Hand in Hand
Beitrag zum Schreibwettbewerb echt? jetzt! von Willow Kehlani, 14 Jahre
Der Himmel war strahlend blau und die Sonne vervollständigte das warme Sommerbild. Ein sanfter Wind ließ den Sand auf dem Spielplatz leicht aufwirbeln und streifte die nackten Füße der Kinder, die über den Spielplatz rannten und fangen spielten. Er zerzauste auch das Haar eines kleinen Mädchens das allein auf einer Schaukel saß.
Die sonst begehrte Schaukel neben ihr war leer und andere Kinder hüteten sich davor, sie zu besetzen. Sie hatten Angst vor ihr, Angst vor dem Unbekannten, das sie durch das das Downsyndrom mitbrachte. Man konnte ihr einfach ansehen, dass sie anders war. Für ihre sechzehn Jahre war sie klein gebaut, trug ein Glitzerkleid und hatte Elsa-Spangen im Haar. Ihr Blick war verträumt und aufmerksam zugleich und sie beobachtete die Kinder interessiert beim Spielen. Auf einmal stand ein Mädchen vor ihr und lächelte sie scheu an.
„Darf ich mich setzen?“, das Mädchen deutete auf die benachbarte Schaukel und zeichnete schüchtern mit dem Füß eine Sonne in den Sand.
„Ich heiße Florentine.“ Sie setzte sich und eine Weile schaukelten beide Mädchen schweigend vor sich hin und gingen ihren Gedanken nach. Sie hörten das zarte Zwitschern der Vögel, die Kinderstimmen und nahmen beide die vertraute Umgebung war. Auf einmal richtete das Mädchen ihr Glitzerkleid, rückte ihre Elsa-Spange zurecht und streckte zögernd, aber strahlend, Florentine die Hand entgegen. Lächelnd nahm diese sie und holte zaghaft mit den Beinen Schwung, bis die Schwerelosigkeit sie abheben ließ. Die Mädchen schaukelten immer höher, so hoch, dass ihre Fußspitzen beinahe den Himmel küssten. Der Wind blies ihnen ins Gesicht und brachte einen Schwall Kinderlachen und den Duft von Sommer mit. Florentine schaute zu dem Mädchen. Sie konnte das strahlende Lächeln auf ihrem Gesicht sehen und hatte das Gefühl, die Welt würde sie umarmen. Sie spürte die kleine, warme Hand des Mädchens in ihrer und ihren gleichmäßigen Puls. Der Himmel färbte sich allmählich rot und kleine Wattewölkchen umhüllten die stetig sinkende Sonne. Die Schaukel wurde gemächlich langsamer, bis sie nur noch hin- und herdümpelte. Das Sirren der Mücken tönte in ihren Ohren und die kühle Abendluft verschluckte die Hitze des Tages. Das Mädchen ließ vorsichtig Florentines Hand los und erhob sich von der Schaukel. Sie griff in die Tasche ihres Glitzerkleides und holte ein kleines vertrocknetes Gänseblümchen heraus. Behutsam legte sie es in Florentines Hand. Dann winkte sie und verschwand zwischen den Kindern im Getümmel.
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Autorin / Autor: Willow Kehlani