MigrantInnen: Ehrgeizig und emanzipiert

Integration in Familie und Beruf besser als angenommen

Es ist als ob sich die deutschen Medien vor Weihnachten abgeprochen hätten... kaum steht das Christkind vor der Tür, wird die ganze Desintegrationsdebatte des Jahres 2010 ad absurdum geführt. Vor zwei Tagen wurde jungen MigrantInnen ein exzellentes Demokratieverständnis bescheinigt; jetzt widerlegt eine Umfrage der Bertelsmann Stiftung weitere Vorurteile gegenüber Menschen aus anderen Herkunftsländern. Ihr Ergebnis: Bei den Themen Familie und Beruf gibt es zwischen Bürgern mit und ohne Migrationshintergrund in Deutschland mehr Gemeinsamkeiten als Trennendes.

Berufstätige mit Migrationshintergrund ehrgeiziger als Deutsche

Berufstätige mit Migrationshintergrund sind jedoch offenbar viel ehrgeiziger als deutschstämmige Befragte. Insgesamt 89 Prozent sagen "Ich möchte beruflich weiterkommen"; 57 Prozent stimmen dem sogar "stark" zu. Von den Berufstätigen ohne Migrationshintergrund sind es lediglich 45 Prozent. Die Auswertung zeigt, dass insbesondere junge Migranten stark leistungs- und erfolgsorientiert sind (75 Prozent gegenüber 67 bei den Nichtmigranten).

Weiterhin sei aufgefallen, dass Männer mit Migrationshintergrund mit 86 Prozent prinzipiell stärker am beruflichen Weiterkommen interessiert sind als Männer ohne ausländische Wurzeln. Frauen mit Migrationshintergrund scheinen noch ehrgeiziger zu sein. Während 84 Prozent angeben, beruflich weiterkommen zu wollen, sagen das bei den Frauen ohne Migrationshintergrund nur 64 Prozent.

Auch das Bild von Müttern, die nicht arbeiten, sondern ihre Kinder zu Hause erziehen wollen, müsse korrigiert werden. Mehr Menschen mit ausländischen Wurzeln (74 Prozent) als Deutsche ohne Migrationshintergrund (70 Prozent) lehnen dies ab. Entgegen gängigen Klischees erteilen muslimisch geprägte BürgerInnen diesem Mutterbild eine klare Absage (70 Prozent).

Das bisschen Haushalt...

Auch die lästige Arbeit im Haushalt, wie Waschen, Kochen, Putzen ist unabhängig von der Herkunft der Befragten nicht allein Frauensache. Zwar gibt fast die Hälfte der Bevölkerung an, dass Haushalt, Kindererziehung und Pflege von Angehörigen "überwiegend" oder "fast ausschließlich" in den Händen der Frau liegt. Immerhin ein Drittel sagt jedoch, dass die häuslichen Arbeiten zu gleichen Teilen von beiden Partnern verrichtet werden. Dies gilt auch für Menschen mit Migrationshintergrund. Entgegen den landläufigen Vorurteilen sehen hier 41 Prozent der Männer Hausarbeit als gemeinsame Aufgabe an; bei Nichtmigranten sind es sogar weniger: 35 Prozent.

Große Übereinstimmung herrscht bei den Bürgern mit und ohne ausländische Wurzeln bei der Organisation der Kinderbetreuung während des Arbeitstages. 44 Prozent der Befragten ziehen Kindertagesstätten oder Ganztagsschulen vor. 23 Prozent lassen die Kinder hauptsächlich durch andere Familienmitglieder, 19 Prozent durch den Partner und 4 Prozent durch eine Tagesmutter oder ein Kindermädchen betreuen. Dies gilt auch für Familien aus der Türkei oder dem Nahen Osten. Während jede zweite Frau ihre Kinder in einen Kindergarten geben würde, wäre nur jeder dritte Mann dazu bereit. Sie sehen die Betreuung als Aufgabe ihrer Partnerin an - Frauen weisen diese Rolle den Männern deutlich seltener zu (7 Prozent).

Die Umfrage wurde von tns-Emnid in der Zeit vom 9. November bis 3. Dezember 2010 durchgeführt. Befragt wurden 896 Personen ohne und 1.001 Personen mit Migrationshintergrund.

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Autorin / Autor: Redaktion/PM - Stand: 23. Dezember 2010