Das Märchen der zwölf Weltenbummler

Beitrag zum Schreibwettbewerb echt? jetzt! von Moritz Rupp, 17 Jahre

Es war einmal vor langer Zeit auf einer weit, weit entfernten Inselgruppe im Nordatlantik…
Eines schönen Tages beschloss ein bunt gemischtes Dutzend junger Weltenbummler ihre sieben Sachen zu packen, um auf eigene Faust die sagenumwobene Vulkaninsel „Pico“ zu erkunden. Dafür machten sie sich des morgens voller Tatendrang mit zum Bersten gefüllten Rucksäcken auf zum Fährhafen. Als ihr schwimmendes Zuhause, der majestätische Dreimaster „Thor Heyerdahl“ mitsamt der Hafenstadt „Horta“ bald darauf in der Ferne immer kleiner wurde, spürten sie aufgeregt, wie ihnen der Fahrtwind die köstliche Freiheit der kommenden Tage entgegentrug.

Vom bald erreichten Küstenstädtchen „Madalena“ zogen sie dann also los, immer an der steinigen Südküste entlang, vorbei an labyrinthartigen, ehemaligen Weingärten, hin zu einigen sonnengewärmten Felsen, wo sie bei einer ersten ordentlichen Brotzeit den Blick über die wilde Küstenlandschaft schweifen lassen konnten. Weiter ging es, hinauf in das bewaldete Vulkanvorland, durch ein uriges Örtchen, wo ein netter Dorfbewohner die fleißigen Wanderer mit üppigen Zitronen aus seinem Vorgarten beschenkte. Beim folgenden Aufstieg wurde die Laune der Gruppe von den schnell schwindenden Kräften hart auf die Probe gestellt, bis unsere Helden bei tief stehender Sonne einen Bauernhof erreichten, wo sie nicht nur mit frischem Wasser, sondern von zwei freundlichen Bauern sogar mit einem Schlafplatz auf einer verlassenen Kuhweide belohnt wurden.

Nachdem sie voller Euphorie im Sonnenuntergang die auenlandartigen Hügel hinuntergerollt waren, wurden schnell die Zelte am Waldrand aufgeschlagen, während der Rest flugs fabelhafte Gemüse-Fladen zauberte. Völlig erschöpft legten sich die Abenteurer dann beim ersten Mondenschein zur Ruh, bis sie am nächsten Morgen von der Sonne spät aus ihrem Jahrhunderts-Schlaf gelacht wurden.
Als sie am nächsten Tag weiterzogen, wurden die Jungspunde aus heiterem Himmel von einem überaus hilfsbereiten Einheimischen angesprochen, welcher sie zu einer hoch über der Steinküste gelegenen Weide führte, wo sie begeistert ihr Nachtlager aufzuschlagen planten. Zuvor stiefelten sie jedoch pflichtbewusst zum nächstgelegenen Haus, um sich die Erlaubnis des Besitzers einzuholen.

Und ein weiteres Mal wurden sie vom Schicksal reichlich belohnt, denn das Haus gehörte der wohl liebenswertesten und hilfsbereitesten Person der ganzen Insel: Robert sprach die Weltenbummler direkt unvermittelt in ihrer Muttersprache an und folgte ihnen zu ihrem Lager, um sich vorzustellen und ihnen seine Hilfe in allen Belangen anzubieten. Dankend nahmen die Weltenbummler seine Gastfreundschaft an und löcherten ihn gebannt mit Fragen zu seinem vielbewegten Leben. Nach Einbruch der Dunkelheit kuschelten sich die Abenteurer schließlich um ein atmosphärisches Lagerfeuer, wo sie mit Robert glücklich Stockbrot und seine azoreanischen Spezialitäten schnabulierten.

Nach einer weiteren gemeinsamen Mahlzeit am nächsten Morgen beschenkte Robert sie zum Abschied überdies mit frischen Brötchen und traditionellem Käse und versprach sich zu melden, wenn er das nächste Mal ihre Heimat bereiste.
Unfähig ihre unendliche Dankbarkeit in Worte zu fassen, verabschiedeten sich die eifrigen Wanderer von ihrem neuen Freund und zogen des Mittags weiter durch die azoreanischen Wälder bis zum nächsten Küstenörtchen, wo sie nach einigem Umherfragen schließlich einen weiteren Zeltplatz fanden. Daneben führten steile Steinstufen zu einem, von spitzen Felsen abgegrenzten, Teil der Bucht, wo sich die Weltenbummler im eiskalten Wasser die Strapazen der letzten Tage abwaschen konnten. Beim anschließenden Abendessen bot ihnen der Blick aufs offene Meer ein großartiges Naturschauspiel aus Delfinschulen und blasenden Walen, welche sie aufgeregt zu bestimmen versuchten, bevor sie sich ermattet nach und nach in ihre Zelte zurückzogen.

Zurück in Madalena machten sie es sich am nächsten Tag gerade in einer Taverne gemütlich, als niemand geringeres als Robert durch die Pforte schritt und sich zu ihnen gesellte. Die Freude über dieses unverhoffte Wiedersehen war natürlich gigantisch und die folgende Zeit bis zur Abfahrt der Fähre verging wie im Flug.
So verabschiedeten sich unsere Helden ein weiteres Mal von ihrem alten Freund und machten sich auf den Rückweg nach Horta.
Und so endete das Märchen der zwölf Weltenbummler dort, wo es begonnen hatte: Auf einem Schiff, das sie schon sehr bald zum nächsten Abenteuer tragen sollte.
Und wenn sie nicht gesunken sind, dann segeln sie noch heute…