. Den Beruf kennen die wenigsten, aber ohne diese Spezialist:innen läuft in vielen Laboren nichts. Wer sich in so einer Nische auskennt und sein Handwerk beherrscht, ist nicht eine:r von Hunderten Bewerber:innen, sondern vielleicht eine:r von wenigen.

Spezialisierung ist kein Risiko, sie ist ein Alleinstellungsmerkmal. Deshalb rentiert es sich immer, daran schon in der Ausbildung zu denken, aber vor allem danach. Fortbildungen, Meisterkurse und Co. können dir deine Zukunft sichern!

Foto: Pixabay, enricsagarra: Nischenberufe sind häufig echte Jobgaranten

Spaß ist kein Luxus

Ich weiß, „Mach, was dir Spaß macht“ klingt nach Kalenderspruch. Ich meine es aber ganz praktisch. Du verbringst einen großen Teil deines Lebens bei der Arbeit. Wenn du jeden Morgen mit Bauchschmerzen hingehst, weil du etwas machst, das dich nicht interessiert, hältst du das vielleicht ein paar Jahre durch. Aber du wirst darin selten richtig gut. Und genau das macht dich auf Dauer angreifbar, egal wie „zukunftssicher“ der Beruf auf dem Papier ist.

Wer dagegen Freude an seiner Arbeit hat, bleibt neugierig, bildet sich weiter, passt sich an und entwickelt sich mit, wenn sich der Beruf verändert. Und verändern wird er sich, so oder so.

Herz ja, Kopf aber nicht ausschalten

Damit kein Missverständnis entsteht: Auf das Herz zu hören heißt nicht, die Augen vor der Realität zu verschließen. Informier dich. Mach wenn möglich Praktika. Sprich mit Leuten, die den Job schon machen. Frag nach, wie der Alltag wirklich aussieht, was man verdient und welche Wege nach der Ausbildung offenstehen. Manchmal merkt man dabei, dass die Leidenschaft eher ein Hobby bleiben sollte. Auch das ist eine wertvolle Erkenntnis.

Und vergiss nicht: Die erste Berufswahl ist keine Entscheidung für immer. Fast niemand landet genau da, wo er oder sie mit 17 hinwollte. Das ist auch gut so. Weiterbildungen, Quereinstiege und neue Richtungen gehören heute zu fast jedem Lebenslauf.

Bild: pixabay, StockSnap: Auch wenn es beängstigend ist, wir wissen eh nicht, was die Zukunft bringt. Also spring ins kalte Wasser!

Mein Rat

Frag dich nicht zuerst, was in zehn Jahren gefragt ist. Frag dich, was dich so sehr interessiert, dass du darin richtig gut werden willst. Prognosen kommen und gehen. Kompetenz, Neugier und Begeisterung bleiben, und die nimmst du überallhin mit, egal wohin die Welt sich dreht.

Mehr Blogartikel zum Thema

Kennst du die Chemiebranche?

Mehr Informationen über Berufe, Bewerbung und Betriebe findest du auf dem Chemieblog

Wie gefällt dir der Blogbeitrag?

Autorin / Autor: Chemie Azubi - Stand: 3. November 2026