Spiderskin

Forschung: Spinnenseide eignet sich zur Zucht künstlicher Haut

Foto: MHH/Kaiser, Hanna Wendt mit Goldener Radnetzspinne
Hanna Wendt, die den kleinen Rahmen hält, auf den sie Seide der Goldenen Radnetzspinne, die im Hintergrund zu sehen ist, aufgespult hat. Foto: MHH/Kaiser

Obwohl die meisten Spinnen nicht nur harmlos, sondern auch noch nützlich sind, geraten viele Menschen bei ihrem Anblick in Panik. Dabei faszinieren die langgliedrigen Achtbeiner mit ihrer einzigartigen Fähigkeit ein besonders vielseitiges Material zu produzieren: Spinnenseide. Der extrem reißfeste, elastische Wunderfaden inspiriert nicht nur Materialforscher auf der Suche nach dem ultimativen Garn der Zukunft, sondern neuerdings auch Mediziner. An der Medizinischen Hochschule Hannover konnte nämlich gezeigt werden, dass Spinnenseide nicht nur bei der Regeneration von Nerven hilft und als Nahtmaterial taugt, sondern sich auch besonders für die Zucht künstlicher Haut eignet.

"Spinnenseide ist den Aufgaben der Haut bestens gewachsen: Sie ist sehr stark, trotzdem dehnbar und wird vom menschlichen Körper toleriert. Somit kann sie mehr leisten als andere Materialien, die bisher zur Züchtung künstlicher Haut untersucht worden sind", sagt Hanna Wendt, die die Versuche im Rahmen ihrer Doktorarbeit an der Medizinischen Hochschule Hannover durchführte.

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Spinnseide-Gewebe durch "Melken" von Radnetzspinnen erzeugt

Für ihre Studie untersuchte die Forscherin Spinnenseide, die von der Art "Goldene Radnetzspinne" aus Tansania produziert wird. Um die Tiere "melken" zu können, nutzen die Wissenschaftlerinnen den Haltefaden der Spinnen, dessen Produktion die Tiere nicht kontrollieren können. Dadurch konnten sie den von den Tieren produzierten Seidenfaden durch leichtes Ziehen auf einen Edelstahlrahmen von einem Quadratzentimeter Größe aufspulen. In zehn bis 15 Minuten Melkzeit pro Spinne gewannen die Forscherinnen einen Strang von bis zu 400 Meter Länge. Durch Drehen des Rahmens ließen sich daraus Flächen aus kleinen Spinnenseide-Maschen erzeugen.

Hanna Wendt trug dann Hautzellen auf diese Maschen auf und versorgte sie mit Nährstoffen, Wärme und Luft. Es zeigte sich, dass die Zellen zu zwei übereinanderliegenden gewebeähnlichen Hautschichten heranwuchsen. Im Tierversuch müsste sich nun zeigen, wie gut dieser Ersatz anwächst. Um Spinnenseide in der Klinik einsetzen zu können, müsste sie allerdings später synthetisch hergestellt werden, damit sie in ausreichendem Maße vorhanden ist.

Wenn ihr euch in 20 Jahren also eine schlecht verheilende Wunde zuzieht, dann wird sie möglicherweise dank auf Spinnenseide gezüchteter Haut wieder wie neu. Spinnenphobiker müssen aber keine Angst haben, dass sie selbst mit den haarigen Krabblern konfrontiert werden oder gar riesige Spinnenzuchten an Krankenhäuser angedockt würden. Denn um Spinnenseide in der Klinik einsetzen zu können, müsste diese synthetisch hergestellt werden, damit sie in ausreichendem Maße vorhanden ist.

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Autorin: Redaktion / Pressemitteilung - Stand: 6. September 2011
 
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