GenZ - die einsamste Generation?

Jugendtrendstudie 2026 attestiert der GenZ globale Einsamkeitsgefühle und Rückzugstendenzen

Einsamkeit und Rückzug - das sind zwei gewichtige Schlagwörter, die in der Jugendtrendstudie 2026 eine hervorstechende Rolle spielen, vor allem in Bezug auf die Generation Z. Gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Schulpädagogik der Universität Augsburg hat das Institut für Generationenforschung von Januar bis Februar 2026 junge Menschen zu ihren Sorgen, Ängsten und Hoffnungen befragt. Die Jugendtrendstudie 2026 erschien mit dem Untertitel DIE EINSAMSTE JUGEND,  DIE WIR JE HATTEN.

Das sind die wichtigsten Ergebnisse der Studie, in deren Rahmen im Januar bis März 2026 4.865 Personen befragt wurden - darunter nicht nur 949 junge Erwachsene der GenZ im Alter von 19 Jahren bis 29 Jahren, sondern auch Schüler:innen der GenAlpha, Pädagog:innen, Eltern sowie eine Kontrollgruppe, die keiner dieser Gruppen entstammte.

Einsam, einsamer, GenZ

Junge Menschen gehen feiern und haben viele Freund:innen? Nicht die Gen Z. Sie leiden am stärksten - stärker als die vorhergehenden und folgenden Generationen von Jugendlichen - an globalen Einsamkeitsgefühlen. Am höchsten sind die Einsamkeitswerte bei Männern der Generation Z. Sie können sich auch am ehesten vorstellen, Beziehungen mit digitalen Partner:innen zu führen.
Einsamkeit geht außerdem mit einem niedrigen Vertrauen in das Bildungssystem, mit Ängsten und einer eher als schlecht empfundenen Gesundheit - körperlich oder psychisch - einher.

Was dagegen hilft? Die Befragten erhoffen sich vor allem von engen sozialen Beziehungen und Aktivitäten/Hobbies/Bewegung eine Linderung ihrer Einsamkeit.

Leben im Granny Style?

Allerdings leben sie nicht unbedingt so, dass sich diese Hoffnungen erfüllen könnten. Zu Hause bleiben, backen und Tee trinken statt Party all night long? Es scheint, dass die GenZ zum Leben im Großmutter-Stil neigt. Bloß kein Stress, Selfcare, früh ins Bett, Digital Detox durch Stricken, die kleinen Dinge zelebrieren. Die Forscher:innen interpretieren diesen Rückzug nicht als tatsächlichen omahaften Lebensstil, sondern eher als Versuch, sich vor der digitalen Dauerbefeuerung zu schützen. Er passt auch zu den nostalgischen Gefühlen, die die junge Generation mit der analogen Zeit verbindet.

Trotz dieser nostalgischen Gefühle hat die GenZ aber offenbar wenig Lust auf all die Dinge, die für die Jugend in einer analogen Zeit Priorität hatten: Partys, Clubs, Festivals. Feiern ist nicht angesagt. Frauen geben an, dass auch Ängste dafür verantwortlich sind - vor betrunkenen Männern, Übergriffen, KO-Tropfen und Aggressionen. Als Hauptinformationsquelle wurde hierbei Social Media genannt. Bei Männern spielt ein gesünderer Lebensstil eine Rolle mit Fitness und gesunder Ernährung. Im Durchschnitt gaben die Befragten der Generation Z (männlich wie weiblich) an, maximal einmal im Monat „Feiern“ zu gehen.

Social Media leert "Social Battery"

Obwohl viele junge Menschen der GenZ sich isoliert und einsam fühlen, meiden sie soziale Kontakte bewusst - nicht nur im realen Leben, sondern auch im digitalen Raum. Soziale Netzwerke nutzen sie eher passiv. Obwohl sie also gar nicht oder wenig mit anderen interagieren, fühlt sich ihre "Social Battery" anschließend leer an, aufgrund „zu vieler Interaktionen mit unbekannten Menschen“. Mit einer leeren sozialen Batterie ist ein Überforderungsgefühl gemeint, das vor allem im zwischenmenschlichen Kontakt (meist analog) auftritt. Dabei zeigte sich bei der Generation Z vor allem ein Zusammenhang zwischen häufiger Internetnutzung und einer leeren "Social Battery". Wer hingegen viele enge Kontakte hat, leidet weniger unter dieser Erschöpfung.

Dieses Gefühl und das daraus folgende Bedürfnis nach "Me-Time", "Selfcare" oder "Cozy-Time" wird von der GenZ genau in diesen Begriffen artikuliert. Die Forscher:innen sehen in dieser Etikettierung aber auch eine Gefahr. Die meisten könnten gar nicht begründen, warum ihre "Social Battery" plötzlich leer sein soll oder sie "Me-Time" benötigen. Die Begriffe förderten keine Bewältigungsstrategien, sondern stärkten eher eine Vermeidungshaltung.

Die Forscher:innen warnen, dass Probleme künftig eher privat kompensiert statt gemeinsam gelöst werden: "Mach's dir gemütlich, anstatt zu handeln". Dies könne auch zu einer Abnahme demokratischer Teilhabe, mehr Polarisierung und einer dauerhaften Vermeidung öffentlicher Begegnung führen.

Geschlechter sind gespalten - vor allem politisch

Die Autor:innen der Studie attestieren der GenZ eine große Gespaltenheit. Während Männer sich patriarchale Strukturen zurückwünschen, frauenfeindliche Botschaften unterstützen und AfD wählen, haben Frauen eine wachsende Angst vor Männern und fühlen sich immer stärker strukturell benachteiligt. Sie sehen ihre Anliegen am ehesten von der Partei "Die Linke" vertreten.

Was die Forscher:innen empfehlen

Es ist schwer, gegen die zahlreichen Krisen unserer Welt etwas auszurichten. Diese sind der Studie zufolge aber auch gar nicht unbedingt ausschlaggebend für Einsamkeit und Rückzug bei der GenZ. Vor allem gegen Einsamkeit fordern die Forscher:innen eine Stärkung realer sozialer Beziehungen. Weil eine Mehrheit der befragten Jugendlichen selbst strengere Begrenzungen bei Smartphone- und Social-Media-Nutzung gut fände, sehen auch die Studienautor:innen in einem Smartphoneverbot bis einschließlich der siebten Klasse sowie eine gesetzliche Altersgrenze von 16 Jahren für Social Media eine mögliche Lösung.

Beim Einsatz von KI fordern sie, dass diese "ergänzend, nicht substituierend" eingesetzt wird. Denn viele Jugendliche, die KI "für Bildung" einsetzen, meinen damit, dass die KI Aufgaben komplett löst und nicht, dass sie dabei unterstützt, dass man selbst die Lösungen schafft. Auch müssten hier mehr Grundlagenkompetenzen vermittelt werden.

Unsicherheit und Ängste sollen den Autor:innen zufolge früh bearbeitet werden - etwa durch den Ausbau von Beratungsangeboten und Präventionsprogrammen und die Förderung von Konfliktfähigkeit.

Öffentliche Räume müssten attraktiver und sicherer gemacht werden - und mehr Angebote enthalten, die offene Gemeinschaft erzeugen wie z.B. Sport, Vereine, Projekte.

Um einer politischen Entfremdung entgegenzuwirken, müsste mehr mit als über Jugendliche gesprochen werden und das über Dinge, die auch etwas mit ihrem Leben zu tun haben. Dabei müsse Demokratiebildung stärker auf Vertrauen, Teilhabe und Problemlöseerfahrung setzen.

Bleibt zu hoffen, dass diese Vorschläge auch Gehör finden und umngesetzt werden, denn die Aussichten sind finster. Einsame wählen eher an den politischen Rändern. Darum wagen die Autor:innen die leider gar nicht so steile These, dass ausgerechnet im Jahr 2033 (!) die AfD die Bundestagswahl gewinnen könnte, wenn sich bis dahin nichts ändert.

Quelle

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Autorin / Autor: Redaktion  / Pressemitteilung - Stand: 26. März 2026