Matria

Autor: Tobias Elsäßer
ab 14 Jahren

In dem Buch „Matria“ von Tobias Elsäßer geht es um eine von Frauen geführte Stadt und ein geheimnisvolles Camp, in das Jungen geschickt werden, kurz bevor sie zu Männern werden.

Elias lebt in der Matria, ebendiesem von Frauen geführten Stadtstaat. Da er an der Schwelle zum Erwachsenenleben steht, muss er regelmäßig Tests und Prüfungen absolvieren. Diese sollen zeigen, ob er als Mann zu einer Gefahr für die Gesellschaft werden könnte.
Er verliebt sich in seine langjährige Freundin Aleika. Dabei erlebt er seine erste Liebe alles andere als unbeschwert, weil er aus Angst vor sich selbst sehr kontrolliert ist. Während Aleika, die auch Nachwuchs-Funktionärin in der Matria ist, ihre Liebe und Sexualität ungehindert auslebt und auch ihren Gewaltfantasien Ausdruck verleiht, übt Elias sich in größter Zurückhaltung und Selbstkontrolle.
Schließlich wird Elias, wie alle anderen männlichen Jugendlichen in der Matria, eines ungewissen Tages in ein dreiwöchiges Camp außerhalb der sicheren Grenze geschickt. Was dort geschieht, ist ungewiss, denn niemand darf darüber sprechen. Und nicht alle kehren zurück…

Die Geschichte spielt in einer nicht genau datierten nahen Zukunft nach 2040. Sie ist angesiedelt in Barcelona sowie auf dem Klostergelände Montserrat, wo sich das Camp befindet.
Die Geschichte spielt in einer dystopischen Welt voller unübersichtlicher Kriege und Elend.
Die Matria ist ein sicherer Zufluchtsort für Frauen und Kinder. Einige Männer werden dort geduldet, solange sie prognostisch keine Gefahr werden. Der Autor selbst schreibt in seinem Nachwort von einer „Femtopie“.
Außerhalb der Matria sind einige Männer bestrebt, frühere patriarchale Verhältnisse wiederherzustellen. Dafür wenden sie unmenschliche Gewalt an.

Das Buch ist tatsächlich nicht unbedingt ein Pageturner. Der Autor schildert keine Utopie und keine Dystopie, sondern etwas dazwischen. Bis auf wenig überraschend explizite Gewaltschilderungen gegen Ende ist wenig dabei, was wirklich erschüttert. Im Camp passiert seitenlang nicht wirklich viel. Die daraus resultierende Verwirrung bei Elias und bei den Lesenden erzeugt eine sehr subtile Spannung, aber keinen Kick.
Dennoch ist die Idee des matriarchalischen Stadtstaates in der Zukunft eine interessante, ziemlich neue Idee. Entfernt erinnert es an griechische Amazonen, die in einigen Mythen auch Städte gründeten.
An wenigen Stellen kam ich nicht ganz umhin, mich zu fragen, ob die Geschichte später in Richtung Manosphere-Anschauung tendieren würde. Das konnte ich zum Glück nach kurzer Zeit ausschließen. 
Zur Einordnung empfiehlt es sich unbedingt, das Nachwort des Autors zu lesen. Grob ging es ihm darum, einen gut gemeinten Rückzugsraum für Frauen zu entwickeln, der jedoch nicht ganz gelingt und sich autoritär entwickelt.

Nach zwei Dritteln des Romans habe ich erstmals den ganzen Klappentext gelesen. Leider enthielt dieser selbst zu diesem Zeitpunkt noch einen Spoiler. Aus meiner Sicht wurde darin zu viel preisgegeben.
Der Entschluss am Ende wirkt für mich leider nicht genügend motiviert, um nachvollziehbar zu sein.

In „Matria“ werden neue Ideen in einer interessanten Welt präsentiert. Aber die Spannung, die ich bei diesem Buch erwartet habe, hielt sich in Grenzen.

Erscheint am 25.1.26 bei Thienemann

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Autorin / Autor: Claudia B. - Stand: 16. März 2026