Schascha und der Buchspazierer
Autor:in: Carsten Henn, Illustriert vonAnnelie Schulze
Das Buch „Schascha und der Buchspazierer“ von Carsten Henn mit schönen Abbildungen von Annelie Schulze, liest sich luftig-locker, zart und lebensfroh wie ein modernes Märchen. Es geht um Bücher und um eine tolle Geschichte, und man versinkt sprichwörtlich in der Welt der Bücher und verschlingt auch dieses Exemplar.
Bekannt ist es auch durch die gleichnamige Verfilmung, die auch schön, aber zum Teil doch anders ist. Besonders niedlich fand ich in der Literaturvorlage die dreibeinige Katze.
Protagonistin ist aber im Buch wie im Film Schascha, ein Mädchen im Schulalter, das sehr aufgeweckt und neugierig ist- und ein Bücherwurm. Genau wie die zweite wichtige Hauptfigur im Buch: der von ihr so genannte Buchspazierer, ein älterer Herr, der seinen Kund*innen Bücher austrägt. Und beide wachsen sich ans Herz und über sich hinaus. Gerade diese Verbindung zwischen dem Lesen und dem Spazieren ist ein intelligenter Einfall; letzten Endes geht es in dem Buch auch fast mehr über Gespräche und Handlungen als über das reine, alleinige Lesen.
In dem Buch treffen sich zunächst die beiden zentralen Persönlichkeiten bzw. zwei Generationen mit ihren jeweiligen Eigenheiten. Die Charaktere sind auch wie die Menge an Nebenfiguren hervorragend gezeichnet, der Autor bedient sich einer bildhaften und zugleich direkten Sprache. Niemand ist in der Geschichte schwarz oder weiß, niemand perfekt, und doch sind fast alle Personen auf ihre eigene Art und Weise liebenswert.
Diversität wird in der Geschichte großgeschrieben. Jede einzelne Person hat ihre eigenen Stärken und Schwächen, ihre eigene Leidensgeschichte und ihren eigenen aktuellen Kontext. So wird ein realistischer, wenn auch überspitzter Querschnitt der Gesellschaft gegeben. Mit der Zeit lernen sich alle Figuren kennen, werden zueinander gebracht und ergänzen sich mit ihren Feinheiten zu einer bunten Truppe.
Daneben werden ernste Themen angerissen, wie der Umgang mit Verlust, Analphabetismus, Behinderung und Tierwohl, das Anderssein und der Wunsch nach Akzeptanz, häusliche Gewalt, Arbeitslosigkeit, Einsamkeit, Krankheit und Depression. Alles wird aber mit viel Fantasie wunderbar reziprok und lösungsorientiert präsentiert und am Ende erwartet die Lesenden ein schönes, relativ abgeschlossenes Happy End. Es gab auch zwischendurch immer wieder kleine Aha- und Gänsehaut-Momente.
Daneben werden viele Bezüge zu bekannten literarischen Werken aus dem deutschsprachigen Raum hergestellt und es gibt die ein oder andere Anspielung auf diverse Lektüren. So werden auch mal Erinnerungen an die Kindheit und an die Schulzeit geweckt.
Die Zeichnungen der Illustratorin ergänzen den Text sinnvoll, fallen mal kleiner und mal großflächiger aus und sind allesamt liebevoll gestaltet.
Insgesamt war es für mich eine tolle Leseerfahrung mit viel Vergnügen und hübschen Ideen - eine absolute Weiterempfehlung! Man hat das Buch regelrecht verschlungen 😊.
Erschienen bei Oetinger
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Autorin / Autor: Margherita - Stand: 6. Oktober 2026