Nach dem tollen Treiben an den Karnevalstagen beginnt traditionell die Fastenzeit, die sich bis Ostern hinzieht. Nicht nur Christen verzichten ein paar Wochen auf Alkohol, Süßes, Fleisch oder andere Lebens- und Genussmittel - Fasten nimmt inzwischen bei vielen Menschen einen festen Platz im Jahresrhythmus ein. Diejenigen, die es tun, schwärmen davon, weil sie sich durchs Fasten emotional klarer, Energie geladener und allgemein positiver eingestellt fühlen. Auch Prof. Dr. Nanette Ströbele von der Universität Hohenheim beschreibt diese Auswirkungen des Heilfastens auf die Psyche. Sobald das Hungergefühl schwände, machten viele Personen die Erfahrung, „wie unwichtig Essen plötzlich werden kann und was sie alles nicht brauchen“, erklärt die Professorin für Ernährungspsychologie. Allerdings schränkt sie ein, dass das Phänomen nicht bei allen auftritt. „Wichtig ist, das solches Fasten gut vorbereitet sein will. Wenn etwa der Darm nicht vollständig geleert wurde, treten permanent Hungergefühle auf und dann bringt das Fasten zumindest für die Psyche nichts.“ Außerdem reagiere jeder Mensch unterschiedlich auf die Fastenkur: „Es gibt Personen, die sehr sensibel auf Hypoglycämie, also auf Unterzucker, reagieren. Wenn der Körper in so einem Fall zu wenig zu essen bekommt, werden diese Menschen schnell unzufrieden oder können sich zum Teil nicht mehr richtig konzentrieren.“ Eine solche Negativ-Erfahrung sei dann eher kontraproduktiv.
*Auch teilweises Fasten macht froh*
Man muss aber nicht vollständig fasten, um die positiven Auswirkungen des Verzichtens zu spüren. Auch das eingeschränkte Fasten, bei dem Menschen eine zeitlang auf bestimmte Nahrungs- oder Genussmittel verzichten, hat solche psychologischen Positivwirkungen. „Wenn ich mir vornehme, eine bestimmte Zeit der Versuchung nach Schokolade zu widerstehen, und das dann auch tatsächlich schaffe, ist das psychologisch auf jeden Fall wertvoll.“ erklärt Ströbele.
Entsprechend sei auch das Durchhalten beim Fasten vor allem Psychologie: „Wichtig ist, dass ich mir am Anfang klar mache, warum ich faste: Ist es eine innere Überzeugung? So kann zum Beispiel Religion eine sehr starke Bestärkung sein. Oder folge ich nur einem äußeren Druck, zum Beispiel durch meine soziale Umgebung? Im zweiten Fall habe ich schlechtere Karten“, meint Prof. Dr. Ströbele.
Beim teilweisen Fasten helfe es, sich klar zu machen, dass es eine zeitlich begrenzte Herausforderung ist. Manchen helfe die soziale Unterstützung: Etwa, wenn die Freundin auch mitmache. Andere Mittel seien Ablenkung. Und dass die Nahrungsmittel, auf die sich das Fasten bezieht, möglichst nicht im Haus sind: „Wenn ich auf Süßes verzichten will und die Familie die Schränke voll Schokolade hat, ist es schwieriger, durchzuhalten.“
*Heilfasten nicht ohne medizinische Betreuung! *
Menschen, die sich zum Heilfasten entschlössen, seien meist sehr gut vorbereitet: „Die meisten haben sich sehr lange mit diesem Vorhaben auseinandergesetzt und sich beraten lassen.“ Diese Vorbereitung sei eine wichtige Voraussetzung, denn auf das Heilfasten sollte man sich nicht ohne medizinische Betreuung oder zumindest ärztliche Anweisung einlassen, rät Frau Ströbele. Es sei absolut wichtig, dass der Körper trotz des Fastens auf jeden Fall noch die nötigen Nährstoffe bekomme. Für gesundes Fasten sei außerdem auch Gelassenheit wichtig, ist man in einer Stress-Situation oder muss viel Leistung erbringen, sollte man das Fasten lieber noch einmal verschieben, empfiehlt die Ernährungspsychologin.
*Wer darf nicht fasten?*
Kinder unter 12 Jahren, Schwangere, stillende Mütter und Menschen, die wegen einer Krankheit geschwächt sind, sollten nicht komplett fasten, raten ÄrztInnen. Auch stark Übergewichtige sollten nicht unbedingt fasten, denn wer sein Fettgewebe zu schnell herunterhungert, risikiert, dass zu viele Giftstoffe, die sich im Fett angesammelt haben, im Körper freigesetzt werden.
Wer sich dennoch im "Verzichten" üben möchte, kann ja auch mal einen Monat das Handy abschalten, den Fernseher aus lassen und statt Süßigkeiten Rohkost und Obst knabbern, rät Ernährungswissenschaftlerin Birgitta Tummel. Macht bestimmt genauso glücklich!
Stand: 22. Februar 2012