Länger warten auf das "Erste Mal"

Studie "Jugendsexualität 2010"

Deutsche Mädchen und Jungen warten offenbar länger als noch vor einigen Jahren auf ihr "Erstes Mal". Bis zu einem Alter von 17 Jahren haben mehr als ein Drittel der jungen Frauen und Männer noch keinen Geschlechtsverkehr gehabt. Und wenn doch, dann erleben deutsche Jugendliche ihr "erstes Mal" in einer festen Beziehung. Die Hälfte der sexuell aktiven Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren hatte bislang nur eine Beziehung, aber auch die deutschen Jungen sind treu: 40 Prozent von ihnen hatten in dem Zeitraum auch nur eine große Liebe. "Annahmen, wonach immer mehr junge Menschen immer früher sexuell aktiv werden, bestätigen sich nicht", erklärt Prof. Dr. Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. "Die aktuelle Repräsentativerhebung "Jugendsexualität 2010" zeigt, dass seit Mitte der neunziger Jahre die sexuelle Aktivität Jugendlicher fast unverändert und jetzt sogar rückläufig ist."

Jungen aus Migrantenfamilien gehen laut der Studie allerdings früher und insgesamt häufiger "ran" als deutsche. Dagegen sind Mädchen mit Migrationshintergrund deutlich zurückhaltender; besonders türkische Mädchen sind nur wenig sexuell aktiv. Die Mehrheit von ihnen findet einen engen Kontakt zum anderen Geschlecht vor der Ehe nicht richtig.

Kondom beliebtestes Verhütungsmittel

Zufrieden sein können die Jugendlichen mit ihrer Verhütungsbilanz: 14 - 17 Jährige sind heute schon beim ersten Mal besser als je zuvor vorbereitet: Nur je acht Prozent der Mädchen und Jungen gaben an, keine Verhütungsmittel benutzt zu haben. 1980 lag dieser Anteil mit 20 Prozent bei den Mädchen und 29 Prozent bei den Jungen noch viel höher. Erfreulich ist außerdem, dass Jungen beim ersten Mal mittlerweile genau so viel Verantwortung tragen wie Mädchen.

Verhütungsmittel Nummer eins beim ersten Mal ist das Kondom. Drei Viertel der deutschen Jungen und Mädchen wenden es an. Auch Jugendliche mit Migrationshintergrund greifen beim ersten Mal meistens zum Kondom. Mit zunehmender sexueller Aktivität greifen Mädchen mit und ohne Migrationshintergrund allerdings häufiger zur Pille.

Eltern und Schule: Starke Partner für Jugendliche

Während noch vor 30 Jahren Verhütung weitgehend ein Tabuthema war, sprechen heute 69 Prozent der deutschen Mädchen und 58 Prozent der deutschen Jungen ausführlich mit ihren Eltern darüber. Unter den Jugendlichen mit Migrationshintergrund können allerdings nur die Hälfte der Mädchen und nur 41 Prozent der Jungen im Elternhaus darüber reden. Dafür wird die Wissensvermittlung rund um die Themen Liebe, Sexualität und Verhütung in der Schule immer bedeutender. Für Jungen mit Migrationshintergrund ist sie sogar der wichtigste Ort der Aufklärung.

"Eltern und Schule sind heute starke Partner für Jugendliche", betont Prof. Dr. Elisabeth Pott, Direktorin der BZgA. "Das einmalige verschämte Aufklärungsgespräch von früher ist endgültig vorbei. Die verantwortungsbewusste Sexualaufklärung durch Elternhaus und Schule, vielfältige Beratungsmöglichkeiten und die Informationsangebote der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zu den Themen Liebe, Sexualität und Verhütung haben entscheidend dazu beigetragen, dass Deutschland eine der niedrigsten Teenagerschwangerschaftsraten in Europa hat."

Hintergrund

Seit 1980 untersucht die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) regelmäßig Einstellungen und Verhaltensweisen 14- bis 17-jähriger Jugendlicher zu Aufklärung, Sexualität und Verhütung. Für die neue Studie "Jugendsexualität 2010" wurden insgesamt 3.542 Jugendliche befragt, darunter 1014 Mädchen und Jungen mit Migrationshintergrund.

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Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 3. September 2010