King Sorrow I

Autor: Joe Hill
Übersetzer: Kristof Kurz

Was würdest du machen, wenn du darüber entscheiden könntest, ob bösartige Menschen sterben? Terroristen, Mörder, Vergewaltiger – ihr Leben würde in deinen Händen liegen. Aber wenn du deine Entscheidung einmal getroffen hast, dann gibt es kein Zurück mehr.

Arthur studiert am Rackham College, einer prestigeträchtigen Universität, die einen gewissen Wohlstand voraussetzt. Hier studieren die, die Geld haben, Beziehungen, Einfluss. Dazu will nicht so richtig passen, dass Arthurs Mutter im Gefängnis sitzt. Bei einem seiner Besuche dort gerät er in die Bredouille. Wieso muss er auch ausgerechnet an die Familie Nighswander geraten und mit seinen verfehlten Hilfsversuchen die Wut der Drogendealer:innen auf sich ziehen?

Arthur muss büßen: aus der Bibliothek, die er so stolz bewacht, soll er Bücher stehlen und sich so nach und nach freikaufen. Aber seien wir mal ehrlich: Wann hat so ein Deal jemals funktioniert? Da haben seine Freund:innen Allie, Donna, Van, Colin und Gwen, die ihm nicht von der Seite weichen, komplett recht.

Als ein ganz besonders wertvolles Buch bei ihnen zu Hause liegt, beschließt der Freundeskreis in einem Rausch aus Marihuana und Whisky, den okkulten Ausführungen zu folgen. Was als bekiffte Idee startet, manifestiert sich in King Sorrow, einem uralten Drachen, der ihre Feinde unter der Bedingung verfolgt, dass sie jemanden auswählen, der sterben muss. Sonst müssen sie selbst dran glauben. Kein Problem, was soll schon dagegen einzuwenden sein, wenn zwei Sadist:innen von innen heraus von Dämonen aufgefressen werden? Doch King Sorrow lässt sie nicht nur an den Qualen ihrer Opfer teilhaben, er ist immer noch ein Drache, und Drachen lieben nun einmal Rätsel. Aus einem einmaligen Mord wird ein jährlicher Deal dessen Nichteinhalten immer den eigenen Tod bedeuten würde. Doch auch wenn man Listen mit Peinigern, Ekeln und ungeheuerlichen Menschen erstellt, macht es das leichter, zu wissen, dass man für deren Tod verantwortlich ist?

Und ganz nebenbei müssen die Freund:innen auch noch erwachsen werden. Liebe, Sexualität und Anziehung, Drogen und Alkohol machen weder das Altern noch die Entscheidungen leichter.

Joe Hill schreibt mitreißend und spannend. Für mich war es überflüssig, dass er das N Wort verwendet hat, auch wenn es in den zeitlichen Rahmen der Geschichte (80er/90er Jahre) wohl passt. Für mich hat es nicht positiv zur Geschichte beigetragen.
Das Buch ist aus unterschiedlichen Perspektiven geschrieben: Wir beginnen mit Arthur, dann folgt ein Kapitel aus Allies Perspektive, das noch einmal ganz andere (moralische) Dilemma aufwirft. Unterbrochen werden die Geschichten von Zwischenspielen rund um Gwen. Ich nehme an, dass im zweiten Teil des Buches (das auf deutsch ärgerlicherweise tatsächlich in zwei Bänden erscheint) folgen Kapitel aus der Perspektive von Van, Donna und Colin. Dadurch, dass die Übersetzung quasi „mitten im Buch“ endet, fällt es mir schwer, den Handlungsbogen zu bewerten. Für ein abgeschlossenes Buch gibt es mir eindeutig zu viele lose Fäden und ich kann nur vermuten, dass sie in dem zweiten Band aufgegriffen werden.

Abgesehen davon fand ich die Auseinandersetzung mit der Frage, was es mit dem Zusammenhalt und der eigenen Psyche macht, wenn man Menschen auswählt, die sterben müssen, spannend. Kann man rechtfertigen, einen Menschen sterben zu lassen, wenn er sonst anderen unermessliches Leid zugefügt hat? Macht einen das nicht selbst zum Monster?
Und können die Freund:innen sich irgendwann von King Sorrow befreien? Dafür muss ich wohl den zweiten Band lesen.

Erschienen bei Heyne

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Autorin / Autor: Karla - Stand: 27. August 2026