Echte Freude, echte Angst, echte Wärme

Beitrag zum Schreibwettbewerb echt? jetzt! von Melena R., 13 Jahre

Wir spüren es, Freude, Angst, innere Wärme. Über unser Handy. Ein neues Video meiner Lieblingscreatorin, Angst über neue Politiknews oder schöne Fotos von Urlauben im Internet. Aber wie fühlt man sich, wenn man Freude, Angst und die innere Wärme außerhalb des Handys spürt? Und genau da fiel mir ein Tag ein, wo man das Leben hautnah spürte: Der Tag ist perfekt. Perfekt um rauszufahren mit “Meliva”. Langsam machen wir, meine Eltern, meine zwei Geschwister, unser Hund und ich, unser Boot “Meliva” bereit und fahren raus. Raus aus unserer großen Bucht, Standort: Kroatien, Rab. Heute wollen wir mit zwei befreundeten Booten rausfahren. Unser Ziel, eine Höhle voller kaltem Bergwasser. Noch dürfen wir nicht schnell  fahren, erst müssen wir dreihundert Meter links und rechts vom Land entfernt sein. Aber schon jetzt spüre ich die Wärme meine Zellen rösten, das Wasser zu Gischt werden, wenn er auf unser Boot trifft und die Sonnencreme die sich komisch klebrig anfühlt. Das gelbe Türmchen kommt immer näher, und als wir es passieren, rasen wir los. Vorne den Fahrwind unsere Gesichter kitzeln lassen, auf die winzigen Wellen klatschen und laut Musik hören, von der wir hoffen, dass keiner außer uns sie verstehen kann. Das, genau das ist es, was uns Spaß macht.

Nach vierizg Minuten voller Wellen, Musik und Salzwind in unser Nase, haben wir unser Ziel erreicht. Langsam fahren die Boote hinein. Nach ein paar unaushaltbaren Minuten und Gequengel, in denen wir anlegen und uns festbinden müssen, damit der Schlauch nicht von den Felsen ermordet wird, können wir endlich los schwimmen gehen. Mein Bruder und Vater müssen natürlich wieder den RIESIGEN Felsen hochklettern und runter springen und dies immer wieder wiederholen. Das Aufklatschen auf dem Wasser macht einen Hall, den man in der ganzen Höhle hört. Und natürlich all dies, während Mama sich wieder einen Kopf macht. Neben dem Ganzem tauche ich und schwimme von Stein zu Stein. Unser Hund, der einen Irokesenschnitt wegen unseres Vaters hat, holt jeden Stein vom Grund des Meeresanfangs vor der kleinen Steininsel hinten in der Höhle mit seinem Maul hoch, wenn man sie ihm nur hinschmeißt. Ich beobachte ihn unter Wasser, wie er nach den Steinen unter Wasser taucht, sie  in sein Maul packt und wieder nach oben schwimmt und mich zum Schmunzeln bringt. Wild spielen wir im eiskaltem Wasser mit all unseren hier gefunden Freunden. Das ist unser Leben, unsere Freude, unser zweites Zuhause und unser Traum. Nach einer Zeit voller Spaß und Wasser machen wir uns auf dem Weg zu Meli Beach. Ein wunderschöner, weißer Strand voller auf Augenhöhen großen Booten und luxuriösen Yachten. Voller Vorfreude fahren wir los, mit dem Wissen, dass wir weiterhin Spaß haben werden. Ich schaue in den ehemals hellblauen Himmel, der sich langsam ein graues Kleid anzieht.

Wir machen uns keine Sorgen, der Tag ist doch voller Spaß und Freude gewesen! Aber umso näher wir an Meli Beach kommen, desto schneller werden die Wellen und desto rauer die See. Wir kommen an und sehen Yachten mit Wänden voller Gischt und Steine am Buchteingang mit Wellen kämpfen. Ich schaue mich um, alle scheinen überrascht vom plötzlichem Stimmungswechsel des Meeres. ,,Lass uns hier bleiben und warten, bis das Meer sich beruhigt” meinen die zwei Boote. Ich habe ein ungutes Gefühl und Angst beim Gedanken, dass wir wirklich hier bleiben. Der Fahrwind ist da, nur ohne die Fahrt, und lockert unsere festgetrockneten Salzhaare mit Gewalt. Mein Vater, der von allen der vergleichbar unerfahrenste auf See ist, stellt sich gegen sie und meint, dass es immer stürmischer wird und wir zurück fahren. Und wir fahren zurück, und mit uns die zwei Boote. Die vierzig Minuten zurück zum Land. Vorne will ich nicht sein, da fliegt man hoch und schlägt hart auf. Also gehe ich nach hinten zum Liegeplatz, wo man das Fliegen nicht so sehr merkt. Meine kleine Schwester kommt mir nach und ich halte sie fest, um irgendein Gefühl von Normalität zu haben. Der peitschende Wind haut mir auf meinen Nacken, wo sich schon längst Gänsehaut wegen ihm breit gemacht hat. Die Wellen heben sich beim Aufprall der Gischt. Wir fliegen leicht hoch und prallen wieder hart wie auf Beton auf. Ich bleibe, wie ich es wahrnehme, irgendwie ruhig, sowas haben wir schon mal erlebt, schon mal öfters. Aber naja, etwas Angst habe ich trotzdem und hier sein will ich auch nicht.

Meine Schwester halte ich noch fester im Arm, als wir wieder in die stürmischen Lüfte fliegen. Meliva, unser Boot, unsere kleine Insel auf dem Meer. Unser Spaß an diesem Land, dieser Insel, diesem Meer. Dieses Meer, uns bekannter als die Anordnung in unserem Keller. Ich kenne es schon seit ich sechs bin. Und trotzdem zeigt es mir, und uns, dass der Ozean seinen eigenen Willen hat, den die Wettervorhersagen nicht bändigen können.
Als ich in unserer Wohnung am baden bin, wünsche ich mir einfach einen wunderschönen Abend mit Freunden, statt diese grauen Wände am Himmel. Genau diesen Abend, werde ich im Jahr 2026, zwei Jahre nach dem Sturm haben. Mit Freunden bis in die Nacht bei warmen Wetter reden, nachdem wir das Salzwasser an unserem Körper abgewaschen haben. Cevapcici bis zum Umfallen essen und dem Himmel zuschauen, wie er wie ein Chamäleon seine Farben von rosa, orange und violett zu einem immer dunkler werdenden Königsblau ändert. Und trotz der funkelnden Sterne am Himmelszelt ist die Luft im Landesraum warm wie unter einer weichen Kuscheldecke. Dies ist es, mein zweites Zuhause.