Der Ton macht die Musik - besonders in Japan!
Studie zu kulturellen Missverständnissen
Wenn man wissen will, was einE JapanerIn wirklich empfindet, sollte man nicht nach Anzeichen von Trauer, Freude oder sonstigen Emotionen in den Gesichtzügen suchen, sondern auf den Klang seiner oder ihrer Stimme achten. JapanerInnen wissen das, für uns EuropäerInnen ist das eher fremd, denn wir lesen die Stimmungen unseres Gegenübers eher an der Mimik ab. Eine neue japanische Studie widmete sich jetzt dem Thema kulturelle Missverständnisse und nahm dabei besonders die Unterschiede zwischen Holländern und Japanern unter die Lupe.
"Weil Menschen soziale Tiere sind, ist es wichtig für uns, den emotionalen Zustand anderer Menschen zu erfassen, um einander besser zu verstehen", sagt Akihiro Tanaka des "Waseda Institute for Advanced Study" in Japan. Bisher hat sich die Forschung über unsere Wahrnehmung emotionaler Zustände hauptsächlich auf die Mimik konzentriert; das wollten Tanaka und seine KollegInnen in Japan und den Niederlanden nun in ihrer Studie hinterfragen. Ihr Interesse gilt eher der Frage, wie Stimmklang und Mimik zusammen arbeiten, um uns die Gefühlswelt unseres Gegenübers zu erschließen.
Dafür zeigten die WissenschaftlerInnen Freiwilligen verschiedene Varianten von Videos, in denen SchauspielerInnen einen Satz mit neutralem Inhalt sagten; der Satz lautete: "Ist das so?" Einmal sagten sie ihn eher zornig, ein andermal eher glücklich. Diese Videos zeigten sie sowohl auf Japanisch als auch auf Niederländisch. Dann bearbeiteten sie die Videos so, dass der Satz zwar mit ärgerlicher Stimme, aber mit einem glücklichen Gesicht gesprochen wurde und umgekehrt.
Glücklich oder wütend?
Die Versuchspersonen schauten sich die Videos sowohl in ihrer Muttersprache als auch in der jeweils anderen Sprache an und wurden dann gefragt, ob sie die Person als glücklich oder wütend empfanden. Dabei stellte sich heraus, dass die japanischen TeilnehmerInnen viel mehr Augenmerk auf die Stimme legten als die NiederländerInnen es taten - auch dann, wenn sie ausdrücklich angewiesen wurden, das Gefühl von den Gesichtern abzulesen und die Stimme zu ignorieren.
Tanaka überraschte das Ergebnis nicht sonderlich, denn er weiß: "Japaner neigen dazu, ihre negativen Emotionen durch ein Lächeln zu verbergen, weitaus schwieriger ist es aber, die Stimme zu verstellen." Deshalb sind JapanerInnen wohl auch sehr viel empfänglicher für emotionale akustische Signale als andere. Bei NiederländerInnen (und wahrscheinlich auch bei allen anderen EuropäerInnen), die aufgrund ihrer Erziehung eher auf die Mimik fixiert sind, kann es daher leicht zu Missverständnissen kommen. Redet man mit JapanerInnen, die einem ein lächelndes Gesicht zeigen, sollte man also nicht gleich denken, alles sei in bester Ordnung, sondern unbedingt auch die Stimmlage hinzuziehen. Damit tragen Tanaka und seine KollegInnen einen großen Teil zur Verbesserung der Kommunikation zwischen unterschiedlichen Kulturen bei. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Psychological Science veröffentlicht.
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Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 16. September 2010