Handytaschenlampen
Beitrag zum Schreibwettbewerb echt? jetzt! von MA, 18 Jahre
Wir ham die Macht, uns zu verbinden mit der ganzen weiten Welt
Doch in leuchtenden Bildschirmen wern in den Schatten wir gestellt.
Und lassen wir uns davon auch, ja, fast jeden Morgen wecken
Am Tage zeigt’s uns Bilder, die uns dann freuen oder erschrecken.
Und am Abend ist es wieder da, nur für uns und für sonst keinen.
Hat die Playlist passend da, ob zum Lachen oder Weinen.
Und wenn wir dann nicht schlafen können, nimmt es uns so leicht die Schwere,
mit tausend bunt blinkenden Videos füllt es schnell die innre Leere.
Weil wir den ganzen Tag umherrennen und uns die ganze Zeit aufwiegeln,
Bis wir irgendwann zerbrechen und in den Scherben dann uns spiegeln.
In der Finsternis ist auch die Handytaschenlampe viel zu wenig Licht.
So stehn wir vor dem Scherbenhaufen und erkennen uns doch nicht.
Mit TikTok-Sounds und Beautyfiltern hat die Suche nach uns selbst begonnen,
Doch haben wir anstatt uns selbst nur Follower gewonnen.
Vor diesen Geräten ham wir am Ende so verdammt viel Zeit verschwendet.
Und stehen vor dem Scherbenhaufen, in dem die Suche nach uns endet.
Denn all diese Scherben passen weder in Captions noch in Songs rein.
Vielleicht werden sie ein Mosaik, doch wer du mal warst, wirst du nie wieder sein.
Und jetzt stell ich mir vor, mein Handy wär für immer einfach weg.
In einem ganz sicher versiegelten, unauffindbaren Versteck:
Dann stünde in Büchern alles das, was ich gern wüsst
Aus realem Leben wär gebaut mein Dopamingerüst.
Und wär’s dann plötzlich wieder da,
Würd ichs zerhacken und ersticken
Vielleicht hörten ja dann Zeitbomben auch endlich auf zu ticken
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