Eine der größten Umweltkatastrophen passiert vor 20 Jahren im ukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl. Ein Bericht über die Ursachen und Folgen des Unglücks.
Am 26.04.1986, also vor mehr als zwanzig Jahren, geschah er: Der Super GAU in Tschernobyl - eine Explosion durch einen Bedienungsfehler während eines Experimentes. Dabei sollte überprüft werden, ob die Turbinen (Antriebsmaschinen, bei denen der Antrieb durch strömende Gase erfolgt) bei einem kompletten Stromausfall im Kraftwerk noch genügend Strom liefern können, um die Notkühlung des Reaktors zu gewährleisten. Um das Experiment so realistisch wie möglich zu machen, wurde ein Notprogramm („Havarieschutz“) abgeschaltet, in dem alle wichtigsten Sicherheitseinrichtungen zusammengefasst sind. Jedoch fiel kurz vor Beginn des Experiments die Reaktorleistung stark ab. Die Operatoren entfernten Bremsstäbe (damit kann die atomare Kettenreaktion kontrolliert werden). Doch dabei unterschritten sie die zulässige Minimalgrenze von 28 Stäben. Somit war der Reaktor schwerer zu beherrschen und in einem sehr gefährlichen Sicherheitszustand. Aber der stellvertretende Chefingenieur des Kraftwerks befahl, dass sie mit dem Experiment weiter machen sollten… Plötzlich bildeten sich Wasserstoff und Sauerstoff-Knallgas. Es folgte eine Knallexplosion, die den Reaktor und alles, was ihn umgab, zerriss. Es war an jenem Abend um 23.58 Uhr, am 26.04.1986. Bei dieser Explosion wurden zwei Männer durch herabstürzende Trümmer erschlagen. In den darauf folgenden Tagen und Wochen starben noch 30 weitere Menschen. Sie starben an der gewaltigen Strahlung, der sie bei ihren Rettungsarbeiten ausgesetzt waren. Das waren Feuerwehrleute, Operatoren und Mitglieder des Betriebspersonals des Kraftwerks.
*Ausnahmezustand in und um Tschernobyl*
Alle 50.000 Einwohner der Stadt Pripjat, die drei Kilometer von dem Reaktor entfernt ist, mussten 36 Stunden nach dem Unfall evakuiert werden. Noch 67.000 weitere Menschen aus der 30-Kilometer-Zone wurden in den darauf folgenden Wochen evakuiert. Bis heute verloren 200.000 Menschen ihre Heimat, weil auch immer wieder stark verstrahlte Flächen in der 30-Kilometer-Zone gefunden wurden. Denn die Explosion setzte über 100 radioaktive Elemente in der Atmosphäre frei. Davon blieben sehr gefährliche Elemente, die in die Umwelt gerieten, übrig. Das sind Jod, Strontium-90 und Cäsium-137. Sie richteten und richten verheerende Gesundheitsschäden an. Jod ruft Schilddrüsenkrebs hervor, Strontium kann zu Leukämie und Knochenkrebs führen. Cäsium bestrahlt den gesamten Körper und kann u.a. Leber-, Magen-, und Milzkrebs verursachen. Zudem leiden heute viele Tschernobyl-Opfer an chronischen Krankheiten wie Diabetes und Immunschwäche. Insbesondere Kinder sind betroffen. Weil das Erbgut vieler Menschen beschädigt ist, kommt es zu Missbildungen bei Neugeborenen oder auch zu Fehlgeburten. Nur 15 Prozent aller Kinder gelten wirklich als gesund. Auch mit der Natur geschah einiges: Blätter veränderten ihre Form, Eichenblätter verloren zum Teil ihre Symmetrie, junge Tannen bekamen mehrere Kronen, ganze Wälder gingen durch die massive Strahlung ein. Tiere hatten oft Fehlgeburten und Missbildungen. Kreaturen mit sechs Beinen, ohne Augen…- Das waren (sind) die Folgen.
*Weiltweite Auswirkungen*
In Deutschland wurde in den Nachrichten anfangs (1986) erzählt, dass die Angst der deutschen Bürger nicht berechtigt sei, denn in Deutschland sei alles in bester Ordnung, so einige Politiker. Doch in Wirklichkeit verseuchte die radioaktive Wolke unter anderem auch Regionen in Lappland, Finnland, Rumänien, Bulgarien, Polen, Bayern und Westengland. In Norddeutschland war es nur ein sehr geringer Teil, während in Süddeutschland teilweise Cäsium-Rückstände zu finden sind, wie auch in West-, Mittel- und Südeuropa, jedoch längst nicht so stark wie in Tschernobyl selbst. Vielmehr wurden ca. 150.000 Quadratkilometer in Weißrussland, Russland und der Ukraine verseucht. Nach der Explosion trieb der Wind die radioaktive Wolke bis zu 500 Kilometer nordwärts vom Reaktor.
*Das heutige Leben in der "Zone"*
Um den Reaktor (in der 30-Kilometer-Zone) leben heutzutage wieder wenige hundert Tschernobyl-Rückkehrer. Vor allen Dingen sind es viele alte Menschen, die zum „Sterben“ zurückgekehrt sind, aber auch jüngere. Obwohl das Leben in der Zone gesetzlich verboten ist, werden sie dennoch stillschweigend toleriert. Manchmal bekommen sie sogar für den Alltag sehr wichtige Dinge, wie beispielsweise Batterien. Kinder dürfen allerdings nicht in der Zone leben. Die Dauerbestrahlung wirkt zwar nicht unbedingt tödlich, aber sie verursacht viele Krankheiten. Eine Dauerbestrahlung auf üblichem Niveau ist nicht so gefährlich als jenen, die eine vergleichbare Strahlendosis innerhalb kürzester Zeit aufweist. Also gibt es heutzutage auch einige Touristen, die sich die Stadt und das Atomkraftwerk ansehen. Allerdings steigt der Strahlenpegel in der direkten Nähe des Sarkophags in einen erhöhten Bereich. Das Atomkraftwerk wurde am 15. Dezember 2000 geschlossen. Zurzeit wird der Sarkophag um die Reaktoren von Liquidatoren unter Opferung ihrer Gesundheit neu gemacht.
*Atomkraftwerke in Deutschland*
Und auch in Deutschland gibt es leider Atomkraftwerke. Jeden Moment kann es passieren, dass eines explodiert. Auch wir sind nicht sicher, jedoch können wir von Glück sagen, dass es bisher noch nicht geschehen ist. Insgesamt 18 Stück haben wir in Deutschland. Einige von ihnen wurden schon, andere werden noch stillgelegt. Am nahesten ist von uns Unterweser in Hannover. Dort läuft der Betrieb noch bis 2013. Es gab auch schon ein paar Skandale in dem Reaktor.
Autorin / Autor: jedisaime - Stand: 29. August 2006