Informationsverschmutzung?

Forscher:innen sehen in der Menge der Informationen, mit der wir konfrontiert werden, ein ähnliches Schadenspotential wie in Luftverschmutzung

Luft-, Wasser- und Umweltverschmutzung sind nicht nur sichtbar, sondern meist auch spürbar. Es stinkt, es ist dreckig, wir können schlecht atmen. Und wir alle wissen, dass das schlecht für uns Menschen und unsere Gesellschaft ist.

Forscher:innen um Boleslaw Szymanski sind überzeugt, dass es noch eine weitere „Verschmutzung“ gibt, von der eine ebenso große Gefahr für Menschen ausgehen kann, die aber nicht ganz so sichtbar ist: die Informationsverschmutzung oder der Daten-Smog (“information pollution” or “data smog”). Gemeint sind damit die unglaublichen Mengen an Informationen, denen wir täglich - oft auch unfreiwillig - ausgesetzt sind. Die Forscher:innen schreiben darüber in der Fachzeitschrift nature human behaviour.

Über unsere Handys und das Internet bekommen wir so viele Informationen, dass wir nicht mehr in der Lage sind, sie zu verarbeiten, geschweige denn Entscheidungen zu treffen. Außerdem bringt uns der Informations-Overload dazu, unsere sozialen Aktivitäten einzuschränken, er macht uns unzufrieden im Job, unmotiviert und negativ. Die Kosten für die Gesellschaft und die Wirtschaft sind immens, mahnen die Wissenschaftler:innen.

Die Idee, sich den Auswirkungen von Über-Information zu widmen, kam den Forscher:innen auf einer wissenschaftlichen Tagung. Sie beschlossen, dem Thema zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen, damit auch andere Wissenschaftler:innen künftig mehr zu diesem Feld forschen. Sie vergleichen die Auswirkungen mit anderen großen gesellschaftlichen Umwälzungen – so sei mit der Industrialisierung die Luftverschmutzung gewachsen, bis Umweltaktivist:innen dazu beigetragen hätten, das Problem anzugehen. Auf eine ähnliche Weise müsste auch die Informationsverschmutzung angegangen werden.

Informationsüberlastung wirkt überall

Überlastung durch zu viele Informationen ist ein komplexes Problem, das auf mehreren Ebenen auftritt. Bei der einzelnen Person, in Gruppen, in denen die Person unterwegs ist, in der ganzen Gesellschaft.

Die Forschenden fordern darum „Maßnahmen in Wissenschaft, Bildung und Gesetzgebung", so Szymanski. "Wir brauchen weitere interdisziplinäre Forschung zur Informationsüberlastung. Informationsökologie muss in der Schule gelehrt werden. Wir müssen auch anfangen über gesetzgeberische Möglichkeiten zu reden, ähnlich wie vor Jahrzehnten beim Clean Air Act in Großbritannien."

Dass ihr demnächst Unterricht in Informationsökonomie habt, ist unwahrscheinlich. Das würde vermutlich selbst eine Informationsüberlastung darstellen. Dennoch könnte es künftig eine wichtige Kompetenz sein, Informationen nicht in ihrer ganzen Fülle auf sich einprasseln zu lassen und zu lernen, sich auf Wesentliches zu fokussieren und Überflüssiges auszufiltern oder zu ignorieren.

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Autorin / Autor: Redaktion / Presseinformation - Stand: 26. März 2024