Ich bin eigentlich ziemlich handysüchtig. Ich meine so handysüchtig, dass ich während des Duschens mein Handy in einer Plastiktüte weiterbenutze. Meine Bildschirmzeit liegt an manchen Tagen sogar bei 24 Stunden und einer Minute. Wie geht das überhaupt?!
Eines Tages kam meine Mutter in mein Zimmer. Sie sah sauer aus, kam wortlos zu mir und nahm mein Handy weg. Empört fragte ich: „Ey, was hab ich überhaupt getan?“ Sie meinte nur: „Dieses Ding wirst du so schnell nicht wiedersehen. Kannst ja draußen frische Luft schnappen!“ Oh Mann! Ich war mir sicher, dass mein Bruder irgendwas über mich ausgeplaudert hatte. Zum Beispiel, dass ich seit einiger Zeit KI für all meine Schularbeiten benutze. Aber egal.
Da ich nun kein Handy mehr hatte, wollte ich zu einer Freundin, um zu zocken. Als ich bei ihr ankam, erwartete sie mich seltsamerweise schon. Sie erzählte mir: „Ich habe auch keine Ahnung, was los ist. Außer, dass deine Mutter meiner gesagt hat, dass du kommen würdest. Und danach nahm sie mein Handy und verbot mir das Zocken.“ „Na toll, was sollen wir jetzt machen?“, fragte ich. „Lass uns“, fing sie an, während ich schon ahnte, was als Nächstes kommen würde, „in den Park gehen.“
Boah, nee. Ich blieb erst einmal am Eingang stehen und wollte nicht mal rein. Wieso auch? Wenn man ein Handy hatte oder zocken konnte, war das doch Zeitverschwendung. Aber da ich gerade nichts davon hatte, ging ich mit. Als wir da waren, schaute ich mich neugierig um. Der Park war eigentlich ganz schön. Er hatte bunte Blumen, Schmetterlinge und grüne Wiesen. Ich war fasziniert - so toll hatte ich es hier nicht erwartet.
Nach einiger Zeit merkte ich, dass meine Freundin mich schmunzelnd anschaute. Ich setzte sofort wieder meinen „Hier-ist-es-langweilig-ich-will-mein-Handy“-Blick auf und setzte mich auf eine Sitzbank in der Nähe. Meine Freundin setzte sich neben mich und eine Zeit lang sagten wir nichts. Doch dann brach sie das Schweigen: „Wieso bist du eigentlich immer am Handy?“ Ich schluckte. Viele dachten, ich sei einfach nur handysüchtig, aber sie war die Erste, die vermutete, dass es einen Grund gab.
Es gab schließlich einen, aber den hatte ich immer für mich behalten. Ich öffnete meinen Mund, um zu behaupten, dass es keinen Grund gäbe, und schloss ihn wieder. Nach einigen Sekunden fühlte ich mich mutig genug. Ich begann leise zu erklären: „Naja, seit meine Eltern sich getrennt haben, sind meine Noten schlechter geworden. Ich habe mich so dumm und klein gefühlt. Dann habe ich angefangen, meine Hausaufgaben mit KI zu machen, dann auch Arbeiten und schließlich fast alles. Und in jeder Pause zocke ich, um mich von meinem schlechten Gewissen abzulenken.“
Ich hatte nicht einmal gemerkt, dass Tränen über mein Gesicht liefen. Meine Freundin sah mich erstaunt an und meinte bedrückt: „Tut mir leid.“ Es klang, als hielte sie selbst die Tränen zurück. Das bedeutete mir viel. Sie wischte mir die Tränen aus dem Gesicht und umarmte mich.
Während ich sie zurück umarmte, schwor ich mir, ab jetzt offener zu sein, viel weniger zu zocken und KI nur noch selten zu benutzen. Ich wollte alle Gedanken ans Handy beiseiteschieben, um den Moment zu genießen. Wir lösten uns voneinander und auf einmal merkte ich, wie schön sie war und dass sie immer für mich da gewesen war. Vielleicht konnte sie Gedanken lesen, denn sie wurde ein wenig rot. Ich fand, das sah so süß aus! Als ich sie an mich heranzog, schloss sie ihre Augen. Ich tat es ihr nach. Der Kuss war wunderbar und mein erster noch dazu. Danach wurden wir beide rot, hielten Händchen und gingen durch den Park.
Als ich zu Hause ankam, ließ ich mir nichts anmerken. Ich wollte aber wissen, wieso meine Mutter mein Handy weggenommen hatte. Nach diesem Tag wollte ich es nicht einmal mehr zurück. Mein Ziel war es, mehr reale Momente zu erleben – ohne Fotos und Nachrichten.
Die Antwort meiner Mutter überraschte mich total. Sie seufzte und erzählte: „Du warst nur noch am Handy und ich wusste, dass es wegen der Trennung war. Ein Verbot allein hätte nichts gebracht. Also habe ich mich mit ihrer Mutter abgesprochen. Es hat geklappt! Ihr wart im Park und ich glaube, sie mag dich sehr.“ Ich lief rot an wie eine Erdbeere. „Woher wusstest du überhaupt, dass ich zu ihr gehe?“, rief ich ihr hinterher. Sie lachte: „Ich merke doch, dass du sie magst!“
Das war zu viel für heute. Ich ging direkt ins Bett. Zum ersten Mal seit langer Zeit war mir mein Handy völlig egal. Ich hatte etwas viel Besseres entdeckt: echte Momente.
Ach ja, ich bin übrigens Tom.