Verbrannte Marshmallows
Beitrag zum Schreibwettbewerb echt? jetzt! von Anja, 14 Jahre
Emilia, dein Marshmallow brennt. 20:30 Uhr, am Zeltplatz. Tag zwei von drei im Feuerwehrzeltlager. Wie jedes Jahr sitzen wir gemeinsam ums Lagerfeuer, irgendwo in den Bergen. Einige von uns sind das erste Mal hier gewesen, als sie drei Jahre alt waren. Genau wie ich. Mit drei Jahren war ich das erste Mal hier und seither bin ich jedes Jahr mitgefahren, insgesamt elfmal.
„Hilfe, es brennt!“ „Was brennt?“, kommt es von Paul zurück. „Mein Marshmallow“, klagt Viktoria verzweifelt. „Dann hol ihn aus dem Feuer“, meint Tim besserwisserisch. Meine Feuerwehrkollegen. Einer weiß immer alles besser als die anderen. Und doch habe ich sie total gern. Endlich zieht Emilia ihren in Flammen stehenden Marshmallow aus dem Feuer. Der Anblick ist so komisch, dass Lina lauthals zu lachen beginnt. Wir wissen jedoch alle, dass sie es nicht böse meint. „Ist doch egal, nimm dir einen neuen“, meint Maria gelassen, während die Kuhglocken in der Ferne zu hören sind. Die Funken des Lagerfeuers fliegen hoch in den Himmel hinauf. Für jede schöne Erinnerung die wir von diesem Ort besitzen, ein Funken. Vorher haben wir Abendessen gekocht. Ich koche gerne, wenn wir hier sind. Wegen der kalten Bergluft sind wir alle sehr müde. Muss ja niemand wissen, dass wir in der letzten Nacht bis zwei Uhr morgens Wikingertwister und Nägeleinschlagen gespielt haben, während wir Marmorkuchen gegessen haben, bis uns schlecht wurde.
„Neeein!“ „Was ist passiert?“, fragt Leo, der gerade zum Lagerfeuer kommt. „Mein Marshmallow!“ „Nicht schon wieder“, kommt es von meiner Schwester Laura zurück. Es muss ein sonderbarer Anblick sein, wenn einige Jugendliche von der Feuerwehr irgendwo in den steirischen Alpen wegen so einer Kleinigkeit einen Lachanfall bekommen. Wie wir mit unseren Campingsesseln um das Feuer sitzen, gemeinsam versuchen, alle Zelte dicht zu bekommen, wenn es regnet. Wie wir drei Esslöffel Zucker in unseren Tee mischen, um bis Mitternacht wach zu bleiben. Dort brauchen wir kein Internet oder die Uhrzeit, um das zu machen, das wir gerade wollen. Dieses eine Wochenende. Freitag bis Sonntag. Es spielt keine Rolle, wie spät es ist, ob wir Empfang haben, wie schmutzig unsere Kleidung ist oder wie viele Süßigkeiten wir essen. Vor allem ist es aber besonders, da es nur einmal im Jahr, am Anfang der Sommerferien stattfindet. Das ganze restliche Jahr kann man sich deshalb darauf freuen. „Oh mein Gott, mein Marshmallow ist nicht verkohlt.“ „Endlich, Emilia kann ein Marshmallow ins Feuer halten, ohne uns alle abzufackeln.“ „Tim!“, ermahnen ihn alle.
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