Riskanter Sex

Deutsche SchülerInnen wissen kaum etwas über Chlamydien

Schon mal was von Chlamydien gehört? Nein? Dann seid ihr nicht die Einzigen, denn obwohl eine Infektion mit diesen gefährlichen Bakterien in Industrieländern die häufigste bakterielle Geschlechtskrankheit ist, wissen deutsche SchülerInnen kaum etwas über die Erkrankung, die Frauen sogar unfruchtbar machen kann. Dänische Jugendliche sind dagegen weitaus besser informiert. Das zeigen Forscher der Universität Bonn zusammen mit einer Schweizer Wissenschaftlerin in einer aktuellen Studie. Dennoch scheint das Wissen nicht vor Fahrlässigkeit zu schützen, denn weder in Deutschland noch in Dänemark greifen Jugendliche gerne zu Kondomen, um einer Ansteckung vorzubeugen, so zeigt die Studie weiter.

Die Chlamydieninfektion ist eine Geschlechtskrankheit, die sehr weit verbreitet, gefährlich und weitgehend unbekannt ist. Sie wird vor allem durch Sex übertragen und mit der Anzahl der Sexualpartner steigt das Risiko sich anzustecken. Unbehandelt kann sie bei Frauen zur Unfruchtbarkeit führen. Allein in Deutschland schätzt man die Zahl der Betroffenen auf mehr als 100.000. Besonders häufig trifft die Infektion Jugendliche unter 25 Jahren. In Dänemark versucht man daher in den vergangenen Jahren verstärkt, gerade diese Zielgruppe über die Geschlechtskrankheit aufzuklären.

Chlamydien? Nie gehört.

Mit Erfolg, wie die Studie von Dr. Dr. Charis Lengen, Sabine Jäger und Professor Dr. Thomas Kistemann belegt: Sie hatten knapp 200 SchülerInnen zwischen 15 und 19 Jahren aus Bonn und dem dänischen Aarhus zu Sexualität, Verhütung und Geschlechtskrankheiten befragt. Während unter den BonnerInnen nur jede/r siebte schon einmal etwas von Chlamydien gehört hatte, lag unter den Aarhuser SchülerInnen diese Quote bei knapp 90 Prozent. Dass das Kondom am besten vor Geschlechtskrankheiten schützt, wussten Deutsche und Dänen dagegen gleichermaßen. In beiden Städten setzten jeweils neun von zehn Schülern ihr Kreuzchen an der entsprechenden Stelle. Dazu dürfte hierzulande auch die AIDS-Aufklärungskampagne beigetragen haben.

Kondom ist wenig populär

Trotzdem ist das Kondom weder in Deutschland noch in Dänemark bei Jugendlichen sonderlich populär: Nur 50 Prozent aller Befragten gaben zu Protokoll, mittels Präservativ zu verhüten. Rund 70 Prozent griffen dagegen zur "Pille" (Mehrfachnennungen waren möglich). "Junge Menschen scheinen die Ansteckungsgefahr bei sexuellen Kontakten zu unterschätzen", vermutet Professor Kistemann. "Viel mehr als eine Infektion mit Viren oder Bakterien fürchten sie eine ungewollte Schwangerschaft."

Kistemann warnt allerdings angesichts der vergleichsweise kleinen Gruppe von Befragten vor allzu weitreichenden Schlüssen. "Unsere Daten zeigen aber eindeutig, dass die sexuelle Aufklärung über Medienkampagnen funktioniert. Es kommt nun darauf an, die Funktion von Kondomen als wirksamer Schutz vor Ansteckung noch besser herauszustellen."

Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 20. September 2010