Fingernägel touchscreen-tauglich?
Lebensnahe Forschung: Wissenschaftler:innen entwickeln einen Nagellack, der Touchscreens auch auf Fingernägel reagieren lässt
Für langnägelige Handysüchtige gibt es erfreuliche Nachrichten: Forscher:innen haben sich einem weltbewegendem Problem gewidmet: nämlich, wie man mit diesen ultralangen Fingernägeln ohne Verrenkungen den Touchscreen des Smartphones bedienen kann. Nagel-Begeisterte müssen nämlich mühsam die Finger verrenken, um die Haut auf den Screen zu bringen. Dabei wäre es doch viel einfacher, sie könnten gleich mit den Nägeln tippen. Ein bislang ungelöstes Problem.
Manasi Desai, eine Studentin am Centenary College, interessierte sich für Kosmetikchemie und wandte sich an ihren Forschungsbetreuer Joshua Lawrence, um ein geeignetes Projekt zu finden. Lawrence, ein Metallorganiker, erklärt: „Chemiker sind dazu da, Probleme zu lösen und zu versuchen, die Welt zu verbessern.“ Wie sich Desai und Lawrence dann so umschauten, wo ein solches Problem zu finden und zu lösen wäre, fiel ihnen auf, wie schwierig es für viele Menschen war, Smartphones mit langen Fingernägeln zu bedienen und schon war das passende Alltagsproblem gefunden.
Der lange Weg zu touchscreen-kompatiblen Fingernägeln
Um diese Idee in die Tat umzusetzen, stürzte sich das Team in die Entwicklung eines transparenten Nagellacks, der lange Fingernägel in touchscreen-kompatible Stifte verwandeln könnte.
Die meisten modernen Touchscreens, wie sie beispielsweise in Smartphones und Tablets zu finden sind, werden als kapazitive Touchscreens bezeichnet. Sie funktionieren, indem sie ein kleines elektrisches Feld über den Bildschirm erzeugen. Wenn ein leitfähiges Material – also etwas, durch das Strom fließen kann – dieses Feld stört, wie beispielsweise der Finger, ändert sich die Kapazität der Oberfläche. Das Gerät interpretiert diese Kapazitätsänderung dann als Berührung.
Wenn man jedoch mit einem nichtleitenden Material, wie einem langen Fingernagel oder einem Radiergummi, auf den Bildschirm tippt, ändert sich die Kapazität nicht, und das Gerät registriert die Berührung daher nicht. Um lange Fingernägel touchscreenkompatibel zu machen, müssen sie also eine geringe elektrische Ladung tragen.
Zuvor hatten andere Forscher:innen dies bereits versucht, indem sie elektrisch leitfähige Kohlenstoffnanoröhren oder Metallpartikel in Nagellack einarbeiteten; diese Substanzen können jedoch ein Risiko für die Hersteller darstellen, da sie bei Einatmen gefährlich sind. Zudem führen die Zusatzstoffe zu einem tiefschwarzen oder metallisch schimmernden Finish, was die Farbpalette der Lacke einschränkt. Lawrence und Desai wollten stattdessen einen Lack entwickeln, der im Idealfall sowohl transparent als auch für Trägerin und Hersteller:in ungiftig ist.
Um die perfekte Kombination aus Transparenz und Leitfähigkeit zu finden, griff Desai auf die gute, altbewährte Methode von Versuch und Irrtum zurück. Unter Verwendung von 13 handelsüblichen Klarlack-Nagellacken und mehr als 50 verschiedenen Zusatzstoffen arbeitete sie sich langsam durch die Kombinationen, um herauszufinden, welche zu einem leitfähigen Überlack für die Nägel führten. Die Moleküle, die am besten funktionierten, waren Formen von Taurin, einer organischen Verbindung, die üblicherweise als Nahrungsergänzungsmittel verkauft wird, und Ethanolamin, einem weiteren einfachen organischen Molekül.
„Unser endgültiger, klarer Lack könnte über jede Maniküre oder sogar auf unbehandelte Nägel aufgetragen werden, was auch Menschen mit Hornhaut an den Fingerspitzen helfen könnte. Er hat also sowohl einen kosmetischen als auch einen lebenspraktischen Nutzen.“
Bevor der Lack in den Regalen erhältlich sein wird, liegt aber noch ein langer Weg vor dem Team, denn noch funktioniert das Gemisch noch nicht ganz so zuverlässig und ein Bestandteil ist zudem leicht gifitg. Immerhin gibt es jetzt eine erste Idee, wie eine funktionierende Formel aussehen könnte. Und das ist ein erster Schritt zu Touchscreen-kompatiblen Fingernägeln - falls die Welt darauf gewartet hat ;-)-
Die Forschungsarbeit wurde vom Centenary College of Louisiana, der Familie Albert Sklar und dem Sklar-Lehrstuhl für Chemie finanziert. Die Forscher:innen haben ein vorläufiges Patent für diese Forschungsarbeit angemeldet.
Das Team vom Centenary College of Louisiana stellt die Ergebnisse auf der Frühjahrstagung der American Chemical Society (ACS) vor.
Quelle
Autorin / Autor: Redaktion / Pressemitteilung; Bild: Manasi Desai - Stand: 30. März 2026