Essbare Elektronik
ForscherInnen der Uni Linz entwickeln genießbare Schaltkreise
Digitalkameras, Notebooks, PCs, Handys, Plasmafernseher, Iphones, Spielkonsolen – schon toll, was in den letzten Jahren im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnik alles so erfunden wurde, aber je mehr Geräte es gibt, desto kürzer sind ihre Lebenszyklen und desto mehr Schrott und Müll fällt an. Der Elektro-/Elektronikschrott und ein erheblicher Strom- und Materialverbrauch strapazieren aber unsere Umwelt, daher verwundert es nicht, dass der Ruf nach „grüner Elektronik“ in Bezug auf Energie, Problemstoffe, Abfall und Recycling immer größer wird. Die Johannes Kepler Universität (JKU) im österreichischen Linz beschäftigt sich nun als eine der ersten Universitäten weltweit mit Elektronik, die man als Müll einfach auf den Komposthaufen werfen, zur Not sogar essen könnte.
Bioverträglichkeit elektrischer Bauteile
Den JKU-WissenschaftlerInnen war es wichtig, elektrische Bauteile zu entwickeln, die vollkommen bioverträglich sind. Nun können die Teams von Prof. Dr. Bauer und Prof. Dr. Sariciftci auf erste Forschungserfolge stolz sein: Dr. Irimia-Vladu hat einen organischen Feldeffekttransistor entwickelt, der von den Materialien her sogar essbar wäre. Damit wurde ein erster Schritt in Richtung „grüne Elektronik“ gesetzt: „Es ist uns erstmals gelungen, aus natürlichen Ausgangsstoffen wie beispielsweise Beta-Karotin, Indigo, Koffein, Glucose, Farbstoffe, DNA, etc. organische Feldeffektransistoren zu entwickeln“, sagen Bauer und Sariciftci.
Feldeffektransistor?
Transistoren können als kontaktlose Schalter verwendet werden. Ihre Anwendungsgebiete sind: Audio- und Videotechnik (Radio, Fernsehen, HiFi), Computertechnik, Weltraumfahrt; außerdem werden sie in Ladegeräten und Blinkern, Hörgeräten, Belichtungs- und Temperatursensoren u.ä. eingesetzt.
Äpfel mit Bio-Haltbarkeits-Schalter
Feldeffektransistoren aus biologischem Material könnten als Sensoren auf Lebensmitteln beispielsweise nachvollziehen, ob euer Steak ohne Unterbrechung der Kühlkette transportiert wurde, ob die Kirschen reif genug sind für die Ernte oder wie frisch das Brot hinter der Ladentheke noch ist. „Der Endverbraucher gibt den Sensor dann zum Biomüll oder isst ihn einfach mit“, betont Dr. Irimia-Vladu. Diese Sensoren könnten auch als medizinische Implantate verwendet werden, die als „Innen-Überwacher“ von Stoffwechselvorgängen (Blutwerte, Temperatur, Wundheilungsverlauf, etc.) dienen und vom menschlichen Körper nach gewisser Zeit ohne gesundheitliche Bedenken wieder abgebaut werden würden. Die genießbaren Schaltkreise könnten auch auf Tabletten überprüfen, ob und wann diese von PatientInnen aufgenommen wurden – wenn der Schaltkreis beispielsweise nicht länger sendet, ist das Medikament resorbiert. Essbare Elektronik wäre genauso für Spielzeug denkbar ("Mama, die Lisa hat meinen Arztkoffer aufgegessen" **g**). „Die ersten Schritte sind gesetzt, doch für jede der genannten potenziellen kommerziellen Anwendungen ist noch mit langjähriger Entwicklungsarbeit auch auf industrieller Seite zu rechnen“, betont Bauer.
Die ersten JKU-Forschungsergebnisse wurden bereits in der renommierten internationalen Zeitschrift „Advanced Functional Materials“ veröffentlicht.
Quelle:
Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 24. September 2010